Z 108. Drittes Kapitel: Von den Perferkriegen bis zum Tode des Epaminondas. ZZ5
sucht zu berneistern verstanden. Er gehörte zu den Persönlichkeiten, diedas Schicksal ganzer Völker und Länder entscheiden, zu den Herrscher-naturen, die sich nicht in die bestehenden Gesetze und Ordnungen des Staateszu fügen vermögen, sondern eigenmächtig ihre Wege gehen.
Seine Einmischung in die peloponnesifchen Händel hatte einen Krieg zwischen denSpartanern und den Verbündeten zur Folge, in dem Spartas Macht auf dem Spielestand, wenn nicht die siegreiche Schlacht von Mantineia das frühere Ansehen der Stadthergestellt hätte. Der eben gegründete Bund zerfiel: Arkadien und Elis schlössen sich wiederan Sparta an, selbst das srüher neutrale Achats trat dem peloponnesifchen Bunde bei,und Athen stand jetzt eben so isoliert da, wie vor kurzem Sparta. Es war eine Zeit derpolitischen Schachzüge, die die ermatteten Staaten miteinander wechselten, bis sie wieder Kraftgenug in sich fühlten, um das nur abgebrochene Ringen wieder aufzunehmen. Mit Rechtnennt Thukydides diese Zeit „den faulen Frieden", da beide Parteien nur auf den günstigenAugenblick warteten, um. wieder hervorzubrechen. Die Unterstützung, die Athen demBunde von Argos gewährt hatte, die unvollkommene Ausführung der Friedensbedingungendurch die Spartaner und ihre Bundesgenossen und die Erinnerung an die blutigenGreuelthaten, die die Rachegeister wach erhielten, ließen eine dauernde Ruhe unter denkriegführenden Staaten nicht aufkommen. Das strenge Verfahren der Athener gegen diedorische Insel Melos, die in dem Kampfe neutral geblieben war, um die Treue gegenden Mutterort nicht zu brechen und auch den Groll Athens nicht zu reizen, zeigte deutlich,was geschehen würde, wenn einer der beiden Nebenbuhler völlig zu Boden geworfen seinwürde. Nach einer mehrmonatlichen Gegenwehr wurde das Eiland zur Übergäbe auf Gnadeund Ungnade gezwungen, die waffenfähige Mannschaft getötet, die übrige Bevölkerung,Weiber und Kinder, rn die Knechtschaft geschleppt, der Grund und Boden unter dieSieger verteilt.
K 108. Ältere Geschichte Siciliens. Der Anstoß zur Erneuerung der Kämpfekam aus den Vorgängen auf Sicilien, zu deren Verständnis ein Rückblick auf die Ge-schichte dieser Insel notwendig ist. Als die Griechen anfingen, sich in Sicilien undUnteritalien niederzulassen (Z 70), war bei ihnen schon überall das patriarchalische König-tum von dem Adelsstaat abgelöst worden. So finden wir denn in den Anfängen der„westgriechischen Geschichte" ebenfalls aristokratische Altgemeinden, deren Bürger nur untersich heirateten und aus ihrer Mitte heraus sämtliche Staatsämter besetzten. Die gewöhn-liche Tendenz aller oligarchischen Regierungen, die Macht auf eine sich immer mehr ver-ringernde Minderzahl von Köpfen zu konzentrieren, zeigte sich auch hier. Am deutlichstentritt uns dieser typische Vorgang in Shrakus entgegen. Hier gehörte dem grundbesitzendenAdel lden Gamoren) alles Land, und die Neubürger gewannen nur durch Handel undVerkehr ihren Unterhalt, während die einheimischen Sikeler (Sicnli) als hörige Knechte denAckerbau besorgten. Mit der Zeit wuchs die Zahl und der Wohlstand der Neubürger, dietrotzdem den Altbürgern keinerlei Rechte abzugewinnen vermochten. Da verbündeten siesich denn, gerade wie es im Mutterlande geschehen war, mit den Unfreien, verjagten dieadeligen Herren und gaben der Stadt eine demokratische Verfassung. Die sonst üblicheFolge einer demokratischen Umwälzung, daß nämlich ein Tyrann sich der Staatsgewalt be-mächtigte, ist, wie es scheint, in Syrakus vorläufig nicht eingetreten. Aber in den anderenficilifchen Städten finden wir überall sehr bald die Tyrannis. Der älteste Tyrann warPanaitios von Leontinoi. Weit bekannter ist der etwas spätere Phalaris vonAkragas, von dessen Grausamkeit man sich fabelhafte Dinge erzählte. Wirklich bedeutendwar nur Gelon, Tyrann von Gela, dem es gelang, eine große Macht zu begründen, sodaß fast die ganze Südküste Siciliens seinen Befehlen gehorchte. Auch den Osten der Inselgewann er; denn die besiegten syrakusanischen Aristokraten forderten ihn auf, er möge siein ihre Heimat zurückführen. Er that dies, behielt aber Syrakus für sich und machte eszur Hauptstadt seines Reiches. Megara Hyblaea und Camarina, die sich gegen ihn erhoben,wurden zerstört und die Bürger nach Shrakus gebracht, sodaß die Altstadt auf der InselOrthgia nicht mehr genügte und Achradina, ein frühere Vorstadt, mit in den Mauerringeinbezogen wurde. Die höchste Stärkung erfuhr aber seine Macht, als er Demarete, dieTochter des vielgepriesenen Tyrannen Theron von Akragas (Agrigent), als Weib heimführteund mit seinem Schwiegervater einen engen Bund schloß. Ein ähnlicher Bund der griechischenTyrannen scheint im Nordosten der Insel geherrscht zu haben.
Diese Machtentfaltung der Westgriechen, die immer mehr in das Innere vordrangenund sich nach Nordwesten ausbreiteten, erregte die Eifersucht der phönikischen Ansiedler, die dieWestecke der Insel besetzt hielten und damals unter Karthagos Oberleitung standen (Z 187).
Zerstörungdes Bundesvon Argos418
416
Syrakus
735
gegründet
Sicilische
Tyrannen
Panaitios
608
Phalaris
570—554
Gelon
485-478
Theronum 490