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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
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Aristoteles wieder nach Athen, wo er in den schattigen Baumgängen, die denTempel des Apollo Lykeios umgaben, seine Lehre einem großen Kreise wiß-begieriger Männer und Jünglinge vortrug. Am Morgen trug er seinen engerenSchülern seine Lehre in wissenschaftlicher Form vor (esoterische Philosophie),ehe er sie vor einem gemischten Publikum in populären Vortrügen (exoterischeLehre) darstellte. Nach Alexanders Tode wurde er der Gottlosigkeit angeklagt.
W 2 Um dem Sturme auszuweichen, ging er nach Chalkis, wo er bald daraufeiner Krankheit erlag. Seine Beziehungen zum makedonischen Hos ermöglichtenihm, sich eine umfangreiche Büchersammlung anzulegen, und alle Hilfsmittel,die seine Zeit der Forschung darbot, zu beschaffen, zogen ihm aber auch vielNeid und Feindschaft zu.
Krundlinien Während Platons poetischer Geist in die unsichtbaren Räume der Jdeen-telischsn Welt aufstieg und die Philosophie nur als Mittel zur Läuterung und zumStreben nach dem Höheren und Himmlischen betrachtete, hielt sich Aristoteles'kritischer Geist lediglich an die Welt der Erscheinung, schritt von demBesondern, durch die Natur und Erfahrung Dargebotenen zum Allgemeinenauf (Empirie) und betrachtete die durch die Wissenschaft errungene Wahrheitals Zweck der Philosophie. Platon und Aristoteles bilden demnach inihrer Gegensätzlichkeit die zwei höchsten, gleich notwendigen und gleichwertvollen geistigen Größen der alten Welt; sie haben für alleZeiten die Richtungen angegeben, denen das philosophische Denken nachgeht,und stehen als die beiden Pole da, um die sich „alles Suchen nach Wahrheitauf dem Wege menschlicher Forschung ewig bewegen wird". In dem schönenFreskogemälde von Rafael im vatikanischen Palaste zu Rom, „die Schule vonAthen", streckt daher Platon die Hand gen Himmel, als dem Reiche seiner Ideen,während Aristoteles auf die Erde, als den Schauplatz seiner Forschung, hindeutet.
Schriften Des Aristoteles zahlreiche Schriften, die an Form und Schönheit weit
Aristoteles hinter den platonischen stehen, sich aber ebenso durch Klarheit und Schärfeauszeichnen, wie jene durch poetischen Schwung, beschäftigen sich mit allenGebieten der theoretischen und praktischen Philosophie. Sie ge-hören alle der esoterischen Gattung an und bestehen teils aus vollständigausgearbeiteten und von ihm selbst noch zu seinen Lebzeiten bekannt gemachtenWerken, teils aus Entwürfen zu seinen Vorlesungen, die er mit Zusätzen undVerbesserungen versehen seinen Schülern hinterließ und die dann von diesennach des Meisters Tod in weiteren Kreisen verbreitet wurden. Dabei scheintdie fromme Pietät jedes Blatt von seiner Hand geachtet und so nicht nur dieEntwürfe und Aufsätze, sondern auch alle Auszüge, Notizen und Kollektaneen,die er mit mühsamem Fleiße angelegt, aus die Nachwelt gebracht zu haben. Soerklärt sich der gänzliche Mangel kunstreicher Darstellung; da die Schrift-sprache von ihm nur als Träger und Notbehelf anstatt der mündlichen Lehrvorträgeund der Wechselrede angesehen ward, so glaubte er jeden Schmuck, jede gefälligeEinkleidung entbehren zu können. In merkwürdigem Widersprüche damit standdas einmütige Urteil der Alten, die dem Aristoteles in seinen exoterischenSchriften harmonischen Fluß der Rede und angenehme Form der Darstellungnachrühmen. Erst die 1890 gefundene Schrift vom Staate der Athener, einTeil seines Riesenwerkes der „Politien", hat dies Urteil als durchaus zu Rechtbestehend erwiesen. Unter des Aristoteles Schriften befindet sich auch eine ganzeAnzahl untergeschobener Produkte; viele von ihnen mögen auch ausgearbeiteteKollegienhefte sein, die also nur den Jdeengang des Lehrers widerspiegeln.
Lehre des Die schon von Sokrates angebahnte, von Platon weiter ausgebaute Lehre vom
Aristoteles D^Een hat Aristoteles zu solcher Vollendung gebracht, daß er als der eigentlicheSchöpfer der Logik anzusehen ist. Er that über Plato den Schritt hinaus, daß erzwischen der transscendentalen Welt der Begriffe und der Sinnenwelt eine Brücke schlug.Alles Wissen stammt ihm aus der Erfahrung, aus der die allgemeinen Principien ab-geleitet werden; die Aufgabe der Wissenschaft ist es, aus diesen Principien auf das Be-sondere durch die sogenannte „Syllogistik" zu gelangen. Darum befassen sich seine logischen