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Erster Band.
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Z 100. Drittes Kapitel: Bon den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 219

gunst in solchem Grade, daß er, fort und fort zu den wichtigsten Ämtern(vor allem zum Strategen) gewählt, 15 Jahre lang als „erster Bürger"ohne andere Mittel, als welche ihm die Verfassung an die Hand gab,ohne der Menge zu schmeicheln mit fürstlichem Ansehen das athenischeGemeinwesen leiten und die schönste Blüte und das freieste Staatslebenim Innern wie die größte Macht nach außen herbeiführen konnte.

Unter ihm wurde Athen der eigentliche Sitz der Kunst und Litteraturdie Mutterstadt hellenischer Bildung. Durch Errichtung von Tempeln (Par-thenon, Demetertempel in Eleusis), Prachtgebäuden und Säulenhallen(Propyläen, Odeion) hob er den Ruhm des Staates; durch Vollendungder Hafen- und Wasserbauten im Peiräus und der langen Mauern sicherteund förderte er Schiffahrt, Verkehr und Seehandel. Durch prachtvolle Feste,Schauspiele und Aufzüge erhöhte er den Glanz seiner Verwaltung und er-götzte er die schaulustige Menge; durch Pflege der Künste und Wissenschaftenbegründete er den geistigen Aufschwung des Volkes. Durchdrungen von demWert der Wissenschaft, zog Perikles geistreiche Männer in sein gastfreies Haus,wo die schöne und gebildete Aspafia von Milet in Anmut waltete; er ver- Aspasiafcbaffte jedem Mittel und Gelegenheit, sich zu bilden und auszuzeichnen, undbewirkte dadurch, daß Geschmack an Kunst nnd Dichtung in alle Klassen drangund eine Volksbildung erzeugte, die, neben der allgemeinen Teilnahme amöffentlichen Leben, den ganzen Staat so hob, daß fast alle Bürger zu allenÄmtern und Staatsgeschästen als gleich befähigt gelten konnten.

Unermeßliche Geldsummen flössen damals nach Athen; denn es war eine Wirtschaft-Weltstadt, in der die Erzeugnisse aller Länder zusammenströmten. 300 Galeerenwurden von Privatleuten ausgerüstet, die großen Feste von ihnen zum Teilausgeführt, und zu dieser ungeheuren Last drängte man sich als zu einer Ehre.

Die Choregie oder prunkvolle Aufführung eines Theaterstückes mit Chor-gesängen (§ 79, 101) und die Trierar chie oder Ausrüstung und Bemannungder von dem Staate gestellten Trieren (Dreiruderer) waren die Last und dieEhre der Reichen. Diese öffentlichen Leistungen richteten sich nach dem Ver-mögen; minder Bemittelte traten in Genossenschaften (Symm orten) zusammen,um die Kosten der Ausrüstung gemeinschaftlich zu tragen. Wer sich auszeichnete,dem wurde ein Kranz gereicht; wer seine Galeeren am schönsten und voll-ständigsten ausgerüstet und die besten Ruderknechte hatte, wer den Ruderknechtenzu dem Solde, den der Staat bezahlte, noch Zulage gab u. s. w-, der wurdeöffentlich vor dem Volke genannt und bekam einen Kranz; daß ihm diese Aus-zeichnung zu teil geworden, wurde auf eine Tafel eingegraben. An denDionysosfesten wurde den ärmeren Bürgern das Eintrittsgeld von zwei Obolenin das Theater gezahlt; an anderen Festen erhielten sie Geldgeschenke zur Teil-nahme an einem Festmahl.

Das Handeln des Perikles trägt überall den Stempel eines hohenGeistes. Gleich groß in den Künsten des Friedens wie des Krieges, wußteer die Waffe des Wortes bei den Gerichtssitzungen und in der Volks-versammlung nicht minder geschickt zu führen als das Schwert. Das End-ziel all seiner Thaten, Reden und Gedanken war immer nur die Wohlfahrtder geliebten Heimat. Mit Selbstgefühl konnte er sich, wie es in derberühmten Leichenrede bei Thukhdides (§ 118) ausgeführt ist, das Zeugnisgeben, daß es ihm gelungen sei, sein Vaterland auf eine stolze Höhe zuführen, und Athen eine Bildungsschule für ganz Hellas nennen. Nicht alleZeiten haben gleichmäßig den „Olympier" gepriesen: jede hat diese oder jeneSeite seiner Thätigkeit mehr oder weniger hervorgehoben; aber immerhat man anerkannt, daß Perikles' und Athens höchste Blütezeit nicht von-einander zu trennen sind. Mit Recht wird das Zeitalter des Perikles