Band 
Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

z 109.

Dadurch nahm der sicilische Krieg, der trotz der Gewandtheit dessyrakusischen Heerführers Hermokrates bisher einen günstigen Fortganggehabt hatte, bald eine für die Athener unglückliche Wendung. Schon imAnfang hatten sie nicht die Unterstützung gefunden, auf die sie gehoffthatten, und die anfänglich tief verzagten Sicilier hatten neuen Mut ge-faßt, als sie sahen, daß die beiden Feldherrn Nikias und Lamachos sichzu keinem energischen Handeln aufzuraffen vermochten. Die zur Ein-«4 fchließung von Syrakus aufgeführten Befestigungswerke wurden durch-schnitten und der tapfere Lamachos mit einem großen Teile des Hopliten-heeres bei der Belagerung getötet; die Enge des Hafens hinderte dieathenischen Schiffe an den raschen Bewegungen, wodurch sie sonst zu siegenpflegten; die Seemannfchaft wurde demoralisiert und die Fahrzeuge derShrakusaner und Korinther erlangten die Oberhand. Jedoch die Athenerwollten trotz der sich wiederholenden Niederlagen und trotz der BesetzungÄonen- Dekeleias das sicilische Unternehmen nicht aufgeben und schickten eine zweite,«xpEon fast ebenso große Flotte unter dem trefflichen Feldherrn Demo st Heuesdem Nikias zu Hilfe. Aber auch er vermochte nicht das Verhängnis aus-zuhalten. Trotz ihrer numerischen Übermacht verloren die Athener eineSeeschlacht im großen Hasen und sahen sich dadurch vom Meere abgedrängt.Als endlich nach dem Untergänge der ganzen Flotte die beiden FührerNikias und Demosthenes mit dem Reste ihres Heeres sich nach dem befreun-deten Katana retten wollten, wurden sie aus dem zu spät begonnenen Zugevon Gylippos und den Shrakusauern überfallen, getrennt und nach blutigenGefechten zur Ergebung gezwungen. Was nicht im Kampfe umkam, oderSeptembers den Wellen des Berg'stromes Assinäros den Untergang fand, wurdein Knechtschaft verkauft oder in den engen Räumen unbedeckter Steinbrüche(Latomien) den unerträglichsten Leiden preisgegeben. Die Häupter desNikias und Demosthenes fielen in Syrakus durch die Hand des Scharf-richters, wenn nicht beide zuvor, wie andere Angaben melden, im Kerkermit Hilfe des Hermokrates ihrem Leben ein Ende gemacht haben.

Untergang Als die athenischen Schiffe nach der Schlacht im großen Hafen teils verbrannt, teils weg-athenUchsn geführt waren, wurde der Rückzug zu Land beschlossen. Dieser wäre vielleicht auch gelungen,Heeres wenn das Vorhaben der athenischen Führer, noch in der Nacht nach dem Schlachttage auf-zubrechen, zur Ausführung gekommen wäre. Dies aber hinderte Hermokrates. Erschlug zunächst vor, die Shrakusaner sollten sogleich mit ihrer ganzen Heeresmacht ausrückenund durch Besetzung der Engpässe den Feinden den Rückzug abschneiden; und als er dasin der Siegesfreude schwelgende Volk nicht dazu bewegen konnte, suchte er durch Trugund Hinterlist den Abzug der Athener zu verzögern. Einige feiner Vertrauten ritten heim-lich an deren Lager, wo sie den Oberfeldherrn vor der nächtlichen Reise warnten, da dieShrakusaner die Wege besetzt hielten. Der Rat wurde befolgt; die Athener brachten diebeiden nächsten Tage mit Zulüftungen zu und gaben dadurch dem Feinde die nötige Zeit,die Wege zu versperren. Am dritten Tage erfolgte der Aufbruch, bei dem man die Totenunbeerdigt und die Verwundeten unbeschützt zurückließ. Kummervollen Herzens und mitThränen und Wehklagen schied das Heer, nicht weniger als 25 600 Mann tapferer Krieger.Statt der Kriegsgesünge, unter denen sie ausgezogen waren, hörte man jetzt Klagelauteund Schmerzensrufe; und wie waren die stolzen Hoffnungen von Sieg und Eroberungzu Schanden geworden! Mit Recht nennt Thukhdides diese Ereignisse den gewaltigstenGlückswechsel, der ze ein hellenisches Heer betroffen. — In länglichem Viereck bewegte sichder Zug dem Flusse Anäpos zu, erzwäng den Übergang und gelangte bis zu einem schwerzugänglichen, vom Feind besetzten Passe. Außerstande, den Durchgang zu erzwingen, beschlossendie Athener, sich südwestlich gen Kamarkna und Gela zu wenden. Als die Feinde, den Abzugder Athener merkend, ihren Spuren folgten, erreichten sie, während Nikias seinen Marsch überdie beiden Flüßchen Kakypäris und Erineos fortsetzte, die gelockerten Reihen der Nachhut.' Zwar bewährte auch hier Demosthenes sein Feldherrntalent. Schnell waren seine Truppen