706 Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. 8
und unterstützte die Machtentfaltung Rußlands im fernen Osten. Zugleichsorgte Rußland unermüdlich für die Schlagfertigkeit feines Heeres unoseiner Flotte. Neben Kronstadt wurde Libau ein Kriegshafen erstenRanges, am Schwarzen Meere entstand außer Sewastopol ein zweitenHafen in Datum.
Inneres Im Innern blieb der Zar Alexander III., unterstützt von dem Vorsitzenden
des Heiligen Synods Pobjedonoszew und dem Minister des Innern, Grafen DimlwAlexandrojewitsch Tolstoi, der Träger der moskowitischen Ideen; alles sollnational und kirchlich russifiziert werden. Aber den inneren Frieden erzielte enicht. Vielmehr zeigte ein ruchloses Attentat, wie sehr der Boden in Rußlanunterwühlt war; der Zug, auf dem der Kaiser mit seiner Familie nach dewKaukasus fuhr, wurde bei Borki zur Entgleisung gebracht, wobei viele Personengetötet und verstümmelt wurden, die kaiserliche Familie aber mit leichten Ver-letzungen davonkam. Bald darauf starb Tolstoi, doch wurde seine sogenannte Ver-waltungsreform in einer Anzahl von Gouvernements durchgeführt; sie war demWesen nach eine Rückkehr von den Grundsätzen der europäischen Selbstverwaltungund des Rechtsstaates zu der altrussischen patriarchalischen Autokratie.
Daran änderte auch nichts der Tod Alexanders III. Sein Nach-folger Nikolaus II. zeigte durch die Pobjedonoszew weiter erwiest^Gunst und durch eine im Januar 1895 abgegebene Erklärung, daß ^dieses autokratische Regiment beibehalten wollte. Dagegen neigte detZar, als nach dem Tode des Ministers von Giers der Fürst Lobanow-Rostowski Minister des Auswärtigen wurde, in den äußeren Frag^mehr der Politik Alexanders II. zu. Er vermählte sich auch mit der deutsch^Prinzessin Alix von Hessen (als Kaiserin Alexandra Feodorowna genanM-Die besseren Beziehungen zu Deutschland und Österreich blieben auch unndem Nachfolger Lobanows, dem Grasen Murawjew, bestehen, eben!unter dem Grafen Lamsdorss. In Asien hielt der Zar an der bisherigAusbreitungspolitik fest. Durch einen Vertrag mit China gelang es (8der russischen Regierung, den Anschluß der sibirischen Bahn an die beidewichtigen Häfen Port Arthur und Talienwan durchzusetzen, die imL7.Miirzi8S8 trage von Peking Rußland auf 25 Jahre zur Nutznießung überlässtwurden. Die eigenartige, von Nikolaus II. ausgehende Idee eines Nstfriedens, die auf dem Haager Kongreß verwirklicht werden sollte (8 be-hinderte nicht, daß die Wehrkraft des Zarenreiches unausgesetzt verstauwurde. Wegen Tibet entstand eine bedenkliche Spannung mit England u>1904 brach ein verhängnisvoller Krieg mit Japan aus (Z 395). Sein Wlauf hat Rußlands führende Stellung stark beeinträchtigt.
pO-w en Schwer hatten die Deutschen in den baltischen Provinzen zuvrovmzen Dbr Senator Manassein, der als Kommissar dorthin gesandt wurde, untersagte ^„fremden Konfessionen", d. h. jeder nicht griechisch-orthodoxen, den Neubau ^Kirchen, erklärte die Kinder aus Mischehen für griechisch-katholisch,viele lutherische Prediger, die den Bekehrungen entgegentraten, nach Sibirien "russifizierte vollständig die altdeutsche Universität Dorpat, die den Namen JuO,E bekam. Auch die Juden wurden durch wiederholte Verfolgungen schwer hgesucht. Dagegen verfuhr man schonender mit den Polen, wie auch meMVersuche angestellt wurden, mit dem Papsttum einen mockus vivsncli herzust^^,Unnland Rücksichtslos aber ging man gegen Finnland vor. Seit 1890 begannRussifizierung. Im Jahre 1899 wurde dann dem finnischen Landtage einentwurf vorgelegt, nach dem das Land jährlich 7000 Mann stellen mußte, ^nunmehr, entgegen dem bisherigen Recht, auch zu Angriffskriegen verminund in russische Regimenter verteilt werden sollten. Als der Landtag "
29. Okt. 18883. Mai 1889
Alexan-der III.xi.Nov.1894Nikolaus II.seit 1894
Giers xLS. Jan. 1896
L6.Nov.1894
Lobanow x31. Aug. 1896Murawjsw x21. Juni 1900