Band 
Vierter Band.
Seite
554
JPEG-Download
 

',54 Sechstes Buch: D. Gründg. d. neuen Deutschen Reiches u. d. Vollcndg. d- ital. Einheit-

H284

25. N°v.^87v

23. No».

die in allem Wesentlichen der des Norddeutschen Bundes entsprach. Auch tNWürttemberg wurde eine Übereinkunft erzielt. Schwieriger warenVerhandlungen mit Bayern; teils die partikulariftischen NeigungenMünchener Staatsmänner, teils das Drängen des preußischen Kronprinz 'der in seinen Einheitsbestrebungen weiter ging, als Bismarck ratsamschien, und selbst znm Zwange riet, bereiteten nicht unerhebliche Hemmnw'Doch gelang es, nachdem Bayern und Württemberg im Militär-, SteM^Post- und Telegraphenwesen eine Ausnahmestellung gewährt und einig„berechtigten Eigentümlichkeiten" Rechnung getragen worden war, aM 'November die Einigung zu erzielen, und Bismarck durfte am späten Abedieses Tages freudig aufatmend den Seinen zurufen: „Die detitsHEinheit ist gemacht und der Kaiser auch." Die einzelnentage, der bayerische allerdings erst nach stürmischen Verhandlungen,denen der bayerische Partikularismus und der der deutschen Einheit seinliche Ultramontanismus das große Wort führten, gaben den VerträgenKaii-rtitel gesetzliche Gültigkeit, so daß nichts mehr der Annahme des Kaisertitels dinKönig Wilhelm im Wege zu stehen schien. Indes dieser selbst erhobBedenken; ihm schien von seinem altpreußifchen Standpunkte der preußMKönigstitel der ehrwürdigste in der Welt zu sein; ihn wollte er nicht opll ^oder auch nur hinter einem andern zurücktreten lassen. Da wußte Dismaden König Ludwig von Bayern zu bewegen, daß er den König WiVzur Annahme der deutschen Kaiserwürde bestimmte.

In dem von Bismarck selbst entworfenen Briefe,erlangt hat, schrieb er ihm: „Nach dem Beitritt Süddeutschlands zu dem norvv^-,^Verfassungsbündnis werden die Ew. Majestät übertragenen Präsidialrechte über ^deutschen Staaten sich erstrecken. Ich habe mich zu deren Vereinigung in einer Hh" j,Kder Überzeuauna bereit erklärt, daß dadurch den Gesamtinteressen des deutschen Vaterw

Ludwigs vonBayernSchreiben4. Dez.

der weltgeschichtliche Bedeut»^lands zu dem norddeuM

und seiner verbündeten Fürsten entsprochen werde, zugleich aber im Vertrauen, daß hreBundespräsidium nach der Verfassung zustehenden Rechte durch Wiederherstels^ ^eines deutschen Reiches und der deutschen Kaiserwürde als Rechtewerden, die Ew. Majestät im Namen des gesamten deutschen Vaterlandes auf Gruü ^Einigung seiner Fürsten ausüben. Ich habe mich daher an die deutschen Fürsten rnyVorschlage gewendet, gemeinschaftlich mit mir hei Ew. Majestät in Anregung zudaß die Ausübung der Präsidialrechte des Bundes mit Führung des Titels eines deutl l^Kaisers verbunden werde. Sobald mir Ew. Majestät und die verbündeten MrstkUWillensmeinung kundgegeben haben, würde ich meine Regierung beauftragen, das A-zur Erzielung der entsprechenden Vereinbarungen einzuleiten." ^

Am 18. Dezember erschien datm in Versailles die Kaiserdeputation ^norddeutschen Reichstages unter Führung des Präsidenten SiMl" 'desselben, der 1849 König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkronegeboten hatte (ß 174). Aber wie verschieden waren die Verhältnisse zwü^ ^damals und jetzt! Im Jahre 1849 reichte eine kleine MehrheitFrankfurter Parlaments dem preußischen Könige die Krone dar, diedurch schwere Kämpfe gegen die widerstrebenden Fürsten und StcM .hätte behauptet werden können, jetzt wurde sie dem König Wilhelmfreien Stücken vom ganzen deutschen Volke und seinen Fürsten ontg^gebracht. Auf dem Schlachtfelde, wie Friedrich Wilhelm IV. p*opM ^gesagt hatte, war das Kaisertum errungen worden; es war der P ^nicht parlamentarischer Parteikämpfe, sondern des edelsten und herrlich! ,,aller Kämpfe, die je ein Volk um seine Einheit und Macht geführt yDas Gefühl durchdrang auch den König Wilhelm, als er tiefbewegtfeierlicher Audienz dieser Deputation die Annahme der Kaisers

Kaiser-

devutation