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Erster Band.
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Z 54. Siebentes Kapitel: Die Meder und Perser.

lonien und Lydien, und eine Menge kleinerer, teils freier, teils zins-psüchtiger Völker.

In Sardes, der Hauptstadt von Lydien, herrschte damals derwegen seiner Reichtümer sprichwörtlich gewordene König Krösus (563—549),ein leichtgläubiger Mann, der mehr aus Orakelsprüche, Träume, undpriesterliche Weissagungen baute als auf die eigene Kraft. Als Bundes-genosse und Schwager des Astyages wollte er dessen Wiedereinsetzungaus den modischen Thron bewirken, schloß eine Allianz mit Amasis vonÄgypten (Z 33) und Nabuna'id von Babylon (8 23) und zog gegen Kyrosin den Krieg. Getäuscht durch einen zweideutigen Orakelspruch, setzte erüber den Grenzfluß Halys, erlitt aber eine vollständige Niederlage undmußte sich in eiliger Flucht nach seiner Hauptstadt zurückziehen. AlleinKyros folgte ihm, eroberte Sardes und nahm den König gefangen, behandelteihn jedoch mit ähnlicher Milde wie den Astyages. — Die Herrschaft überKleinasien mit Einschluß der griechischen Kolonien an der Küste, die denlhdischen König gar nicht oder äußerst schwach unterstützt hatten, war dieFrucht des Sieges über Krösus. Das lydische Reich wurde von Kyros indie zwei Satrapien Kleinasien (Hauptstadt Sardes) und Bithhnien (Haupt-stadt Daskylion) geteilt. Die Lyder, von Kyros wegen eines versuchtenAusstandes der Waffen beraubt und zu friedlichen Geschäften, zu Tonkunst,Gesang und Wohlleben angehalten, versanken bald in Wollust und Weich-lichkeit, so daß sie im Lause der Geschichte als ein entartetes, unkriegerischesVolk erscheinen. — Von den griechischen Bewohnern der kleinasiatischenKüste wanderten einige aus, wie die Phokäer, die Gründer von Elea(Velia) in llnteritalien und von Massilia in Gallien (Z 70), und dieTerer, die in dem thrakischen Ab d er a eine zweite Heimat fanden; die übrigenStädte behielten ihre selbständige Verfassung (Autonomie) und mußtennur eine Abgabe entrichten: sie blieben blühend und reich, aber die Kraft desgriechischen Geistes ging unter der persischen Herrschaft sichtlich zurück.Die Inseln folgten dem Beispiele des Festlandes und huldigten nach matterGegenwehr dem mächtigen Perserkönig.

Die Tradition hat diesen Zusammenbrach des lydischen Reiches vielfach ausgeschmückt.Wie Herodot berichtet, hatte Kyros Befehl gegeben, den gefangenen König in den Flammensterben zu lassen. Schon saß Krösus gefesselt auf dem Scheiterhaufen, als ihn die Erinnerungan den athenischen Weisen Solon (8 80), der ihn einst warnend an die Wandelbarkeit desGlücks und die Unsicherheit aller menschlichen Dinge gemahnt haben soll, vor dem Untergängerettete. Kyros, betroffen über die Wahrheit des Solonischen Satzes, daß vor dem Todeniemand glücklich zu preisen sei, setzte den gefangenen König in Freiheit, hielt ihnin hohen Ehren und befragte ihn bei allen Unternehmungen um seinen Rat. — Solon warnämlich einst nach Sardes gekommen und von dem Könige gastlich empfangen worden. Imstolzen Gefühle feines Glücks ließ ihn Krösus durch seine Schatzkammern führen und ihmalle seine Reichtümer zeigen. Darauf fragte er ihn, wen er für den glücklichsten Sterb-lichen halte, in der Überzeugung, Solon werde ihn nennen. Aber dieser nannte zuerst denAthener Tellos, der müßige, aber hinreichende Glücksgüter und vortreffliche Söhne besessen,im siegreichen Kampfe wider die Feinde seinen Tod gefunden habe und von seinen Mit-bürgern an der Stelle, wo er gefallen, mit großen Ehren begraben worden sei; weiterbefragt, sehte er an die zweite Stelle zwei Jünglinge, Kleobis und Biton, Söhne einerPriesterin der Hera in Argos, und erzählte, einst habe die Mutter zu einem Opfer in denTempel fahren müssen, und als die Zugstiere ausgeblieben, Hütten sich die Jünglinge selbstan den Wagen gespannt und ihn in den Tempel gezogen; da habe die Mutter zum Lohnefür die Söhne erfleht, was für die Menschen das Beste sei, worauf diese im Tempel entschlafenund nicht wieder erwacht seien. Als hierauf Krösus seinen Unwillen äußerte, daß derathenische Weise sein Glück nicht einmal dem eines bloßen Bürgers gleich achte, gab ihmdieser die bedeutsame Antwort, daß vor dem Tode niemand glücklich zu Preisen sei. Diese

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 8

Kampf mitKrösus

S4S

Satrapien

Kleinasiens

Griechen

Sagenhafte

Aus-

schmückung

Solon undKrösus