9ö. Drittes Kapitel: Bon den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 209
hatte die Masse überwunden; und die Lehre, daß Vaterlandsliebe undFreiheitsgefühl, getragen von dem stärkenden Bewußtsein der Eintracht,auch einen übermächtigen Feind zn bewältigen vermögen, fand in densiegreichen Kämpfen der Griechen ihre glänzende Bestätigung. Ihre Er-gänzung fanden diese Kämpfe durch den herrlichen Sieg, den Gelon vonM^^Shrakus am Flusse Himera über die mit den Persern verbündeten Kar-thager davontrug (K 108); mit richtigem Gefühl von der Zusammen-gehörigkeit beider glorreichen Thaten setzten die Griechen die Schlacht vonSalamis und Himera auf denselben Tag.
8. Athens Vorherrschaft (die s)entekontaetie)
§ 95. Beginn der griechischen Angriffe gegen die Perser und derSeehegemonie Athens. Gleichzeitig mit der endgültigen Abwehr derPerser gingen die Griechen durch die Befreiung der Hellenen jenseits desHfMs sZMeeres zum Angriff über. An demselben Tage, heißt es, an dem dieSchlacht von Platää geschlagen ward, erlitten die Perser auch am Vor-gebirge von Mhkäle eine entscheidende Niederlage: sie hatten ihre Schiffean den Strand gezogen und mit einer Schutzwehr umgeben und wurdenvon den Griechen, die von Samos hersegelnd im Angesicht der Feindegelandet waren, völlig besiegt. Auch hier war ein Spartaner, Leotychrdas,der Anführer, aber den von Xanthippos, des Perikles Vater, geführtenAthenern und den Milesiern gebührte die Palme.
Nach der glorreichen Schlacht von Mykale segelte die griechische Flotte d°Aun<,nach Norden, um die für die ganze griechische Volkswirtschaft so überaus Bosporuswichtige Position am Hellespont und Bosporus zurückzugewinnen. Nach-dem die Athener Sestos und die Inseln Lemnos und Jmbros erobert unddann mit den Spartanern und andern Bundesgenossen vereinigt Byzanz,den Schlüssel zum schwarzen Meer, in ihre Gewalt gebracht hatten, stifteteAristeides den delischen Seebund, zunächst zur Abwehr gegen die Perser, «8an dem jedoch Sparta nicht teilnahm. Durch ihn gewann Athen das Über-gewicht zur See.
Die Ausbildung der Seehegemonie Athens vollzog sich, weil es sich ^m-niezeigte, daß die Spartaner trotz ihres strammen Militarismus wenig M-nsgeeignet waren, offensive Unternehmungen gegen den Feind zu leiten.
Dieser Übergang der Führung auf Athen wurde noch beschleunigt durchdie Verräterei des spartanischen Feldherrn Pausanias, der seinen beiPlatää erworbenen Kriegsruhm im ehrgeizigen Streben nach Herrschaftzu Grunde richtete. Bei der Eroberung von Byzanz nämlich hattePausanias einige vornehme Perser, darunter Angehörige und Verwandtedes Königs, zu Gefangenen gemacht. Diese schickte er ohne Wissen derübrigen Bundesgenossen au Xerpes zurück und gab dann vor, sie seienheimlich entflohen. Dabei ließ er dem Könige melden, er wolle ihmzur Herrschaft über Sparta und das übrige Hellas behülflich sein, wenner ihm feine Tochter zur Gemahlin gebe und ihn zum Statthalter überdie Peloponnes einsetze. Als der Perserkönig voll Freude aus den Planeinging, wurde der eitle Mann so übermütig, daß er die Gesetze und dieLebensweise der Spartaner außer acht ließ, sich köstlich kleidete, schwelgerischeTafel hielt und medische und ägyptische Begleitung und Bedienung annahm.
Zugleich machte er durch sein herrisches und barsches Wesen die lake-
Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 14