486 Sechstes Buch: D. Gründg. d. neuen Deutschen Reiches u. d. Vollendg. d. ital. Einheit-
!4. Juni
Bundes-
reform
daß er seine Streitkräste nicht nutzlos im ungleichen Kampfe opfern woll'ii. Juni und begab sich mit ihnen auf der Eisenbahn über Hamburg, Hannove'Hessen-Kassel und Frankfurt zur Nordarmee nach Böhmen. Österreichnun im Bundestage den Antrag auf schleunige Mobilmachung des ganz?Bundesheeres mit Ausnahme der preußischen Armeekorps. Ich?f?außerordentlichen Sitzung am 14. Juni sollte über den österreichisch^Antrag entschieden werden. Vergebens protestierte der preußische Gesanobei Beginn der Sitzung gegen die den Bundesgesetzen und Bundesgebräuchewiderstrebende Behandlung des Antrages, in dessen Annahme seine ^gierung eine Kriegserklärung erblicken müßte: der Antrag ausbereitschaft" kam dennoch zur Verhandlung und wurde mit einfachMajorität, wobei sich in der Folge noch eine MandatsüberschreitungGeheimrats Victor v. Strauß von Lippe-Schaumburg ergab, zumerhoben. Darauf erklärte Preußen, daß durch diese verfassungswidrige ^ ,stimmung der Bund aufgelöst sei, und machte zugleich die schon am 10- AAden deutschen Regierungen zur Erwägung mitgeteilten Grundzüg?"
Bumdesreform bekannt: ein aus direkter Volkswahl zusammenberust"?Parlament, die Ausschließung Österreichs und die Errichtung einer nd?lichen und südlichen Bundesarmee, jene unter Preußens, diese unBayerns Führung, bildeten die Hauptpunkte des neuen Verfassungentwurfes.
Parteienund Mit dem Beschlusse vom 14. Juni fand der Bundestag seinund die ganze Nation schied sich in zwei große Heerlager. Zur ,.g'deutschen" Fahne unter Österreichs Führung scharten sich alle Kleinen 'die in der Erhaltung des alten Bundes, in der Niederwerfung Preuße^in der Zerrissenheit und Ohnmacht Deutschlands, in der Herrschaft „Reaktion und des Ultramontanismns ihre Zukunft sahen; sie bildeten WÖsterreich und den Dynastien der meisten Mittel- und Kleinstaatengroße Phalanx, der sich die Volksmasse in ihrer Mehrheit anschloß,angetrieben von instinktiven Antipathien, teils aufgestachelt durch die deinkratische und ultramontane Presse, teils fortgerissen durch Erinnerungaus dem Jahre 1849, teils geleitet von der Furcht vor einer MehrungStaatslasten durch höhere Besteuerung und allgemeine Wehrpflicht- ^selbst das preußische Volk ging nicht mit Begeisterung in den Kampf- ^Bittgesuche um Erhaltung des Friedens waren zahllos; in der Presst .in Vereinen erhoben sich Proteste gegen die Politik von „Blut und Eis?" 'der Abzug der Landwehrmänner war an vielen Orten von sehr erregSzenen begleitet. Die Stockung aller Geschäfte und die Klemme am E?markt, der weder die Aufhebung der Wuchergesetze noch die Erricht"einer Darlehenskasse „zur Abhilfe des Kreditbedürfnisses" zu steuernmochten, führten Bankrotte und,.Verarmung in viele Häuser. Als daaber die Würfel gefallen waren, als es sich um die künftige Machtfl?" -Preußens, ja um seine staatliche Existenz handelte, da trat ein Umsch^,^ein, da wurde es sichtbar, wie mächtig das Bewußtsein, einem gE-^Ganzen anzugehören, den Gemeinsinn weckt, die Individualitätenden Begriff der Gesamtheit beugt, das Zerstreute und Eigenwillig?.^sammenfaßt und der höheren Idee dienstbar macht. Auch in den übrnlldeutschen Staaten wirkte langsam die Macht der Tatsachen: die natw"Einheit, das Ziel aller patriotischen Bestrebungen seit einem halben
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