Drittes Kapitel: Das babylonisch-assyrische Reich.
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Stämme hat sich bis auf unsere Tage ohne Unterbrechung fortgesetzt; die Aramäer folgtenden Chaldäern und hatten sie zur Perserzeit fast ganz verdrängt. Dann folgte die Ein-wanderung der Araber von Westen, deren Teilkönigreiche unter den Römern einzelnbezwungen werden mußten, und gegenwärtig findet ein steter Zuzug der Beduinenstatt, deren Herrschaft nur durch den Militarismus des Türkischen Reiches bisher Hintan-gehalten wurde. In historischen Zeiten war die Bevölkerung beider Länder vorwiegendsemitisch, und von einer eigentlichen Geschichte Assyriens und Babyloniens kann erst ge-sprochen werden, nachdem sich die große chaldäische Einwanderung vollzogen hatte und dieSemiten das herrschende Volk Mesopotamiens geworden waren.
§ 19. Das altbabylonische Reich. Die ersten Staatenbildungenfinden wir in den südlichen Gegenden Babyloniens nahe an den Mün-dungen beider Ströme, wo sich der Euphrat bis auf wenige Meilen demTigris nähert. Hier regelte man durch Anlage von Deichen undKanälen die unablässig zuströmenden Wassermassen und verteilte sie überdas Land. Darum schlössen sich, durch gemeinsame Interessen vereint, dieeinzelnen Gaue aneinander und bildeten die ältesten staatlichen Gemein-schaften, Stadtkönigreiche, die sich meistens an ein Heiligtum angliederten.
So in llr, wo man den Sin anbetete, und in Sippara und Akkad,wo die Mondgöttin Anunit verehrt ward. Von größerer geschichtlicherBedeutung wurden diese Stadtsürstentümer erst, als auch sie sich zuGemeinschaften zusammenschlössen und so den Grund zu den späterenWeltreichen legten.
Das wichtigste aller dieser Königreiche aber war das von B a b y l o n Babyionun(llab-ilnn die „Gottespforte") in Nordbabylonien. Nach dieser Stadtnannten sich die ältesten Könige „Herrscher von Babel", auch wennsie ihre Residenz nicht in Babylon selbst aufgeschlagen hatten. Als solcher„König von Babylon" wird auch der älteste Fürst bezeichnet, von demhalbmythische Kunde zu uns dringt, Sargon I. („der wahre, echteKönig"), von dem Nabuna-id, der letzte König Babyloniens (um 550 v. Chr.)berichtet, er habe 3200 Jahre vor ihm regiert. Er residierte in der StadtAgade (Akkad) und dehnte seine Macht nach allen Seiten hin aus. Seinesagenhafte Jugendgeschichte, wonach er als Sohn einer Unbekannten aus-gesetzt und von einem Wasserträger ausgezogen wurde, scheint, wieauch sein Name, daraus hinzudeuten, daß er den Thron nicht ererbte,sondern sich selbst darauf schwang. — Eine völlig geschichtliche Persön-lichkeit ist sein Sohn Naramsin („Liebling Eins"), der den Sonnen-tempel in Sippara gründete und das Reich von Agade nach allen Seiten ^hin ausdehnte. — Hieraus folgt eine lange Periode, die noch nicht durchDenkmälerfunde genügendes Licht erhalten hat. Zugleich scheint Nord-babylonien mehr und mehr in den Hintergrund zu treten, um den Stadt-königreichen von Südbabylonien und den Herrschergeschlechtern von Urund Sirpurla (Sippara) Platz zu machen. Diesen gelang es, ihre Machtweit hin nach Norden zu erweitern, und sie legten sich zum Zeichen dessenden Titel „König von Sumer und Akkad" bei, Namen, die in der Folgezeitso hoch angesehen waren, daß selbst die stolzesten Großkönige Assyriens sienicht missen wollten. — Es folgten manche Dynastien, die den alten Städte-verband von Sumer und Akkad (d. i. Nord- und Südbabylonien) nicht zu-sammenzuhalten vermochten. Mancherlei Anzeichen deuten darauf hin, daßTeilsürstentümer sich absonderten und einzelne Landschaften nach einer eigenenExistenz strebten. Der Anstoß zur nationalen Einigung kam von außen,durch die elamitischen Einfälle. Dieser Sturm brauste von Osten
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