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Erster Band.
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H 117. Trittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 281

Schöpfer im Weltall verwirklicht hat. Dies kann nur eintreten, wenn die Könige Philo-sophen (im Platonischen Sinne) oder die Philosophen Könige werden. Philosophen aberkönnen sie nur werden, wenn sie auf das sorgfältigste erzogen werden. Darum legt Platonso hohen Wert auf die Bildung des Herrschers, und man erkennt deutlich, daß ihm aristo-kratische, vor allem dorische, Einrichtungen vorgeschwebt haben. Wesentlich anders stelltesich ihm der Staat in seinem letzten Werke, den „Gesetzen" dar, in denen er weit mehr alsvorher den Bedürfnissen der wirklichen Welt entgegenkommt und nicht lediglich konstruierend,sondern an das Vorhandene sich anlehnend manche frühere llnausführbarkeit zurücknimmt.

Platons Staat ist ein ideales Werk der Phantasie; möglich, daß sein Zweck war, den Platonsschon in seiner Zeit zerfallenen Gemeinwesen durch eine neue Organisation der Gesellschaft StaatswealRettung zu bringen, auszuführen aber sind seine Ideen im Großen ebenso wenig wie diesocialistischen Bestrebungen unserer Tage; beide legen die individuelle Freiheit indie engsten Schranken, und Platon erhob sich dabei noch nicht „zur Anerkenntnis dergleichen Würde aller Menschen bei der Verschiedenheit ihrer Anlagen und Wirkungskreise",indem er noch Sklaverei bestehen ließ. Nur die höheren Stände sollten durch Gemeinschaftder Güter, Frauen und Kinder zu einer brüderlichen Genossenschaft vereinigt, zur Weisheitund Tugend herangezogen und dadurch zur Herrschaft fähig gemacht werden. Die llnaus-führbarkeit seiner Ideen mochte Platon selbst gefühlt haben, als er den Antrag derArkadier und Kyrenäer, ihnen eine Staatsversassung zu entwerfen, ablehnte.

Platon war der erste wirklich große Philosoph. In seiner Philosophie Würdigungfinden sich die älteren Richtungen wie in einem Brennpunkt vereinigt. Elemente "der Eleaten und der Pythagoräer, der ionischen Hhlozoisten und Materialistensowie der Sophisten kommen bei ihm zur Geltung. Das ewig Eine ist ihm dieForm, der Fluß der Dinge ist der Charakter des Stoffes, der Nus desAnaxagoras (§ 83) und die ewige Harmonie sind Ursache und Zweck derBewegung. Dazu setzt er die neue Weise seines Lehrers Sokrates fort. Auchihm ist wahres Wissen, das von der Erkenntnis der Begriffe ausgeht, gleichder Tugend und der letzte Endzweck des Daseins. Aber Platon thut einen weitenSchritt über Sokrates hinaus, indem er das Wissen zum System er-heben will, und darin liegt seine Größe, daß ihm der Ausbau des Systemsgelang, ohne wesentliche Lücken zu hinterlassen. Von den Sophistenkünstenund der sokratischen Dialektik gelangte er zur Jdeenlehre, von den einzelnensittlichen Forderungen seines Lehrers zu einem System der Ethik und Politikund füllte die Lücke, die Sokrates absichtlich gelassen hatte, mit einer ganzneuen Art von Naturphilosophie aus. Er ist der erste universell denkende unddie Gesamtheit seiner Wissenschaft umfassende philosophische Kops. Im Grundewar Platons Philosophie in vieler Hinsicht eine Art theologisches System,dem die Philosophie als Stütze diente, denn Plato war eine auch dichterischhervorragend begabte Natur. Das erklärt uns die Bewunderung und denBeifall seiner Zeitgenossen, die in ihm den Hauch des Apollon zu spüren meinten.

Größer aber noch ist an ihm die Vorahnung von künftig zu erforschendenund zu begründenden Wahrheiten, besonders auf dem Gebiete der Psychologieund Ethik, wie der Unsterblichkeit der Seele und der Harmonie der Welt,und dies wird ihm die Dankbarkeit und das staunende Bewundern allerZeiten sichern.

Z 117. Aristoteles und seine Schule. Den Gegensatz zu Platon, demSchöpfer des Idealismus, bildet dessen Schüler Aristoteles aus Stagiros(Stageira) in Makedonien, der Begründer des Realismus. Des AristotelesVater war Nikomachos, der Leibarzt des makedonischen Königs Amyntas; auchAristoteles selbst war zum Studium der Medizin bestimmt, und das ist für seinganzes späteres, auf die Naturwissenschaft gerichtetes Denken von entscheidenderBedeutung geworden. Als Achtzehnjähriger begab sich Aristoteles nach Athen,um Platon zu hören, und ist bis zu dessen Tode sein Schüler geblieben.

Nachher hat er sich eine Zeitlang in Kleinasien aufgehalten, bis ihn Philipp (Z 126)als Erzieher seines Sohnes Alexander nach Philippi berief. Nach Vollendungseines Erziehungswerkes, das mit dem größten Erfolge gekrönt war, begab sich