520 Sechstes Buch: D. Gründg. d. neuen Deutschen Reiches u. d. Vollendg. d. ital. Einheit. 8 2
nach Eröffnung des Konzils verstorbenen deutschen Erzbischofs von Manch '23.Fsbr.i87o Reisach, der Kardinal de Angelis zum Präsidenten ernannt und
Geschäftsordnung erlassen, welche dem Präsidenten die Befugnis gab, jedekurzweg abzuschneiden, der Versammlung das Recht verlieh, die Debatte jeden AU»blick zu schließen. Damit war die Mehrheit allmächtig geworden; dieforderte vergeblich moralische Einhelligkeit als Vorbedingung eines gültigen ^ausspruches. Dazu kam nun, daß sie selbst bereits in sich gespalten war; e ^stand doch ein großer Gegensatz zwischen dem Bischof Ketteler von Mainz,die neue Lehre nur gerade nicht für „opportun" hielt und jetzt seinemDöllinger den Fehdehandschuh hinwarf, und dem ritterlich-mutigen -öü -von Djakovar (Sirmium), Stroßmayer, welcher es wagte, trotz der stdentenschelle und des allgemeine Sturmes der Lippen und Füße gegen eiSatz des Schemas über den Glauben aufzutreten, in welchem alle Gottlostg^.der Welt auf den Protestantismus zurückgeführt werden sollte. Diedenn auch diesen Satz fallen, aber nicht wegen der Rede des kroatischen22. März sondern wegen eines Telegrammes Bismarcks, der mit der Zurückziehung -preußischen Gesandten drohte. Bald darauf wurde, während der genanntesich fernhielt, der übrige Teil des vom Papste vorgelegten Entwurfes überGlauben, allerdings vielfach verändert, mit Stimmeneinhelligkeit angenom ^Nun wurde dem Konzil mit Nichtachtung der dringlichsten AbmahnungenOpponenten der Entwurf zu einer dogmatischen Konstitution übergeben, bereuerste Kapitel den Primat des Papstes in der Weise der isidorischen FüW .'s(II. § 91) darlegten, während das vierte ihm förmlich die Unfehlbar(Jnfallibilität) zusprach. Am 14. Mai begann die allgemeine Debatte h^r" ,aber so tapfer auch die hervorragendsten Wortführer der Opposition sp^ ^mochten, über der Versammlung lastete die Fieberhitze des römischen S^onrM^
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tsch lösten,
nicht wenige Mitglieder unterlagen, und der Papst war festKonzil beisammenzuhalten, bis es seine Mission erfüllt habe. ...
Am 2. Juni wurde die Generaldebatte geschlossen; die Spezialde uwurde am 5. Juni eröffnet, aber erst am 1. Juli verzichtete diedie sich nur noch zu schwachen Protesten hatte aufraffen können, auf^^i3. Zu« teiligung. So wurde denn an dem Tage, an welchem die Emser
Unfehl-
barkeit
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hinausging, der im französischen Ministerrat der KriegsbeschlußPapst für unfehlbar erklärt; von den anwesenden 520 Vatern flirü „z371 mit Ja (klnest), 61 mit bedingtem Ja (klonst iuxtn nnnlum), stümit unbedingtem Nein (Xon Mast). Von den 81 fehlenden Stiwwurden nachträglich 80 für kloest, 1 für kirrest iuxtrr moäum abgetstEhe es zur feierlichen Verkündigung des neuen Dogmas kam, verl ^die Opposition noch einen letzten Schritt. Sechs Bischöfe erschienen <Deputation im Vatikan; Kettele r von Mainz warf sich zu Bodenflehte den Heiligen Vater an, er möge durch einige NachgiebigesKirche den Frieden und der katholischen Welt die schwer gefährdete Ew lzurückgeben. Pins IX. war einen Augenblick erschüttert. Aber noch ^selben Abend stimmten der Erzbischof Manning von Westrninstei . „der Bischof Senestrey von Regensburg ihn um. Als diedas erfuhr, verließen ihre Mitglieder Rom, weil ihre „kindliche k ^ >iund Ehrfurcht" ihnen verbiete, in der öffentlichen Sitzung Neinis. Zuli Mast) zu sagen. So haben dieses Wort zur entscheidenden Stünde ^zwei Männer gesprochen, Riccio von Cajazzo und Fitz-GeraldLittle-Rock, während 533 Stimmen Ja (klaest) sagten. M
Wegen eines abgebrochenen Gewitters, welches äußerste Dunkelheit über dttsanunlung verbreitete, mußte sich der Papst eine Kerze vorhalten lassen, als er dreschlossene Konstitution (genannt ?ustor aeternus) verkündigte, durch welche er selbst, -