2Z0 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d. Heiligen Allianz bis z. Julirevolution. 8 99'
endlich unter der Führung großer Staatsmänner die konservativen Kräfteder Staaten unter Ausschluß Österreichs zur Erfüllung der so lange be-kämpften nationalen und liberalen Ideale mitwirkten. Zunächst jedochgelang es Metternich mit Hilfe der Heiligen Allianz, die auf mehrerenKongressen gefestigt wurde, überall die nationalen und liberalen Bewegungenzu unterdrücken. So geschah es durch die Interventionen in Italienund aus der Pyrenäenhalbinsel, so in Deutschland durch die KarlsbaderBeschlüsse. Dabei traten der Allianz alle christlichen Regierungen bei mitAusnahme des praktisch-klugen England und des die Gemeinschaft mitKetzern ablehnenden Papstes; Frankreich wurde auf dem Kongreß MAachen (Okt. 1818) aufgenommen.
England Während so die kontinentalen Mächte mit der reaktionären Jntcr-ventionspolitik beschäftigt waren, erweiterte England, fortschreitend ausder zur Zeit Napoleons eingeschlagenen Bahn, seine Seeherrschaft, tratim Dienste seiner Machtpolitik nach Beseitigung der ausschließlich konser-vativen Regierung für das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein und begannim Innern, wenn auch sehr langsam, eine Reihe notwendiger Reformen-Es erschien so in gewissem Sinne im Gegensatz zu den Mächten der Allianzals Träger des Liberalismus. Etwas Ähnliches gilt von den aus derRevolution geborenen Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Als die Heilige Allianz über ein Jahrzehnt die Geschicke derHeil. Allianz Völker Europas bestimmt hatte, erfuhr ihr System nach einem Mißerfolgin Portugal von zwei Seiten her schwere Erschütterungen, vona) Amerika Amerika und von Griechenland. Der Abfall der spanischen Kolonienvom Mutterlande war im Sinne der Heiligen Allianz auch eine Revolutiongegen die legitime Regierung und hätte also auch eine Intervention ge-fordert. Dem aber widersetzte sich der junge Nordamerikanische Freistaatunter seinem Präsidenten Monroe; durch die sogenannte Monroe-Doktrinwurde den neuen Republiken eine von europäischer Einmischung freie Ent-y Kriechen- Wicklung gewährleistet. Schwerer als dieser Vorgang traf die Allianzder griechische Freiheitskrieg. In den Beziehungen zwischen Asien undEuropa (vgl. II, Z 1) hatte seit 1683 eine neue Periode eingesetzt: dasOsmanische Reich wurde allmählich nach Asien zurückgedrängt. Bisherwar das geschehen durch die beiden Nachbarstaaten, durch Österreich undRußland; jetzt erhoben sich die von den Türken unterworfenen christlichenVölker. Sie vertrauten dabei auf das glaubensverwandte Rußland. NachMetternichs Meinung war auch diese Erhebung eine Rebellion gegen denlegitimen Herrn, und zunächst schien es, als würde sich Rußland dieserAnschauung fügen. Aber der große Gegensatz zwischen Christentum undIslam erwies sich doch als stärker: Rußland mußte im Dienste seinernatürlichen Machterweiterung seinen Glaubensgenossen die erhoffte Hilwleisten; England, wo ein liberaler Minister die auswärtige Politik leitete,schloß sich, einem ähnlichen Machtinstinkte folgend, an, und Frankreichkonnte und wollte, dem gleichen Instinkte nachgebend, nicht zurückbleiben-Dazu kam die Erregung des Philhellenismus, in der sich die neuhunra-nistische Begeisterung für das klassische Altertum, der Kreuzzugseifer derchristlichen Romantiker und die liberale Gegnerschaft gegen die heimischeRegierungen zusammenfanden.
Der Sieg der Griechen und die Anerkennung ihres Staates durch dieeuropäischen Mächte bedeutete das politische Ende der Heiligen