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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

Z 115, 116.

Sokrates den Gehorsam gegen göttliches und menschliches Gesetz. Diesen gegebenen Stütz-punkt kann und will er nicht missen. Denn als bloßer Ethiker kann er den Zusammenhangzwischen Handlung und Folge, auf den die sittlichen Gesetze gegründet werden, nicht beweisen,und der theologische Zug, der, freilich vielfach verkannt, durch sein ganzes Wesen ging, legteihm diese Anlehnung an die Volksmoral nahe. Bei dem naiven Glauben freilich beruhigteer sich nicht, sondern stützte diesen durch eine Reihe Beweise meist theologischer Natur; vorallem wies er die menschliche Begabung als einen Ausfluß der göttlichen Allweisheit nach.Götter, wie sie sein Vaterland hatte, und der Gott der Philosophie flössen ihm dabei zu-sammen, und so kam denn schließlich eine vermittelnde Stellung der sokratischen Ethik heraus,die zwischen dem Subjektivismus und der Skepsis der gebildeten Kreise und den Meinungender blindgläubigen Masse der Griechen einen Mittelweg einzuschlagen versuchte und vonallen den Späteren nur als ein erster, aber entscheidender Schritt zur spekulativen Philosophieempfunden ward, der eine Menge weiterer Schritte nach sich ziehen mußte.

§ 115. Die Cyrenaiker und Cyniker. Diese weiteren Folgerungen wurdenvon Sokrates' Schülern gezogen. Wenn wir von Lenophon, Kebes (in der ihmzugeschriebenen Schrift „Gemälde") und Aeschines absehen, stellen sich die Weiter-1 Mögarikerbildungen der Sokratischen Lehre hauptsächlich in drei Richtungen dar. DieMegariker (Eukleides) verbanden die eleatische Lehre vom Seienden (Z 90)r. Cyniler mit der sokratischen Tugend und erklärten, Tugend und Seiendes seien Eins. DieCyniker (Antisthenes) lehnten sich an Gorgias (Z 113) an. Ihnen ist dieTugend vor allem etwas Negatives: die Bedürfnislosigkeit und Enthaltung vomSchlechten. Diese Auffassung führte zu einer ziemlich hochmütigen Bettler-philosophie, die sich an die Namen des Diogenes von Sinope (st 323) undKrates (um 300) knüpft, und zu einer geflissentlichen Mißachtung des Her-3- EH«- könimlichen, die sich noch heute in dem Wort cynisch wiederspiegelt. Die Cyre-° ° naiker (Aristippus) messen den Wert aller Tugend und alles Wissens an derpraktischen Brauchbarkeit; die Erzeugung der Lust im Menschen ist ihnen dasWichtigste, denn das Gute fällt mit dem Angenehmen zusammen. Die Lust istihnen dabei positiver Genuß, dessen Reinheit durch die dabei notwendige An-wendung der Philosophie, des Wissens (das darum als höchstes Gut gedachtwird) gewährleistet wird. — Die megarische Schule hat wenig Einfluß aufdie Weiterentwicklung der Philosophie und ihrer Systeme gehabt. Die cynischeSchule dagegen, die in ihrem Streben nach dem Naturzustand so weit herab-kam, daß sie Begriffe wie Ehe, Staat, Bildung, Vaterland abstreifte, fandihre Wiedergeburt und Veredelung in dem System der Stoiker (H 154).Die Cyrenaiker endlich waren die Vorläufer der Epikureer, die freilich dieLehre von der Lust weit anders und höher auffaßten als Aristippus und sichnicht lediglich mit dieser einen Seite der Philosophie begnügten (§ 154).

§ 116. Platon und seine Schüler. Der Schüler des Sokrates aber, derüber seinen Meister Hinausschritt, war Platon aus Athen, eine der edelstenVerkörperungen des griechischen Geistes.

Piatons Platon, geboren zu Athen 427, aus einem vornehmen, von Kodros abstammenden421-348 Geschlechte, erhielt in seiner Jugend eine vortreffliche Bildung und widmete sich früh derDichtkunst, bis er zuerst von dem Herakliteer KratyloS, dann von Sokrates der Philo-sophie zugeführt wurde. Als nach dessen Tode sich seine Schüler durch die Flucht vorVerfolgung sichern mußten, begab sich Platon zuerst nach Megara zu Eukleides, und suchte,nachdem er hier durch das Studium der älteren Philosophie seine Kenntnisse erweitert hatte,seinen Geist durch Reisen zu bilden. Er besuchte Khrene in Nordafrika und Ägypten, den Sitzorientalischer Weisheit; er bereiste llnteritalien, wo er in Tarent mit dem Pythagoräer Archytasin Verbindung kam (H 89), und erforschte den Aetna auf Sicilien. In Syrakus schloß er engeFreundschaft mit dem hochsinnigen Dion, dem Schwager des Tyrannen Dionysios d. Ä. (Z 187)und hatte bei dem letzteren selbst Zutritt; da aber der Tyrann in Platons Schilderung von denEigenschaften eines Regenten das Gegenbild von sich selbst zu finden glaubte, ließ Dionys ihnin Aegina als Sklaven verkaufen. Später gelang es Platon, die Freiheit wiederzugewinnenund nach Athen zurückzukehren. Hier hielt er nunmehr, in der anmutigen Gegend imWesten der Stadt, wo er Grundbesitz in dem heiligen Hain des Akademos (der späterenAkademie) erworben hatte, vor einem auserlesenen Kreise strebsamer Männer und Jünglinge