508 Siebentes Buch: Literatur und Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert-
Fontäne
1819—1898
Spielhagengeb. 1829
Wilbrandtgeb. 1857
Schweizer
Erzähler
Postl
1793-1864
Bltzrus
1797-1854
Keller
1819—1890
Ebenmaß in Kunst und Empfindungen zu wahren. Glanz der Darstellung und SSeelenkcnntnis verhüllen mitunter kaum das Gesuchte in seinen zahlreichen Nove ^Unter heißerer Sonne, Eddystone u. a. m. Von seiner epischen Anlage geben ^Insel, Holzwegtraum, Aus meines Lebens Mitte u. a. ein schönes ist
Ein Meister in der Schilderung sowohl der Einzelbegebenheit als durch große Zeitbu e ^Theodor Fontäne. Mit seinen Erstlingswerken traf er den Ton der Ballade,mit Archiba ld Do uglas , in voller Reinheit. Vaterländische Begeisterung klingt oNLiedern Männer und Helden. Den literarischen Ertrag einer Reise enthalten dusähe Jenseit des Tweed und Aus England, Briefe über Theater, 's-HeePresse. Daneben erzählte er für das Volk den schleswig-holsteinischen, den Mund den deutsch-französischesn Krieg. Doch ruht seine Bedeutung hauptsächlE ,seinen Romanen, wieElle'rnklipp,GreteMinde,Vor dem Sturm, Stine,v,,Jenny Treidel, Quitt, zuletzt Die Poggenpuhls, Effi Briest und Der S ^lin, der Niederschlag einer abgeklärten Erfahrung und überlegener LebensbeobachtlEEinen glücklichen Griff tat Friedrich Spielhagen mit den Problematischen Natu ^die, in weltmännischem Tone abgefaßt, mit einer Fülle lebenswahr gezeichneter ^der Sehkraft des Erzählers ein hervorragendes Zeugnis ausstellten. Ihre Fortsetzung wsie im Romane Durch Nacht zum Licht. Nicht zum Vorteile seiner Kunst ^grillHagen dann in den Erzählungen In Reih und Glied, Allzeit voran! UtPartei; ihm selbst lag wohl der Abstieg in die unteren Schichten weit ferner als der ^stieg in die bevorrechteten Stünde; das färbt auch aus seine Volksmänner ab. Dagegen^
Hammer und Ambos, Die Sturmflut, Quisifana, die zahlreichen Novellen ^
einige Dramen wieder vorzügliche Offenbarungen echt dichterischer Anlage. —Scharf M ' junter den literarischen Zeitgenossen die Erscheinung Adolf Wilbrandts ab. Er M ^aus Rostock, doch gehört er nach seinem Wirken als Leiter des Burgtheaters und nMdBlütezeit seines dichterischen Schaffens der österreichischen Kaiserstadt an. Wilbrandt övon literarischen Forschungen aus. Seinem anerkannten Heinrich von gleist 'dann ein Roman Menschen und Geister. Bald aber trat die Bühne in ^
gründ seiner Lebenstütigkeit. Der Graf von Hammer st ein eröffnete die stattliche ^seiner Stücke, die bei aller dramatischen Kraft doch die Bühnenwirksamkeit tsichschmähen, wie die Lustspiele Die Vermählten und Die Maler, das preisge ^Trauerspiel Gra cchus, der Volkstribun, Arria und Messalina ^ ,üchei»schwülen Dunstkreis, Giordano Bruno u. a. Sein Hairan wurde „mit an»Verbot bedroht". Die Schauspiele Natalie und Die Tochter des Herrn Fabrt ^lehnen sich an die Gegenwart an, deren dichterischen Gehalt fast ausschließlicheigenster Weise die zahlreichen Romane Wilbrandts erschöpfen, so Vater und S ^eine Novellensammlung, deren Nebentitel „Dichtung und Wahrheit" zu beachten ist, ^Rothenburger, Der Dornenweg, Hermann Jfinger, Feuerblumen, 7 ^ ^Robinson, Schleichendes Gift, Die glückliche Frau, Hildegardmann usw. Auf gleicher Höhe stehen die Novellen und die Gedichte, ^wesentlichen Anteil und den zeitlichen Vorrang in dieser Hinneigung zu getreuer 2 b .gäbe der Wirklichkeit hat die Schweiz. Zunächst beherbergte sie im Wechsel mitamerika den entronnenen Priester Anton Postl, der unter dem Namen Charles S efield seine Erlebnisse und Erfahrungen in der Neuen Welt mit ungewöhnlicher Besttheit lebendig und farbenreich schilderte. Seine Transatlantischen Reisesk"^ ^Lebensbilder aus beiden Hemisphären, Das Kajütenbnch oder üati^.^yCharakteristiken, Der Legitime und der Republikaner, besonders Der 2) ^und die Aristokraten oder Mexiko im Jahre 1811 sind der AusgangspbNdie völkerkundlichen Romane geworden, deren keiner indessen das Vorbild wieder e ^hat — Ganz Heimatschilderer war dagegen der Pfarrer Albert Bitzius, den ingelungenen Erzählungen, wie Elsi, Erdbeer-Mareili, Uli der Knecht,und Freuden eines Schulmeisters usw. freilich die Naturtreue gelegentlich der ^gute Absicht lehrhaft machen. Als Schriftsteller nannte er sich Jeremias Eio . ^,itSein warmes Herz für sein Volk bekunden vornehmlich seine Volkschriften.
Recht gefeierte Meister der Erzählung sind Gottfried Keller und Konrad FrrmMeyer. Schon in der Lyrik Kellers tritt die Eigenständigkeit einer Empfindung d ^deren Reichtum und Tiefe ein Niederschlag selbsterlebter Kämpfe ist, der nichts Menschlich^' gz-blieb und die seelenvolle Zartheit mit männlichem Ernste verbindet. Unter seinen iti^vollen Erzählungen sind zwei vor anderen zu nennen, der später umgestaltete G ^Heinrich, ein Künstlerroman mit Beziehungen auf Kellers eigenen Entwickelungsgang ^Maler bis zu einem praktischen Berufe — er war Stadtschreiber in seiner Vaterstadt o