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Erster Band.
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225
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tz 101. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 225

Die von diesem ausgebildete Dichtungsgattung nennt man die alte Komödie, in der einausgelassener Spott alle Vorkommnisse, insbesondere Verkehrtheiten im Leben und im Staate,und alle bekannten, selbst die ehrwürdigsten Personen der damaligen Gegenwart in witzigen,beißenden, östers sogar niedrigen Worten und Gleichnissen auf das schonungsloseste geißelte,in der Willkür und Laune in kecken Sprüngen die Stelle des Schicksals vertrat, und Phantasieund Wirklichkeit in buntem Wechsel sich ablöste. Diese alte Komödie, die mit dem größtenFreimut alle fehlerhaften Zustände, Irrtümer und Thorheiten rücksichtslos rügte und indem athenischen Gemeinwesen dieselbe Bedeutung hatte, wie in den neuern Staaten dieTagespresse der Opposition, giebt Zeugnis sowohl von der großen Ausdehnung der demokra-tischen Freiheit in Athen wie von dem gutmütigen Humor des Volks, das solche Straf-reden und Züchtigungen über sich ergehen ließ, und von dem sittlichen Ernst der Dichter.Erhöht wurde die Wirkung des Spotts durch Masken, Kostüme und Symbole, die, wenn-gleich zur Karrikatur übertrieben, doch den Gegenstand kenntlich machten. Die alte Komödiehatte außer dem Chor und Dialog „voll Ironie und attischer Lauge" die eigentümliche,alle dramatische Illusion aufhebende Parabase, d. h- eine Anrede des Chorführers andie Zuschauer im Namen des Dichters und mit der Absicht, „zunächst Wünsche, Klagen undVerdienste des Dichters in ein günstiges Licht zu setzen, dann aber abwechselnd die Götterdes Staats zu preisen und politischen Tadel gegen Personen nicht minder als gegen Mangeldes öffentlichen Lebens zu richten". In scherzhafter Form enthielt sie oft sehr ernste Mahnungenan das athenische Volk und stellte gewissermaßen ein politisches oder auch ästhetischesGlaubensbekenntnis des Dichters dar.

Von den 60 Stücken des Aristophanes besitzen wir noch 11, die sowohl von der tiefenMenschenkenntnis des Dichters, dem Reichtum seines Witzes, seiner Phantasie, die im Himmelwie auf Erden, unter den Barbaren wie unter den Hellenen wandelt und überall ein Feen-land schafft, „in welchem dennoch Wirklichkeit siedelt", als auch von seiner SprachgewandtheitZeugnis geben. Die Acharner (425) hatten die Absicht, „den Wert und die Segnungen desFriedens im günstigsten Lichte zu zeigen," um dadurch von einer Verlängerung des pelopon-nesischen Kriegs, den die jungen vornehmen Athener zur Befriedigung ihrer Eitelkeit fort-zusetzen wünschten, abzumahnen. In den Rittern (424) wird der selbstsüchtige DemagogeKleon (Z 105) und das von ihm verleitete Bolk mit solcher Schärfe und Kühnheit gegeißelt,daß sich niemand fand, der die Hauptrolle zu spielen oder die dazu notwendige Maske zuverfertigen wagte, so daß Aristophanes selbst mit bemaltem Gesichte die Rolle übernahm.Die Wolken (423) geißeln in der Person des Sokrates die Schulweisheit der Sophisten(8 113) mit ihren verderblichen Folgen und preisen die strenge Zucht und schlichte Sittlichkeitder alten Zeit. Die Wespen (422) rügen die Prozeßsucht der Athener und die daraushervorgegangene Sykophantie (Angeberei), sie verspotten das engherzige Kleinbürgertumder Heliasten (Volksrichter 8 85) und ihre Eitelkeit, Ungerechtigkeit und Gewinnsucht. DerFrieden (421) ist ein Gelegenheitsstück, durch das Aristophanes seine Landsleute auf denFrieden des Nikias (8 106) vorzubereiten suchte. In den Vögeln (414), einem mit reicherPhantasie und übersprudelnder Laune ausgestatteten Meisterwerke, sucht der Dichter dieAthener bei Gelegenheit der unheilvollen Expedition nach Sicilien (8 108) von ihrem„leichtfertigen Bauen von Luftschlössern" abzumahnen, indem er ihre maßlosen Entwürfe undPläne durch Fingierung einer von unruhigen Athenern in den Lüften aufgerichteten Vogel-republik (Wölkenkuckucksheim) verspottet. Das Verlangen nach einem allgemeinen Friedenist das Motiv der Komödie Lysistrata (411), in der die aus ganz Hellas versammeltenWeiber sich der gemeinsamen Sache annehmen, die Akropolis besehen und durch beharrlicheVerschwörung gegen die Männer einen Friedensschluß erzwingen. Die Thesmophoria-zusen (die Thesmophorien feiernden Weiber, 8 60) sind gegen Euripides gerichtet, derals Weiberhasser galt, und den sie für seine Lästerungen zum Tode verdammen; dabeideckt Aristophanes unter der Hülle der Verspottung des Euripides und des weichenAgathon zugleich die Verderbnis des weiblichen Geschlechts zu Athen auf. In denFröschen (405) wird in der Person des Euripides die falsche Richtung der dramatischenPoesie im Gegensatz zu der ältern dargestellt und zugleich das Treiben der Ochlokratie ver-spottet; der Hauptzweck dieser mit köstlicher Laune durchgeführten Dichtung geht daraufhinaus, Erinnerungen der Vorzeit wachzurufen, am Meister Aeschylos die klassischeKunst zu feiern und dem Sophokles ein liebendes Andenken zu widmen. Die Ekkle-siazusen (s392f der „Weiberkonvent"), worin die Weiber in männlicher Tracht eine Volks-versammlung halten und beschließen, sich der Leitung der öffentlichen Geschäfte zu be-mächtigen, find „eine Satire auf den niedrigen und kraftlosen Geist der erneuertenDemokratie" und zugleich eine Verspottung der von Platon gelehrten idealen Staatsformenmit Gemeinschaft der Güter und Frauen. Plutos, des Dichters letztes Stück, straft dieWeber-Baldamns, Weltgeschichte. 2l. Allst. I. 15

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