Lingggeb. 1820
Hebbel
1813-1863
Gottschallgeb. 1823
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570 Siebentes Buch: Literatur und Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert. 3
vergaß. — Fruchtlos hat auch Lingg um die Gunst seiner Zeit gerungen und ^erst neuerdings die verdiente Beachtung. Der ehemalige Militärarzt Hermann LrNgSLindau versuchte wie mit dem Blicke des Sehers die Völkerwanderung l"weltgeschichtlichen Gehalte zu ergründen und den Ringkampf des nicht sterben könnende» ^mit dem jugendlichen Anstürme der Germanen in ein anschauliches Bild zu fassen- Da«solchen Riesenaufgabe gegenüber die Kraft des Dichters besonders im Fortschritte seines ^etwas erlahmte, ist begreiflich. Doch bestätigen seine übrigen Epen, seine Lyrik und auch w"in seinen Dramen Linggs dichterischen Beruf. — In Friedrich Hebbel erstandSchrifttums ein Dichter, der durch Selbständigkeit in Empfindung und Gestaltung, ,,dramatischen Schwung und vertiefte Auffassung der Tragik alle Mitbewerber um die Ij ^ ^kröne weit hinter sich läßt. In größter Dürftigkeit zu Wesselburen aufgewachsener" ^doch mit Hilfe wohlwollender Menschen zum Studium. Seinen Erstlingswerken -1^^.und Genovcva verdankte er eine Reiseunterstützung durch den König Christian jgvon Dänemark. Er ging nun nach Paris, wo das vielumstrittene TrauerspielIstMagdalena entstand, später nach Italien, von wo er gereifter und ruhiger zuru» ^und sich in Wien verheiratete, — ein früheres Verhältnis hatte er mit den
Die österreichische Hauptstadt blieb st
Greifgeb. 1839
Geibel
1815—1881
erwachsenen Pflichten unrühmlich abgeschüttelt. Wie österreichische Hauplstaoi ^
die Stätte seines Wirkens und seiner unablässigen Selbstkultur. Hier schuf er Wer ^lauterster Kunst, unter denen Michelangelo, Agnes Bernauerin mit ihrer fast ^Tragik, Ghges und sein Ring, der Idee nach ebenso absonderlich, wie vollendetForm, und die Trilogie Die Nibelungen, die mit dem Schillerpreise gekrönt wurde, ^anstehen. Einsam blieb der hochgesinnte Dichter mit seinem Streben und seinen Anschußderen düstere Herbheit aus dem Zwiespalts in seiner Seele stammt. Die Kraft > ^Leidenschaft bricht sich an einer nachdenklichen, grüblerischen Anlage, die ihnden Widerspruch, kaum einmal den Ausgleich erblicken läßt. Wo sich aber seine ^gäbe rein und unbeeinflußt durch verstandesmüßige Betrachtung entfaltet, da tre> ^wunderbare Blüten, wie in den Gedichten, z. B. Nachtlied, Zwei Wanderer,den lieblichen Bildern aus seiner Heimat Dithmarschen. — Eine durchaus edle, isDichtung bietet der ehemalige Offizier Heinrich Frey, der unter dem Namen Martin ^ ^schreibt, in seinen empfindnngsreichen Gedichten, Deutschen GedenkblätterN ^wie in seinen Dramen, z. B. Marina Falieri, Corfiz Ulfeldt, Francesca ^Rimini, die alles Gemachte und Gekünstelte weit von sich weisen. — Eine überralwEntwickelung von äußerlicher Formglätte zu gehaltvollen, durch Adel der Sprache wGedanken hervorragenden Schöpfungen war der Muse Emanuel Geibels beschiedeW -ff
spöttische Hinweis auf das Entzücken der „höheren Töchter" ist gegenüber denSonetten für Schleswig-Holstein und den Heroldsrufen, der Folge
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Jordan
1818—1904
Lieder in Ada, in den Junius Liedern und Neuen Gedichten mit eposa ^Glanzstücken wie Der Mythus vom Dampf, Der Tod des Tiberius st-endlich den künstlerisch seinen Lustspielen nicht mehr angebracht. Dagegen versuchGeibel erfolglos im Trauerspiele, seine Brunhild blieb vereinzelt. Der Gunst hieWilhelms IV., König Maximilians II. und Kaiser Wilhelms I. verdankte derfreie Entfaltung seiner Kräfte, freilich in den Tagen politischer Aufregung auch bpersönliche Angriffe. — In seiner Jugend hat Rudolf von Gottschall die Schwan ^ ^in der Literatur seiner Zeit mitgemacht. Mit den Liedern der Gegenwart üZensnrflüchtlingen stellte er sich in die Reihen der politischen Dichter, in bereist^,,auch mehrere seiner Dramen, u. a. Ulrich von Hütten, Maximilian Robesp ^Die Marseillaise geschrieben sind. Jungdeutsche Einflüsse wirkten besonders„Hohen Liede vom Weibe" Die Göttin. Auf eigener Spur zeigte den Dichter Zveri ,,dEpos Karl Zeno, dem dann in reichem Strome Erzählungen in Versen, Tra>wLustspiele, darunter das ewig wirksame Pitt und Fox, später großangelegte, kunstv»gebaute Romane folgten, durchweg in glänzender Sprache, voll Anschaulichkeit und Z ^wenn nicht dem Stoffe nach, doch durch den Ideengehalt der Gegenwart zugewa»deren dichterischer Vertreter von Gottschall gelten darf. Sein kühnes Unterneh>»edeutsche Nationalliteratur der ersten Hälfte des 19 ten Jahrhundertsdankenswertes Denkmal seines Forscherflcißes und wissenschaftlicher Arbeit, die E. ^
ständigkeit auch in dem Buche Poetik, die Dichtkunst und ihre Formen erw ^Auch Wilhelm Jordan brachte mit der Sammlung Schaum der Gärung vorseinen Zoll. In diesem Jahre wurde er Mitglied des deutschen Parlaments, bald a°Marinerat in den Ruhestand versetzt. Damit begann für ihn die Zeit der Klärung-^Art Bekenntnis und Rechenschaft legte er mit dem lang ausgesponnenen Demiurg"einer tiefsinnigen Zusammenfassung der ganzen Geistesbewegung jener Tage, für ^