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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

8 101 .

Stücks desÄschylos

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Sophokles4S5—40S

Stücke desSophokles

in nie Versiegendem Strome Gedanken wie Worte." Bei den tragischen Wett-kämpfer: (§ 71), in denen er meistens den Sieg davontrug, führte Äschylos gewöhnlichdrei zu einem kunstvollen Ganzen verbundene und den großen Mythenkreisen der Griechenentnommene Dramen (Trilogien) auf, denen er noch ein viertes Stück, ein Satyr-drama, das für den Ernst der Tragödie durch lustige Scherze entschädigen sollte, beifügte,so daß seine sämtlichen dramatischen Erzeugnisse aus Tetralogien bestanden.

Unter den noch vorhandenen Stücken (die ganze Zahl soll 70, nach andern 90 be-tragen haben) bilden Agamemnon (seine Heimkehr und Ermordung durch Klytämnestraund Agisthos (H 64), die Choephören (die Blutrache des Orestes an den Mördernseines Vaters) und die Eumeniden (die Verfolgung des Orestes durch die Furien unddessen endliche Lossprechung vor dem Areopag, welches altehrwürdige Institut dadurchgegen die Angriffe der von Perikles geleiteten Demokratie in Schutz genommen werden solltesZ 98s), eine zusammenhängende Trilogie (die Orestie). Der gefesselte Prometheusschildert die Leiden, die der an den Kaukasus angeschmiedete Titane von Zeus wegen des denMenschen zugcführten Feuers erdulden mußte. Der darin dargestellte Kampf des auf seineKraft vertrauenden Menschen gegen die in dem despotischen Zeus dargestellte höhereSchicksalsmacht hatte ohne Zweifel seine versöhnende Lösung in dem verlorenen Stück-„Der befreite Prometheus", in dem die Lehre enthalten gewesen war, daß die Unter-ordnung des menschlichen Willens unter den göttlichen in der Weltordnung begründet sei.Die Perser atmen das stolze Hochgefühl des Dichters über die siegreiche Beendigung derpersischen Kriege. Die Sieben gegen Theben behandeln den Kampf und Untergangdes schuldbeladenen feindlichen Brüderpaares in Theben (Z 64) und die Schutzflehendendie Sage von Danaos (8. 66), der mit seinen fünfzig Töchtern aus Ägypten flieht und inArgos Schutz sucht. — Äschylos starb drei Jahre nach der Aufführung der Orestie inSicilien, wohin er sich aus Verdruß über die zur Herrschaft gelangte Demokratie oderüber einen von Sophokles davongetragenen Sieg bei einem tragischen Wettkampfe begebenhaben soll.

Sophokles aus dem attischen Gau Kolönos führte den dritten Schauspieler einund beschränkte die Chöre. Ferner löste er die einzelnen Stücke aus dem Tetralogien-zusammenhange los und suchte in jedem etwas Abgerundetes zu geben, indem er aus demGesanitmythus den Punkt herausgriff, der sich zur lebensvollen dramatischen Handlung ammeisten eignete. Er führte die dramatische Kunst von dem Titanenhaften des Äschylos zuridealen Schönheit, „wo Größe des Gedankens und feine Gliederung einander begegnetenund den Eindruck einer aus der vollkommensten menschlichen Bildung hervorgegangenenHarmonie hervorbrachten." Sophokles' Vorzüge sind außer der schönen Form und deredlen Sprache die kunstvolle Anlage und Entwicklung der dramatischen Handlung, dietiefdurchdachte Charakterzeichnung der handelnden Personen, deren Seelenleben erergreifend zu schildern und deren daraus hervorgehendes Thun er meisterhaft zu motivierenversteht, das richtige Maß von Zartheit und Stärke in der Empfindung und die klareLösung der Katastrophe der Handlung. Das feingebildete athenische Volk des pcri-kleischen Zeitalters wollte durch die Dramen gerührt, nicht erschüttert werden; daher vermiedSophokles alles Furchtbare und Grauenhafte oder gab ihm eine mildere, freundlichereGestalt. An Schwung, Flug der Phantasie und Gottesfurcht steht Sophokles dem Äschylosnach; seine Helden wirken durch die sittliche, rein menschliche Größe, die sich an derunabänderlichen Macht des Schicksals bricht. Edel und erhaben wie die Charakterzeichnungist auch die Sprache des Sophokles. Wie sein großer Zeitgenosse Phidias (ß 102) wußte erhier auch überall das rechte Maß zu treffen, gleich weit entfernt vom pathetischen Schwulstwie von der gewöhnlichen Tagesweise. Ein feiner Kenner, Aristophanes, sagt darum, daßer Honigseim auf der Zunge trage. Das Herrlichste sind seine Chorlieder, die den Gangder Handlung begleitend in schmiegsamer Schönheit des Ausdrucks die Tiefe und Hoheitseiner Gedanken uns nahe bringen.

In der Antigone stellt der Dichter den Widerstreit zwischen den Pflichten derFamilie und den Forderungen des Staats, zwischen den ewigen, der Menschenbrust in-wohnenden Satzungen und dem menschlichen Gebote dar und begründet den Satz, daß diemaßlose, leidenschaftliche Geltendmachung dieser Rechte ein zum Untergang führenderIrrtum sei. Die Antigone sowie die Schicksalstragödie König Oedipus und das imhöchsten Alter verfaßte Drama Oedipus auf Kolonos gehören dem großen thebanischenSagenkreise an (8 64). Das letztere versöhnende, wunderbar weiche Stück hat zur Unter-lage „die Weihe des Dulders, den die göttliche Fügung am äußersten Ziele des Leidensund unverschuldeten Mißgeschicks verklärt," so daß auf ein seliges Jenseits, als auf dieletzte trostreiche Hoffnung der unschuldig Leidenden hingewiesen wird. Der geißel-