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Vierter Band.
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250 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d. Heiligen Allianz bis z. Julirevolution. K HO.

und Mexicos das schwere Joch des spanischen Mutterlandes, so drückendauch das Abhängigkeitsverhältnis, so schreiend auch die Mißbräuche waren.Spamjch- Nur in Europa geborene Spanier, nicht Kreolen (in Amerika geboreneFremde), bekleideten die Staatsämter und Kirchenwürden; sie benutztensie zu ihrer'Bereicherung, ohne auf die Hebung und Heranbildung der Bevölkerungim mindesten bedacht zu sein. Der Handel war in enge Fesseln geschlagen,indem die Erzeugnisse der Kolonien nur an Spanier abgegeben und nurspanische Waren in die Kolonien eingeführt werden durften, jeder fremdeZwischenhandel aber verboten war. Der Anbau des Tabaks galt als königlichesMonopol und befand sich hauptsächlich in den Händen der Spanier, Produktedes Mutterlandes, wie Wein, Öl u. a., dursten in den Kolonien nicht gebautwerden, der Anbau des Zuckerrohrs, die Zucht des Seidenwurms, die Bearbeitungder Eisenminen waren untersagt, die auf spanischen Schiffen eingeführten Warenwurden mit hohen Zöllen und Abgaben belegt. Dem Gouverneur der Provinz,einem geborenen Spanier, stand das Recht der „Repartimientos" oder Waren-Verteilung zu, d. h. er sandte jedem Dorfe eine Partie Waren zur Übernahme ohneweiteres zu und setzte dafür einen beliebigen Preis fest, der mit Strenge undGewalt von der Gesamtheit der Ortseinwohner eingetrieben wurde. DEWaren wurden ohne Rücksicht auf das Bedürfnis verteilt. Bei der dünnenBevölkerung der großen Länderstrecken, bei der gänzlichen Unwissenheit der Ein- >geborenen, denen aller Schulunterricht versagt war, und bei der strengen Wach-samkeit der Inquisition fiel es den Spaniern nicht schwer, durch wenige Truppsjede unruhige Bewegung fernzuhalten, so daß sowohl der spanische Erbfolgekrieg,als die nordamerikanischen Befreiungskämpfe keine Änderung in den Zuständen .Südamerikas hervorbrachten, wie sehr auch die mehr und mehr anwachsend^kreolische Bevölkerung die Übelstände fühlte und größere Ansprüche geltendzu- j

machen begann, und der Verkehr mit Frankreich während jenes Krieges den ,

Amerikanern die Augen öffnete über die ungeheuern Vorteile, welche dieSpanier bisher aus den Kolonien durch das Monopolsystem gezogen hatten- ^

Die Versuche des gewandten, in europäische Anschauungsweise eingeweihten ^

Kreolen Miranda aus Caracas (geb. 1754) in den neunziger Jahren des ^

18. Jahrhunderts, mit Hilfe von Engländern und Franzosen die südamerikanische" !

Landschaften zur Empörung zu bringen, scheiterten an der Unreife des Volkes, ,

an der Zwietracht und Eifersucht der Stämme und Stände und an der Ver-schiedenheit der Interessen der einzelnen Provinzen. Noch zu Anfang des ^

19. Jahrhunderts bestanden die spanischen Besitzungen in Amerika, wenn auch dürchSchleichhandel und fremde Einwirkungen, wie durch die gesteigerten Mißbräuch^in der alten Ergebenheit für das Mutterland geschwächt, aus vier Vizekönig"reichen (Neugranada, Neuspanien oder Mexico, Rio de la Plata oder BuetzvAires und Peru) und aus fünf Generalhauptmannschaften (Chu^Venezuela, Guatemala, Havanna und Portorico); aber mit der Verdrängstder Bourbonen vom spanischen Thron 52) kamen die Unabhängigkeit"bestrebungen der Patrioten zur Ausführung.

Aufstiinde in Die Parteikämpfe des Mutterlandes fanden bald ihren Weg nach den Kolonien, AUb" isoe"' "der beweglichen Weltstadt Buenos Aires suchte Mariano Moreno, ein unternehmtund für Bildung und Aufklärung eingenommener Mann, den Zwiespalt unter den Behördezur Bildung einer patriotischen Partei zu benutzen und das Volk für die Unabhängig" ,

zu gewinnen. Aber den Bewohnern der Hauptstadt erstand bald ein furchtbarer Gegvs ,

in den „Gauchos", den wilden Söhnen der Steppe. Ähnliche Abfallsversuche fanden r ^

Mexico durch einige unzufriedene Kreolen statt; der Vizekönig Jturrigarai, ein KüNl j

is.Sept.t808 ling Godoys, wurde, als er sich mit den Ncuspaniern entzweite, gefangen nach Europ ,

geschickt und der Grundsatz aufgestellt, „daß nach der Auflösung der spanischen RegiesEdas Volk der Quell der Souveränität geworden sei und eine eigene Regierung zu brlvhabe". In Chile wirkte Mardinez de Rosas im Interesse der Revolution gege"Statthalter Carrasco; ähnliche Erscheinungen zeigten sich in Venezuela, wo eine " "hafte, mit europäischer Bildung vertraute Partei unter Simon Bolivars Einfluß ^Unabhängigkeit Von Spanien strebte.