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Vierter Band.
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248 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d. Heiligen Allianz bis z. Julirevolution. ^

10S.

Krieg inSpanien1823

und Österreich, der König von Preußen, die Könige von Sardinien undNeapel, die Kleinsürsten Italiens und eine große Schar Diplomatenerschienen. Besonders auf das Drängen Kaiser Alexanders erging an dreCortes in Madrid die Aufforderung, die Verfassung zu ändern. Da diedemokratischen Stände diese Zumutung trotzig zurückwiesen, wurde trotz desEinspruchs des von Canning (Z 116) geleiteten Englands Frankreich, gegendas einst die Heilige Allianz geschlossen worden war, als das Werkzeug aus-ersehen, den Absolutismus in Spanien wiederherzustellen. Als der liberaleDeputierte Manuel in Paris in der Kammer seine Stimme gegen die spanischeInvasion erhob, wurde er als ein Verteidiger des Königsmordes von derultraroyalistischen Mehrheit (Z 117) aus der Kammer ausgestoßen. Einfranzösisches Heer unter dem Herzog von Angouleme rückte über diePyrenäen. Umsonst riefen die Cortes das Volk unter die Waffen; die kon-stitutionelle Freiheit war für die von Priestern und Mönchen geleitete Musstein unverstandenes Wort und die neue Ordnung ihren Gewohnheiten zu-wider; der Guerillakrieg, auf den die Cortes ihr Vertrauen gesetzt hatte,erhob sich nicht. Der Pöbel und die Kamarilla begrüßten die Franzosen alsRetter von dem verhaßten Regiment der Freimaurer; umsonst widerstandeneinzelne Führer, wie Mina in Barcelona, Quiroga in Leon u. a. umTapferkeit dem fremden Kriegsherr; die Soldaten zeigten wenig Kampf-lust und suchten sich durch Kapitulation zur rechten Zeit sicherzustellen-W, Mai 1828 Die Franzosen zogen als Sieger in Madrid ein und ernannten, da duCortes mit dem König sich nach dem Süden geflüchtet hatten, eine Regent-schaft. Das feste Cadix war der letzte Zufluchtsort der Verfassung?-freunde; vor diese Stadt rückten nunmehr die Franzosen. Da entsankden Cortesmitgliedern der Mut; statt, wie sie früher großsprecherisch ge-äußert hatten, sich unter den Trümmern dieses Geburtsortes ihrer Ver-i5.Aug.i823 fassung zu begraben, schloffen sie mit den Belagerern einen Vertrag, in deMsie in ihre Auflösung willigten. Durch fremde Bajonette wurde Ferdr-nand nunmehr wieder in seine Machtsülle eingesetzt, die Verfassung trataußer Wirksamkeit, und die apostolische Partei ließ alle Wut- undRachegeister auf ihre Gegner los. Riego starb durch die Hand de-Henkers, seine Meinungsgenossen fanden teils dasselbe Schicksal, teilsentzogen sie sich der Volkswut durch die Flucht und irrten als heimatloseVerbannte in der Fremde umher; die Zurückgebliebenen mußten in denKerkern das Streben büßen, dem Volke die Institutionen zu rauben,an die es durch, einen dreihundertjährigen Despotismus gewöhnt wordenwar. In Spanien wurde mit derselben Wut für die Erhaltung des Altegekämpst, wie in Frankreich früher für dessen Vernichtung; in beideLändern diente der Pöbel als Werkzeug, hier gelockt durch die Wor„Freiheit und Gleichheit", dort fanatisiert für Religion, Königtum undie Einrichtungen der Väter.

In Portugal dagegen erlitt die Heilige Allianz eine entschiedenNiederlage. Hier suchten die Königin Carlotta (Ferdinands VII. Schwester-und ihr zweiter Sohn Dom Miguel durch einen Gewaltstreich sich dedem Adel, der Priesterschaft und dem Hofe verhaßten Konstitution )entledigen. Ermutigt durch einen von Dom Miguel geleiteten Aufstaudes Militärs und Pöbels zugunsten des absoluten Königtums hob der nawPortugal zurückgekehrte König Johann VI. die Cortesverfassung auf ur^gestattete die Verfolgung der Konstitutionellen und Freimaurer. Als

7. Nov.

Portugal

Mai 1823

er