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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
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er sich zum Lebenszwecke machen solle. Zu solcher Erkenntnis führt aber allein die Philosophie.Ihre Wurzel ist das Streben der Sterblichen, vom Sinnlichen zum Geistigen, vom Einzelnenzum Allgemeinen zu gelangen. In der Anschauung der „Ideen" ist ihr das Ziel gesteckt.
1 . Dialektik Das Mittel zu deren Erkenntnis ist die Dialektik (das begriffliche Denken). Sielehrt uns die Begriffe bilden und einteilen und kennzeichnet sich so als ein Vorläuferder von Aristoteles ausgebildeten Logik. In diesem Teile seiner Philosophie schloßPlato sich dem sokratischen Gedanken an, daß nur die Erkenntnis der Begriffe ein wahresWissen gewähre, bildete ihn aber dahin aus, daß nur den Formen der Dinge, die deren
Jdeenlehrs Begriff darstellen, ein wirkliches Sein zukomme. Diese letzteren nannte er Ideen. Nichtdas einzelne Haar oder Tier z. B- ist etwas Seiendes, da das Einzelwesen beständiger Um-formung unterliegt, sondern der Begriff, d. h. die Idee des Haares, des Tieres. Diese Ideensind das wirklich Existierende und besitzen darum auch allein die Realität. Späterhin er-hielten sie von ihm auch den Namen der Zahlen oder der Monaden. — Da die Ideenzu metaphysischen Realitäten umgestaltete allgemeine Begriffe sind, so muß es auch vonallem, was allgemeiner Begriff heißt, Ideen geben. Dieser Folgerung entsprechend statuiertePlaton, auch Ideen von abstrakten Dingen, z. V. den Thätigkeiten, Namen u. s. w. Diewichtigste und höchste aller Ideen aber ist die Idee des Guten. Das absolut Gute istihm der letzte Grund alles Erkennens und Seins, und die Idee des Guten fällt ihmschließlich mit dem Begriff der Gottheit zusammen.
2 . Physik Neben der Welt der Ideen steht die Welt der Erscheinungsformen, über die sich
Platon in seiner Physik ausspricht. Die Unvollkommenhcit der Erscheinungswelt erklärtsich ihm entweder aus dem Vorhandensein der Materie oder des Weltraumes, die beide mitden Ideen nichts zu schaffen haben. Nur durch die Teilnahme an den Ideen erhält dieErscheinuugswelt ein Sein, denn die Idee ist ewig und wirklich, die Erscheinung nur eine„Abschottung" davon. Das Vollkommenste im Reiche des Gewordenen ist das Weltall (der
Weltseele Kosmos), dem Platon eine Seele (die Weltseele) beilegt. Der Weltbaumeister schuf es,indem er die Ideen mit dem Stoffe verband und ihm die Kugelgestalt als die vollkommensteverlieh. Als das Werk der Idee des Guten, der Vernunft, ist die Welt auch vernünftigeingerichtet und zugleich die beste der Welten. Die Weltseele ihrerseits befindet sich imMittelpunkt der Welt und ordnet alles an, nach bestimmten Endzwecken, die wir Menschen
Psychologie nicht zu erkennen vermögen. Das wichtigste Wesen dieser Erscheinungswelt ist der Mensch.
Seine Seele ist der Weltseele gleichartig; sie ist mit der Idee des Lebens unauflöslich
Unsterblich-verknüpft; darum hat sie weder ein Ende noch einen Anfang ihres Daseins. Ihre Un-sterblichkeit also, die Sokrates nur hin und wieder zu hoffen wagte, steht Platon sicherfest. Aus der Ideenwelt herabgekommen, kehrt die Seele nach dem Tode des Menschen dort-hin zurück, aber ihr an der Erscheinungswelt hängendes Etwas führt sie zurück in sterblicheLeiber, und damit nähert sich Platon der Seelenwanderungslehre der Pythagoräer. DieSeele selbst zerfällt ihm in drei Teile, den Verstand, den Mut und die Begierden, die inverschiedenen Körperteilen ihren Sitz haben.
3. Ethik Platons Ethik erhielt ihren Charakter durch die Verbindung, die die sokratischen Sätze
mit seiner Ideenlehre eingingen. Da die Seele der übersinnlichen Welt angehört, so kannsie den Besitz des Guten (das letzte Ziel alles menschlichen Strebens) nur durch Erhebungin die Ideenwelt erlangen. Bei den Indern hatte eine ähnliche Betrachtung zur „Welt-flucht" geführt (Z 15). Diese widerstrebte dem gesunden Hellenengeiste. Er lehrte, daß auch inder Sinnenwelt die Ideen beschlossen seien, und fand die Spuren jener höheren Welt in derüber die Welt ausgegossenen Schönheit, die sich in der zweckmäßigen Anordnung derNatur und in der Harmonie des Weltgebäudes, dem Einklang der Töne und der Anmutdes Menschenleibes offenbart. Das Sichwied.erbewußtwerden des Schönen ist eineRückkehr zur Ideenwelt: eine Abart davon ist die Liebe zweier gleichgestimmter Seelen,die sogenannte „platonische Liebe", die höchste Stufe des Liebestriebes, die uns aus denBanden der Sinnlichkeit zum Anschauen der ewigen Wahrheit erhebt. — Glückseligkeit undTugend sind Plato eins. Ursprünglich noch in den sokratischen Vorstellungen von derLehrbarkeit der Tugend befangen, kommt er schließlich dazu, die Tugend als das Wissen inrichtiger praktischer Anwendung hinzustellen, und jedem Teile der Seele schreibt er seineTugend zu. So dem vernünftigen Teile die Weisheit, dem Mute die Tapferkeit, derBegierde die Besonnenheit und allen dreien die Gerechtigkeit.
4. Polmr In der Ausübung dieser vier „Kardinaltugenden" liegt auch die Wohlfahrt desStaates beschlossen. Denn im Leben der gesamten Menschheit stellt sich ihm die Welt-harmonie als der vollkommene Staat dar. Der Grundgedanke des platonischen Staatesliegt in der Forderung ausgedrückt: die ewigen Gesetze der Wahrheit, Vollkommenheit undHarmonie auf ähnliche Art im Reich der sittlichen Freiheit wirken zu lassen, wie sie der