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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

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ermordet worden sein. — Er bildet in vielen Dingen den Gegensatz zu Herodot.Während sich bei diesem der Schwung der Gesinnung kund giebt, den diePerserkriege hervorbrachten, tritt bei Thukydides die hohe Bildung Athens zurZeit des peloponnesischen Krieges hervor. Wie jener die einfache, verständlicheSprache des Volkes redet und die Phantasie der Leser anregt, so hat Thuky-dides bei seiner gedrungenen, sinnfchweren Sprache und seinem mühsamringenden Stil den gebildeten Teil der Nation im Auge und beschäftigtvorzugsweise den denkenden Verstand. Alles anmutige Bei- und Nebenwerkverschwindet; jedem Volk und Staat ist in der großen Tragödie des 27 jährigenBürgerkrieges seine Rolle knapp vorgezeichnet. Das Streben, überall möglichstviele Erscheinungen in einem einzigen Brennpunkt zu vereinigen, um den Gefamt-eindruck nicht durch Zersplitterung zu schwächen, ist die Ursache seiner dunkelnKürze; die gewaltige Jdeenfülle ringt noch oft mit der ungefügen Sprache:für viele Begriffe findet er noch keine Worte, sondern muß sich mit einer Um-schreibung zu helfen suchen. Je nach dem Gegenstände der Darstellung zeigt erdie größte Abwechslung; von der gefälligen Einfachheit des erzählenden Stilserhebt er sich zum kühnsten Periodenbau und zu energievoller Kraft. Das inder modernen Geschichtschreibung so viel verwendete Mittel der Charakteristikverschmäht er fast ganz. Als Ersatz dienen ihm (wie auch schon bei Herodot)die eingeflochtenen Reden, die keineswegs Originale sind, sondern des RednersPerson ausmalen und aus seinen Worten ein Bild seines Wesens hervor-bringen sollen. Obwohl Aristokrat von Geburt und Gesinnung, sieht er denMaßstab seines Urteils lediglich im Heil des Vaterlandes. Thukydides, derdie Geschichte als Staatsmann ansah und ihr durchaus eine politische Be-stimmung anwies, bietet keine epische Darstellung, sondern eine kritische Be-trachtung der Begebenheiten. Er leugnet oder beachtet nicht den von Herodotso oft betonten Willen der Gottheit. Er sieht nur wirkende Menschenkräfte,er will aus den Handlungen, insofern sie von Menschen veranstaltet werden,praktische Folgerungen für ähnliche Lagen des gemeinen Wesens ableiten. DieNatur seines Stoffes, der Krieg, führte ihn zu einer Anordnung (nach Sommernund Wintern), die im ganzen der chronologischen verwandt ist.

8 119. Die nachfolgenden Geschichtschreiber (Lenophon, Ktesias, Philistos).

434 ^ 35 °" Der Fortsetzer des Thukydides, Xenophon, der oben erwähnte Schüler desSokrates (Z 144), dessen Lehren er in der anmutigen Schrift „Denkwürdigkeiten desSokrates" dargestellt hat, übertrifft den großen Historiker an Durchsichtigkeitund Leichtigkeit des Stils, steht aber an Tiefe der Gedanken und an Un-parteilich eit weit hinter Thukydides zurück. Obgleich ein Athener, ist Lenophonein Verehrer und Lobredner der Spartaner, besonders ihres Königs Agesilaos,den er auf seinem Feldzuge gegen die Perser begleitete und dessen Leben erauch beschrieben hat. Darum sind seine „hellenischen Geschichten" mitbewußter Parteilichkeit verfaßt und namentlich die großen Thebaner Pelo-pidas und Epaminondas ganz in Schatten gestellt. Xenophon schriebauch eine Bildungsgeschichte des ältern Kyros (Kyrupädie), eineArt politisch-philosophischen Romans, worin er den Stifter des persischen Reichesals das Ideal eines nach sokratischen Begriffen erzogenen Herrschers darstelltund die Vorzüge einer weise geleiteten Monarchie, in der Ordnung und Ruheherrschen und die Unterthanen ein behagliches Leben führen, ausmalt und denrepublikanischen Verfassungen seiner Landsleute entgegenhält. Xenophon hat dieTugend- und Weisheitslehre seines Meisters ganz von der praktischen Seite alsMittel zu einem glücklichen Dasein aufgefaßt und sie in diesem Sinne aus alleVerhältnisse des Lebens angewandt, so in den Schriften über Hauswesen undLandwirtschaft, über Jagd und Reitkunst. Von Athen verbannt, brachte Leno-phon seine letzten Lebensjahre in der Peloponnes zu, anfangs in ländlicherEinsamkeit auf dem ihm von den Spartanern zugewiesenen Gute Skillus, dann,seit der Schlacht bei Leuktra, in Korinth, wo er hochbetagt starb. Unter