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Erster Band.
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Z 109. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 237

gesperrten Gebiete im Norden der Chalkidike und die pontische Straße wieder frei, undnach Wegfall der wirtschaftlichen Gründe blieben nur die politischen übrig, die ihnen ruhigesAbwarten nahe legten. Erst 416, bei einer Streitigkeit der Segestaner und Selinuntier,raffte man sich in Athen zu energischerem Handeln auf. Auf Alkibiades' Rat, der begierignach einem kühnen Unternehmen ausschaute, beschloß man, sich thatkräftiger in Sicilieneinzumischen. Man rüstete in Athen eine große Flotte aus und dachte ernstlich daran, dieganze an Naturprodukten so reiche Insel sich zu eigen zu machen. Anscheinend wendete sichder Kriegszug gegen die Selinuntier, in Wirklichkeit gegen die großen und mächtigendorischen Republiken.

8 109. Die ficilische Expedition. So entschlossen sich die Athener Ffotten-zu dem verhängnisvollen Zuge nach Sicilien und unternahmen ein Wage- °rpE°nstück, das ihre Stadt zur Herrin des Meeres machen sollte, so weit diegriechische Zunge klang; es mißlang und warf den Peloponnesiern endlichdie reife Frucht in den Schoß, nach der sie so viele Jahre gestrebt hatten:die Vernichtung des attischen Reiches und seiner demokratischen Verfassung,seiner wirtschaftlichen und handelspolitischen Macht. Der Neid und derStammeshaß, die zwischen Athen uud Sparta bereits heftig wieder ent-zündet waren, erhielten neue Nahrung, als die schönste Flotte und dastrefflichste Hoplitenheer, die jemals aus dem Piräus gesegelt waren, unterAlkibiades, Nikias uud L amäch o s nach Sicilien abfuhr, um Syrakusihrer Herrschaft zu unterwerfen. Jedoch waltete über dem Unternehmen einUnstern. Denn in der Nacht vor der Abfahrt der Flotte ereignete sich einungeheurer Frevel. Die steinernen Bildsäulen des Hermes, die vor denHäusern und Tempeln, auf Märkten, Straßen und Kreuzwegen standen, eineZierde der Stadt und ein Zeichen des frommen Sinnes ihrer Bewohner,waren bis aus wenige an den Köpfen verstümmelt worden. Man erblicktein dem unerhörten Vorgang ein schlimmes Vorzeichen für die Expeditionund witterte zugleich einen Versuch, die bestehende Verfassung umzustürzen.

Unter den zahlreichen Angebereien, die an die Gerichte gelangten, machtedie Anzeige, daß Alkibiades in seinem Hause die eleusinischen Mysterienverhöhnt habe, den tiefsten Eindruck. Alkibiades verlangte, daß man ihnsofort vor Gericht stelle; jedoch das Volk entschied, daß er sich nach seinerRückkehr verantworten solle. So fuhr denn die Flotte ab.

Nun hatten die Feinde des Feldherrn freie Hand und brachten esschließlich dahin, daß das Mißtrauen gegen ihn stieg und man ihn in An-klagezustand versetzte. Noch ehe die Flotte auf Sicilien gelandet war,wurde er zurückgerufen, um sich vor Gericht zu rechtfertigen. Denn inder frevelhaften Hermenverstümmelung glaubte man auf Ein-flüsterung der extremen Demokraten die That einer geheimen Verschwörungder aristokratischen Vereine (Hetärien) zu erblicken. Deshalb wurde auf dieAussage des Redners Andokides (8 130) hin eine Menge angesehener Bürgerals Verdächtige und Mitschuldige an dem hochverräterischen Vorhaben ein-gezogen und zum Teil mit dem Tode bestraft. Dasselbe Schicksal fürchteteauch Alkibiades. Statt sich dem athenischen Gerichtshöfe zu stellen, ent-floh er deshalb nach Elis, um den Ausgang der Untersuchung abzuwarten,und begab sich dann, auf die Kunde von seiner Verurteilung, nach Sparta,wo er rachedürstend seiner Vaterstadt Verderben zu bereiten suchte. Ausseinen Rat nahmen die Spartaner einen festen Standpunkt in Attika, indem M«rz nssie sich unter König Agis des Städtchens Dekeleia, drei Meilen von -Athen, bemächtigten, und schickten ihren gewandten Feldherrn Ghlipposmit peloponnesischen Truppen dem stammverwandten Syrakus zu Hilfe.