Z 116. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 249
(darunter Jsokrates, Chabrias, Phokion) Vortrage. Nach dem Tode des Dionysios folgte erdem Rufe des Diou und begab sich abermals nach Shrakus. Er wurde mit den höchstenEhren behandelt, aber seine und Dions Hoffnung, den jüngeren Dionysios (Z 188)zu einem musterhaften Fürsten bilden zu können, scheiterte an der verderbten Natur desTyrannen und an den Verführungen der Höflinge. Dion ward verbannt, und Platonkehrte nach Athen zurück, wo er seine Vorlesungen fortsetzte und 348 im zweiundachtzigstenJahre seines Lebens starb.
Von feinem Charakter spricht das Altertum mit einer fast ungeteilten, durch denEindruck seiner Schriften bestätigten Verehrung. Das Bild, welches uns aus ihnen ent-gegentritt, das eines idealen, in harmonischem Gleichgewicht aller Kräfte zur sittlichenSchönheit entwickelten, in olympischer Heiterkeit über der Erscheinungswelt thronendenGeistes, hat auch in den Mythen seinen Ausdruck gefunden, durch die der Philosoph schonfrühe mit dem delphischen Gott in nahe Verbindung gebracht worden ist. Bor seinemTode setzte er seiner Schwester Sohn Speusippos (ff 339) zum Erben seines Eigentumsund zum Leiter der Akademie ein, mit der Bestimmung, daß der jeweilige Erbe immer denWürdigsten der Schule zum Nachfolger wühle. Der wissenschaftliche Verein der Akademieerhielt sich ziemlich lange Zeit. Auf den wenig fähigen Speusippos folgten Tenokratesund Philipp von Opus. Sie näherten sich immer mehr dem Pythagoräismus, vor allemin den Anschauungen von der Natur. LenokrateS griff auf die Zahleutheorie zurück, setzteden Äther als fünftes Element und kam in seiner Ethik der Unterscheidung des Aristotelesvon den dianoetischen und ethischen Tugenden (ß 117) schon sehr nahe. Philipp von Opusbegünstigte vor allem die Mathematik, andere, wie Polemon und Krantor, setzten dieethischen Lehren ihres Meisters in zahlreichen Schriften auseinander, bis mit Arkefilaos(Z 1S4) die Schule anfing, wesentlich andere Bahnen einzuschlagen.
Der schriftstellerische Nachlaß Platons, so weit er ihn zur Veröffentlichungbestimmt hatte, ist uns fast ganz erhalten; freilich sind ihm nicht ganzwenige unechte Elemente beigemischt, die schwer herauszuerkennen sind. SeineSchriften, die fast alle in dialogischer Form abgefaßt sind, und in denen erseinem Lehrer Sokrates überall die Hauptrolle zuteilt, suchen aus induktivemWege zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen. Nach Schleier-macher hat Platon von vornherein nach einem pädagogischen Plane einenDialog an den andern gereiht. Die Neueren (Zelter) meinen, daß man inPlatons Entwicklungsgang eine Reihe voneinander zu trennender Stufen zuerblicken habe. Der ersten Periode, die man die „sokratische Zeit" genannt,hat, und die mit der ägyptischen Reise Platons ihren Abschluß fand, sind dannalle die Schriften zuzuweisen, in denen Plato noch im wesentlichen auf demStandpunkt seines Lehrers stand. Dahin gehören die kleinen Dialoge: Euthyphron,Apologie, Kriton, Lysis, Laches, Charmides, der kleinere Hippias und alsSchlußstein der Protagoras. Die zweite Periode zeigt uns die Lehre vonder „Präexistenz der Seele", von der Unsterblichkeit, der Seelenwanderung,also lauter Elemente des Pythagoräismus (ß 89), mit dem sich Plato inSicilien bekannt gemacht hatte, und dazu kommen die Anfänge der Jdeenlehre.Hierher gehören die Dialoge Gorgias, Menon, Euthydemus, Theätet, Sophist,Parmenides und Kratylus. Eine eigenartige Stellung nimmt der Phädrusein, gewissermaßen ein Programm zu seinen gesamten Schriften, in dem er dieGrundlinien zu den einzelnen Dialogen zieht, um dann sorgfältig die Einzel-heiten auszuführen. Die dritte Periode endlich umfaßt die ausführlichstenWerke, in denen die Jdeenlehre weiter ausgebaut und auf die einzelnen Ge-biete der Philosophie übertragen wurde. Ihr gehören die reifsten und schönstenSchriften Platons an: Philebus, Phädo, Gastmahl, seine ausführliche politischeTheorie, die er in den Büchern vom Staate niederlegte, und in dem umfäng-lichen Werke Von den Gesetzen weiter zu begründen suchte, und seine physikalischeTheorie, die im Timäus vorgetragen wird.
Zunächst weist Platon die Notwendigkeit der Philosophie nach, indem er dem „all-gemeinen Bewußtsein" Mangel vorwirft, die nur durch wahres Wissen zu beseitigen seien.Andererseits tadelt er aber die „Aufklärung" der Sophisten und weist ihre Behauptungen(der Mensch ist das Maß aller Dinge u. s. w.) als das Gegenteil aller wahren Philosophienach. Die Erkenntnis erklärt Plato für das einzige, was der Mensch sich zu eigen, was
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