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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

8 108.

Sie suchten und fanden gegen ihren Feind den politischen Halt an dem Persischen Groß-könig, der damals gerade zum entscheidenden Schlag gegen die griechische Welt ausholte(8 94). Ja, es bestand sogar höchstwahrscheinlich zwischen den beiden Mächten ein förmlicherBund, um die Freiheit der Griechen zu vernichten. Auch die Ost- und Westgriechen suchtensich deshalb zusammenzuschließen. Aber Gelon konnie den Eidgenossen in Hellas, trotzseines guten Willens, nicht zu Hilfe kommen, weil die Karthager sein eigenes Reich be-drohten. Den Anlaß zum Kampfe bot die Besetzung des an der Nordlüste gelegenenHimkra durch Theron, wodurch die Verbindung zwischen Nord und Süd der Insel her-gestellt und dem Vordringen der Karthager nach Osten ein Damm gezogen werden sollte.Um dies zu hinüern, beschlossen die Karthager zu Felde zu ziehen und schickten unter4so Hamilkar eine große Flotte nach Sicilien. Am nördlichen Himdraflusse kam es zurSchlacht. Obgleich der Feldherr sich selbst zum Opfer brachte, erlitten die Karthagerdurch Gelon eine schwere Niederlage, wie die Sage will, am Tage der Schlacht bei Salamis.

Gelon wurde deshalb mit den höchsten Ehren überhäuft und starb als „König" von4 M -407 Syrakus im Jahre 478. Ihm folgte sein Bruder Hieron l. auf dem Throne. SeineRegierung war glänzend; er erlangte große Berühmtheit dadurch, daß er an seinem „Musen-hofe" alle Dichter und Philosophen seiner Zeit, Simonides, Äschylos, Pindar, auch Epichar-mos, den ersten Komödiendichter Siciliens, versammelte. Seine Gespanne gewannen in denFestspielen Griechenlands den Sieg und wurden in den Oden Pindars besungen. Dabeiwar er aber grausam und argwöhnisch. Obwohl er die Stadt Aetna gründete und Kymein Unteritalien 474 von den Bedrückungen der Etrusker (ß 164) erlöste, konnte er wegenbeständiger Familienstreitigkeiten keinen beherrschenden Einfluß in Syrakus selbst gewinnen,ebensowenig wie Theron in Himera und Akragas. Als die beiden Herrscher ins Grabstiegen, brach unter ihren schwachen und unfähigen Nachfolgern (Thrasydaios in Akragasund Thrasybulos in Syrakus) die Tyrannis zusammen, und an ihre Stelle trat die demo-kratische Republik.

Demokratie Gegen diese wurden zwar verschiedene Umwälzungen im oligarchischen Sinne unter-nommen, aber meist ohne Erfolg. Nähere Nachrichten haben wir nur von Syrakus und Akragas.Dort traten dem neu aufkommenden Beamtenadel Demagogen entgegen, eine ursprünglichsehr edel gemeinte Bezeichnung von Männern, die die Interessen des Volkes gegenüber den nachAlleinherrschaft strebenden Behörden vertraten, deren Angehörige durch die neu aufkommendeKunst der Beredsamkeit (Korax, Tisias, Gorgias sß 113s) sich ein neues und starkes Machtmittelschufen. Der Gefahr, aus den Demagogen Tyrannen werden zu sehen, beugte man durchPetalismos den sogenannten Petalismos, einer dem attischen Ostrakismos (8 85) nachgebildeten Ein-richtung, vor, durch die ein zu einflußreich gewordener Bürger auf fünf Jahre verbannt werdenkonnte. Ähnlich waren die Verhältnisse in Akragas, wo der Philosoph Empedokles (I 90)eine leitende Stellung einnahm. — Zwistigkeiten zwischen den beiden großen und mächtigemporblühenden Schwesterrepubliken blieben nicht aus, und das suchte der eingeboreneDuketios Sikulerfürst Duketios zu benutzen, um die fremden Eindringlinge zu beseitigen und sichein einheimisches freies Reich zu gründen. Seine ehrgeizigen Pläne gingen aber bei seinemTode im Jahre 444 mit ihm zu Grabe.

So stand es um Sicilien, als der peloponnesische Krieg begann. Schon früher hatteman vom Mutterlande aus in die sicilischen Verhältnisse eingegriffen. 454 schloß Atheneinen Bund mit den Egestanern, 448 wurde Thurioi gegründet (ß 118), und 431 verlangtendie Lakedämonier, daß die westgriechischen Dorier ihnen mit einer Flotte zu Hilfe kommenKämpft sollten- Aber erst 427 verflochten sich die Geschicke von Hellas und Sicilien enger. DennDoriern und es war auch zwischen den Doriern und Joniern auf der Insel der Kampf ausgebrochen,Joniern zwei Bünde, mit Syrakus und Leontinoi an der Spitze, standen einander gegenüber.Die schwächeren Jonier schickten Gesandte um Hilfe nach Athen, an ihrer Spitze den rede-gewaltigen Gorgias, der auf die Athener tiefen Eindruck machte. Zunächst trug man inAthen Bedenken, aber als die pontische Handelsstraße gefährdet wnrde und die Sperrung derEbenen Makedoniens drohte (Z 106), entschlossen sie sich zu energischerem Vorgehen, um wenigstensim Westen freie Hand zu behalten. Sie schickten eine große Flotte unter LacheSE 106) undforderten ihre Verbündeten zu energischem Kampf gegen Syrakus auf. Hier fanden sie freilichHermokrates einen Gegner, dem sie nicht gewachsen waren, Hermokrates,den angesehensten Bürger der Stadt.

Er berief emen Kongreß nach Gela und forderte alle sicilischen Griechen auf, sich zu einigen undkeiner fremden Macht auf Sicilien Zutritt zu gewähren oder deren Einmischung zu dulden. Mangab ihm Gehör, und die athenische Aufforderung war erfolglos. Mehr Aussicht gewannen dieAthener, als Leontinoi während innerer Unruhen von Syrakus zu Boden gezwungen war und diebedrängte Stadt sich 422 von neuem an Athen wendete. Aber Athen benutzte die günstigeGelegenheit nicht. Denn durch den Frieden des Nikias wurden die ihnen wirtschaftlich