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Erster Band.
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Viertes Kapitel: Die Ägypter.

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ein Sproß eines ehemals freien Fürstengeschlechts, später abhängig von denPharaonen. Übrigens ist die Zahl der Nomen nicht immer dieselbe gewesen,da die Könige aus administrativen Gründen einzelne teilten oder zusammen-legten. Es gingen in schlimmen Zeiten auch einige Distrikte, besondersim Süden, verloren, die in der Glanzzeit des Reiches mitgerechnet wordenwaren, wie Nubien und Meroö. — In Oberägypten, das bis in die Nähe vonMemphis reichte, befinden sich die merkwürdigen und großartigen Ruinenvon Theben auf beiden Ufern des Stromes, darunter der Tempelpalastvon Karnak mit seinen riesenhaften Säulenmassen, Kolossen und Statuen-trümmern von farbigem Sandstein, schönem Marmor, rotem und schwarzemGranit. Zu diesem führt von der Ruinengruppe von Luqsor (dem zweitengroßen Pharaonenpalast) den ganzen 2000 Meter betragenden Weg hindurcheine Allee von je drei Meter auseinanderliegenden Sphinxkolossen, „diegroßartigste Verbindungsstraße, die Menschen je angelegt". Zu den Merkwürdig-keiten Oberägyptens gehören ferner: die riesenhafte Memnonssäule, eineStatue des Königs Amenophis, die früher bei Sonnenaufgang harmonischeTöne von sich gegeben haben soll; die in schauerlicher Öde in kahle Felsen-wände gehauenen vierzig Königsgräber mit ihren riesigen Gewölben undHallen; die unterirdische Toten st adt (Katakomben) mit ihren Grab-kammern, ihren labyrinthischen Gängen und ihren Schätzen an altertümlichenGerätschaften, Zieraten, Schmuckwerk, Mumien, Papyrusrollen u. dgl. Indem Thäte „der Königsgräber", wo eine gigantische Natur ihr Schöpfungswerkim wilden Spiel der Elemente betrieben hat, erstirbt alles, und Tod ist dasLosungswort in dieser stillen Region. Einen düsterern Platz als diesen konntendie Könige zu einer ewigen Ruhestätte sich nimmer ausersehen; hier scheint eswirklich, als ob sich die Thore der Unterwelt öffneten. — Stromabwärts inUnterägypten, in der Nähe der alten Hauptstadt Memphis, begegnet man untsr-^den Trümmern des Labyrinths, eines aus zahlreichen ineinanderlaufendenJrrgängen bestehenden Bauwerks, den Gruppen von Pyramiden, unter denendie vom König Cheops erbaute bei dem Dorfe Ghize durch ihre riesenhafteMasse und Höhe besondere Bewunderung erregt, dem Riesenbilde des Sphinxund dem See Möris, der zur Regelung der Nilüberschwemmungen gedientzu haben scheint. — Unterhalb Memphis verzweigt sich der Nil in verschiedene Das Den«Arme und Mündungen, von denen im Altertum sieben bekannt waren. Jetztgiebt es nur zwei Hauptarme, den von Rosette und den von Damiette. Dievon ihnen und vom Meere eingeschlossene Landschaft führt von ihrer dreieckigen,dem griechischen (D) entsprechenden Gestalt den Namen Delta. Hier lagenaußer der alten Hauptstadt Heliopölis, die aber später von Alexandriaverdunkelt wurde, die geschichtlich merkwürdigen Orte Sais, Naukrätisund Pelusium.

Der Ursprung des Ägyptervolkes (so wurden sie von den UrsprungGriechen genannt; ein einheimischer Name für die Bewohner des Nillandes ^scheint nicht existiert zu haben) ist in Dunkel gehüllt. Eine Vermutunggeht dahin, daß das gesamte Volk eines Stammes gewesen ist, der in einemnoch nicht genügend erforschten Verwandtschastsverhältnis zu den kaukasischenStämmen Nordasrikas gestanden hat. Eine zweite Ansicht ist die, daß sich zueiner Urbevölkerung, die sich der Negerrasse näherte, ein von Asien kommenderZug von Einwanderern gesellte, der sich durch seine höhere Bildung die Ur-einwohner unterwarf und in geschichtlichen Zeiten den Herrenstand darstellte.

Eine Entscheidung läßt sich nicht treffen, da sich diese Hypothesen aus Zeitenbeziehen, die weit vor jeder geschichtlichen Kunde liegen. In historischen Zeitensind alle Bestandteile des Volkes gänzlich miteinander verschmolzen, und keineKunde ist auf uns gekommen, daß im Volke das Bewußtsein verschiedenerHerkunft gelebt Hütte. Mag nun das gesamte Volk der Ägypter oder nur einTeil mit den Semiten Vorderasiens in Zusammenhang stehen und als selbst-