Z 117. Trittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 253
Schriften (das sogenannte Organon) nicht allein mit den Begriffen, sondern entwickelnauch die Lehre von den Urteilen und Schlüssen und von der Methode der Beweis-führung aus Gründen (Dialektik). Die Voraussetzungen jeder Beweisführung sindihm allgemein gültige Sätze (Principien), die ihrerseits nicht bewiesen (deduziert) werdenkönnen, aber ihre Begründung durch das Verfahren der Induktion finden (d. h. daß ihrethatsächliche Geltung an allen unter sie fallenden Einzelfällen dargelegt wird). Auf Beweisund unmittelbarem Wissen beruht ihm das Wesen der Begriffsbestimmung (Definition).Die Begriffe sind nun engeren und weiteren Sinnes, Art- und Gattungsbegriffe. Dieletzteren haben als weitest gefaßte Klasse die sogenannten Kategorien, deren Aristoteleszehn zählt (Substanz, Quantität, Qualität, Beziehung, Wo, Wann, Lage, Haben, Wirken,Leiden). Mit der Logik in inniger Verbindung steht die Rhetorik oder Anweisung zurBeredsamkeit, die im wesentlichen die Theorie des Wahrscheinlichkeitsbeweises enthält.
Die Substanz ist ihm der Gegenstand der ersten Philosophie, gewöhnlich Meta-physik genannt, weil das sie behandelnde Werk hinter den Büchern von der Physik stand.In ihr wendet er sich zu der Kritik der platonischen Jdeenlehre, bekämpft den Dualismusder Ideenwelt und Erscheinungswelt und erklärt, daß alle Dinge aus Stoff und Formbestehen: die platonische Idee wird also in die reale Welt versetzt. Daneben freilich ge-steht Aristoteles der Form noch eine transscendentale Existenz zu; die „Form" hat dasBestreben, in den Stoff einzudringen und in ihm zur Darstellung zu gelangen. Dies nenntAristoteles das „Geschehen". So ist die Form nicht bloß der Begriff, sondern auch derEndzweck jedes Dinges und zugleich die Kraft, die zu diesem Zwecke führt. Darum ist auchdie Form das Einzige, was wirklich existiert, der Stoff dagegen wird erst durch die Form zurWirklichkeit erhoben, vorher stellt er nur das Mögliche dar. Aus dem Verhältnis von Stoffund Form geht die Thatsache der Beweglichkeit hervor, d. h. die Wirklichwerdung des Mög-lichen (seine Entelechie). Diese Folgerung führt zu einem „ersten Bewegenden", das, alsvom Stoffe völlig losgelöst zu denken, also reine Form ist. Das ist der reine Geist, dasDenken, die Gottheit. Ihre immerwährende Thätigkeit (Energie) besteht im ewigen Denken,dessen Gegenstand sie selbst bildet. Auch auf die Welt wirkt der eine Geist nur durch seinbloßes Dasein; das schlechthin vollkommene Wesen ist als das höchste Gut auch der letzteZweck aller Dinge, dem alles zustrebt. Aus dieser Definition ist der ontologische Beweisvom Dasein Gottes hervorgegangen. Aber religiös, selbst im höheren Sinne, ist diese Ansichtnicht, da die aristotelische Gottheit sich um die Welt nicht kümmert; darin liegt ein tief-gehender Unterschied zwischen Aristoteles und Platon. Beide stellen etwas llnkörperliches andie Spitze der Welt: bei Platon aber ist es die Idee des Guten, die ethisch auf die Weltwirkt, bei Aristoteles die „reine Vernunft", die, ohne sich um die Welt zu kümmern, nursich selbst als das Vollkommenste denkt.
Noch weiter entfernt sich Aristoteles von seinem Lehrer in der Physik. Ihr Gegen-stand ist das Bewegte, im Gegensatz zur Metaphysik, die das Unbewegte behandelt, und siegeht von dem Satze aus, daß es ein absolutes Entstehen und Vergehen nicht giebt, sonderndas ewig Bestehende sich nur verändert, und zwar durch Bewegung. Darin weicht Aristotelesvon Platon ab, daß er nicht einzelne für sich bestehende Elemente konstruiert und den Über-gang von einem in das andere für möglich hält. Auch die Lehre Demokrits von den Atomen(Z 90) überwindet er, indem er an Stelle der völlig gleichartigen Teilchen die qualitativeVerschiedenheit derselben zugiebt. Noch wichtiger ist der Grundsatz, daß die Wirksamkeitder Natur nur als Zweckmäßigkeit aufgefaßt werden darf. Sogar den Elementen schreibter eine gewisse Bestrebung zu, und so wird ihm die ganze Natur zu einem lebendigen Ganzen,das zweckmäßig handelt. Aus der Ewigkeit von Form und Stoff folgt Ewigkeit der Be-wegung und somit Ewigkeit des Weltgebäudes. Im Gegensatz zu den Kosmogonien erklärtAristoteles nur die Beschaffenheit der Welt, vor allem der organischen Wesen, denen er einengroßen Teil seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten gewidmet hat. Das Leben besteht ihmaus der Fähigkeit, sich selbst zu bewegen; der Stoff ist ihm der Leib, die Form die Seele,und die letztere des Leibes Entelechie. Das höchste organische Wesen ist der Mensch, demals besonderes der Geist (Nüs) beigesellt ist, der ewig und unveränderlich ist. Auf derVerbindung der Vernunft mit den niederen Seelenkrüsten beruht die Geistesfähigkeit, dieden Menschen über das Tier erhebt.
An diese Psychologie knüpft die Ethik an. Der Zweck aller menschlichen Thätigkeit istdie Glückseligkeit. Aber diese besteht nur in der Vollkommenheit des Daseins, nicht in demGenuß, der aus ihr nur hervorwächst. Vollkommenheit des Daseins ist aber Vollkommen-heit der wichtigsten Geistesthätigkeit und darum gleich der Tugend. Die Tugenden zerfallenin die Vorzüge des Denkens (dianoetische Tugenden) und des Wollens (ethische Tugenden).Die Tugenden haben ihren Sitz im Willen, doch wird der letztere nur dann zur Tugend,
2. Meta-Phystt
Die
EntelechieGottes-b-griff
3. Physik
t. Ethik