Z 96. Drittes Kapitel: Bon den Perferkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 211
asiens zu seinem Unterhalt angewiesen erhielt. Als dieser ihn aber einigeJahre später um seine Beihilfe zur Unterjochung Griechenlands anging,soll er Gift genommen haben, um nicht zum Verräter zu werden. Nachanderen Nachrichten brachen ihm Kummer und Heimweh das Herz. Seine «oAsche begruben seine Freunde, wie sie selbst erzählten, heimlich in vater-ländischer Erde. Die spätern Geschlechter glaubten, sein Grab befinde sichauf dem kleinen Vorsprunge, der sich vor dem Piräus in die stilleMeeresbucht einbiegt; sie konnten sich den großen Mann nicht andersdenken, als im Angesicht seiner Schöpfungen. Aber auch in Magnesia zeigteman aus dem Marktplatz sein glänzendes Grabmal.
Plutarch sagt von Themistokles, man habe ihm den großen Mann schon an der Thukydides'Haltung und am Gesichte angesehen, und Thukydides fand in ihm die Kraft der natürlichenThemistoilesAnlage am bewunderungswürdigsten. Durch angeborenen Scharfsinn sei er nach kurzerÜberlegung der beste Beurteiler der obwaltenden Verhältnisse und der geschickteste Erraterder bevorstehenden Dinge gewesen. Was er im Sinne gehabt, habe er auch gut vorzu-bringen verstanden, und selbst in Dingen, die ihm wenig geläufig waren, habe es ihm dochnicht an einem zutreffenden Urteil gefehlt; stets habe er das Bessere uud Schlimmere in derZukunft richtig erkannt. Kurz, durch die Macht des Genius und die Schnelligkeit der Überlegungsei dieser Mann der tüchtigste gewesen, das Zweckdienliche zu finden und auszuführen.
Nicht Weniger als Themistokles hat sein bedeutendster Gegner Ar ist- ffsArs?ei des dazu beigetragen, dem Vaterland zu seiner Größe zu verhelfen. Eszeichnete ihn nicht dieselbe Schnellkraft und Genialität des Geistes auswie den Themistokles; schöpferische Pläne und fruchtbringende Gedankenlagen seinem konservativen Geiste fern; aber sein makelloser Charakter, seineüber allen Zweifel erhabene Uneigennützigkeit und Gerechtigkeit befähigtenihn, ein Werk auszuführen, dessen Grundgedanke Wohl dem Themistoklesentsprungen war, die schon erwähnte (§ 95) Gründung des delischenSeebundes unter athenischer Führung. Das hohe Vertrauen,das alle künftigen Bundesglieder zu Aristeides hegten, machten den Ab-schluß der Verhandlungen und die Verteilung der Lasten leichter, ja invielen Fällen allein möglich; denn man war überzeugt, er werde in keinemFalle einem Bundesmitgliede mehr zumuten, als es tragen könne. Indem neuen Bunde verpflichteten sich zahlreiche kleine griechische Staatenan der asiatischen Küste und im Archipelagus zur Lieferung von Schiffennebst Besatzung oder von Geld. Zunächst war an Stellung von Bundes-kontingenten sämtlicher Bundesglieder gedacht, und daran haben Lesbos,
Chios und Samos bis zuletzt festgehalten; aber schon sehr früh müssenGeldleistungen daneben hergegangen oder dafür eingetreten sein.
Die in Delos gegründete Bundeskasse wurde von Aristeides eingerichtet, Bund-skaff-und sowohl zu Verwaltern dieser Schatzkammer als zu Anführern der gemeinschaft-lichen Flotte wurden Athener bestellt. Nicht bloß die ionischen Inseln undStädte, wie Samos und Chios, wie Milet und Byzanz, auch das äolische Lesbosund Tenedos und die dorischen Gemeinwesen auf Kos und Rhodos, sowie dieGriechenstädte auf der Chalkidike und an dem thrakischen Gestade schloffen sichdem Bunde von Delos an. Bald fiel jedoch die Lieferung von Schiffen denkleineren Staaten lästig, und sie kauften sich gern durch eine höhere Geldabgabevon der Verpflichtung los. Dies bot den Athenern später die willkommeneGelegenheit, ihre Flotte immer mehr zu vergrößern und allmählich die Inselndes ägäischen Meeres und die kleinen Seestaaten unter ihre Herrschaft zu bringen.
Im Besitze einer überlegenen Seemacht verlegten sie dann, von niemand ge-hindert, die bisher im Apollotempel zu Delos aufbewahrte und von eigenenBeamten, „Hellenotamien", verwaltete Bundeskasse nach Athen, schaltetendarüber, wie über ihr Eigentum und behandelten dre beisteuernden Verbündeten