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Erster Band.
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Z 118. Drittes Kapitel: Bon den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 255

fischen Krieges hatte die griechische Geschichtschreibung schon ihre höchste Blüteerreicht, denn sie sagte sich von der einfachen Darstellung der Lokalgeschichte los undlenkte in die Bahnen der Staaten- und Vülkergeschichte ein. Den vorbereitendenSchritt hatte schon HekatäoS von Milet (Z 91) gethan; der Erste aber, der andie Stelle der bisherigen Geschichtenschreibung (Logographie) die wahre Ge-schichtschreibung (Historie) fetzte und daher der Vater der Geschichte genanntwird, war Herodot aus Halikarnaß. Nach dem Untergänge der Freiheit A ro dotseiner Vaterstadt durch die Perser lebte er eine Zeitlang auf Samos und machtedann große Reisen nach dem Wunderlande Ägypten und nach Libyen bis in dieGegend von Kyrene, nach Syrien und Babylonien, nach Kleinasien und Persien,nach Griechenland und in die pontischen Länder an den Mündungen derDonau, wo er aus eigenen Anschauungen und nach mündlichen Erzählungen denStoff zu seiner später in neun Bücher (die man gewöhnlich nach den neunMusen benannte) geteilten Geschichte sammelte. Am liebsten scheint er in Athengeweilt zu haben, dessen freies, geordnetes Staatswesen unter Perikles seinehöchste Bewunderung erreichte. Es geschah Wohl auf Anregung dieses Staats-mannes, daß er an dem Fest der Panathenäen im Jahre 446 eine öffentlicheVorlesung aus seinem Werke hielt. Sein Alter verlebte er zu Thurioi inllnteritalien (ß 108). Dort arbeitete er die späteren Teile seines Werkes aus,doch scheint ihn der Tod vor der Vollendung des Ganzen überrascht zu haben.Herodot beschrieb im ionischen Dialekte, in treuherziger, redseliger Sprache,die Kämpfe der Griechen mit den Persern samt deren Vorgeschichte undschaltete die ältere Geschichte und Landeskunde der orientalischen und griechischenVölker an geeigneten Stellen ein. Dabei lief freilich manches Fabelhafte, daser den Erzählungen der Priester, Dolmetscher und Fremdenführer, der Prahlereiund Wundersucht des Orients nachschrieb, mit unter. Der Zweck seines mitgroßer Einfachheit und Klarheit geschriebenen Werkes ist, zu zeigen, wie dieFreiheitsliebe der Hellenen über den Knechtssinn des Orients den Sieg davontrug. Das reine Gemüt und die redliche Gesinnung des Verfassers, die ausder ganzen Darstellung hervorleuchten, geben dem Werke ein edles Gepräge.

Überall begegnet man der religiösen Idee, daß die Geschichte nur das Ergebniseiner moralischen Weltordnung sei, und der theologischen Anschauung, daß dieGottheit jedem Wesen bestimmte Bahnen und feste Schranken angewiesen habe,deren Durchbrechung Strafe und Verderben auf den Schuldigen herabziehe, daßsie dem Schwachen und Demütigen Stärke verleihe, den Vermessenen undÜbermütigen dagegen zu Falle bringe. Darum erlaubt sich Herodot auch nurda ein eigenes Urteil, wo die Gottheit selbst schon gerichtet hat. Wie schondie Darstellung der orientalischen Geschichte gezeigt hat (Z 24, 36), verdienenHerodots Nachrichten durchweg sorgfältig geprüft zu werden; denn bei vielen,die man früher zu den Fabeln verwies, hat sich hinterher ihre Richtigkeitherausgestellt. Die Darstellung der durch vielseitige Forschungen erworbenenResultate nach einer vortrefflich durchgeführten Anlage verlieh dem Werke denCharakter eines großartigen Epos, weshalb auch schon im Altertum die hero-dotische Geschichte als homerisch bezeichnet wurde. Wie bei Homer schwebtauch bei ihm über dem Ganzen und allen seinen Teilen „eine heitere Ruhe, inanmutige Fülle der Rede eingekleidet".

Herodots Geschichtsbücher feuerten, wie die Sage berichtet, den edlenAthener Thukydides, den Sprößling aus dem Hause des Miltiades undeines thrakischen Fürstengefchlechts, schon als Knaben zur Nacheiferung an (§ 71).

Zur Zeit der Schlacht von Amphipolis (§ 106) wurde Thukydides (weilman seiner verspäteten Ankunft die Einnahme dieser Stadt durch die Spartaner Eschuld gab) verbannt und widmete die langen Jahre seines Exils der Abfassungder Geschichte des peloponnesischen Krieges, die er nicht vollendensollte. Sein Werk bricht mitten in der Erzählung der Ereignisse des Jahres 411ab. Im Jahre 403 nach Athen zurückgerufen, soll er bald darauf hinterlistig