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Erstes Buch: Die morgenlündischen Völker.
8 11.
werden durch strenge Prüfungen, zum Teil unter dem Vorsitz des Kaisersselbst, überwacht. Wie die Beamten eine scharf gegliederte, aus Gehorsamund Unterordnung beruhende Hierarchie bilden, so stehen auch die großen undkleinen Städte, die Flecken und Dörfer des weiten, übermäßig bevölkerten undmit zahllosen Ortschaften bedeckten Reiches in einem geregelten Rangverhältnis,so daß alles selbständige Gemeindeleben verbannt ist und der in strengerCentralisation gehaltene, durch Schreibermechanismus regierte und durch einHeer von Aufsehern überwachte Staat einer Maschine mit ineinandergreifendem Räderwerk gleicht. Diese Erziehung, Lebensweise und Regierungs-art machte die Chinesen feig und unkräftig; ein geknechtetes und kriechendesSklavenvolk ohne Thatkraft, Ehrgefühl und geistigen Aufschwung, sind siedoch von dünkelhafter Selbstbewunderung und hochmütiger Verachtung andererSprache VExr durchdrungen. — Die einsilbige und weiche Sprache der Chinesen, diein immer gleichem Wechsel der Tonerhebung und des Tonfalls halb gesungen,halb gesprochen wird, hat eigentlich keine Grammatik. Deklinationen undKonjugationen, die ganze Mannigfaltigkeit des Lautwandels und der Laut-ansätze, wodurch andere Sprachen einen so großen Reichtum von Beziehungenauszudrücken vermögen, sind ihr fremd, und das gegenseitige Verhältnis derWörter kann nur durch ihre Stellung und durch Partikel bestimmt undangedeutet werden. „Der ganze chinesische Sprachschatz besteht aus 450 ein-silbigen Wörtern, die vermittelst verschiedener Betonungen, mit welchen sieausgesprochen werden, auf 1203 Wortlaute gebracht werden. Bei diesererstaunlich geringen Anzahl kann es nicht anders sein, als daß dasselbe,genau auf dieselbe Weise ausgesprochen, sehr verschiedene Bedeutungen hat;bei den allergebräuchlichsten Wörtern dieser Sprache steigt die Zahl der damitausgedrückten Begriffe auf 30—40." Darum ist sie auch schwer zu erlernen.
Eine weitere Erschwerung tritt dadurch ein, daß sie mit ihrer Schrift auf derStufe des Ideogramms (bestimmten Zeichen, die einen Begriff ausdrücken) stehengeblieben sind, ähnlich der assyrischen Keilschrift (8 25), so daß, auch fürdie Chinesen selbst, zum Lesenlernen mehrere Jahre notwendig sind. Gleich-wohl ist sie sehr weit, wohl über den ganzen ostasiatischen Kulturkreis (8 2)verbreitet und auch in Japan und Korea, obwohl dort dem Chinesischendurchaus unähnliche Sprachen gesprochen werden, allgemein üblich, so daß sichdie Japaner und Koreaner mit den Chinesen zwar nicht von Mund zu Mund,Wohl aber ohne weiteres durch die Schrift verständigen können.
Zweites Kapitel.
Die Inder.
8 11. Die Arier. Begriff und Einteilung. In dem mächtigenHochlande, wo sich unweit der Quellgebiete des Oxus und Jaxartes dieHochebene Pamir (Z 6) hinzieht, weidete in uralter Zeit ein wohl-gestaltetes, bildungsfähiges Nomadenvolk, das sich selbst als „dieTrefflichen" oder „Herren", Arya (Arier, griech. ar-istos), bezeichnete, seinePferde- und Rinderherden. Vielleicht war dies nicht ihre allerersteHeimat, und wir haben diese eher in den reichen Ebenen des südöstlichenRußland zu suchen, wo, wie man gegenwärtig annimmt, die Wiege desindoeuropäischen (gewöhnlich indogermanisch genannten) Völkerstammesstand. Aber unzweifelhaft saßen die Arier, die gemeinsamen Ahnherrender Inder und Jranier, ehe diese östliche Gruppe der Jndoeuropäer sichspaltete, in den lieblichen Gegenden des heutigen Kaschmir und habendort Jahrhunderte lang in patriarchalischer Weise und in Einigkeit gelebt.