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Erster Band.
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Z 120. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 257

seinem Nachlaß finden sich auch einige staatswifsenschaftliche Schriften,, die zumTeil nicht von ihm herrühren, vor allem das berühmte Pamphlet „Über denStaat der Athener", das die mißvergnügte Auffassung eines Aristokraten vonder athenischen Demokratie wiederspiegelt. Als Vorzüge der GeschichtschreibungLenophons wurden schon im Altertum gerühmt: eine große Natürlichkeit inAnsicht und Darstellung, Anmut des Stils und ein kindlicher, frommer Sinn,der das Eingreifen der Gottheit in die menschlichen Schicksale als letzte Ur-sache der Begebenheiten aufstellt und aus die Beobachtung äußerer Religions-handlungen hohen Wert legt.

Von der „Geschichte Perstens", die der am persischen Hofweilende griechische Arzt Ktesias von Knidos verfaßte, besitzen wir nurFragmente und Auszüge; ebenso von der „Geschichte von Sicilien"des Syrakusaners Philist os, der den Thukydides zum Vorbild nahm.

Da Ktesias als Leibarzt des Königs Artaxerxes, dem er in der Schlacht von KtesiasKunaxa (Z 120) zur Seite stand, aus orientalischen Quellen geschöpft hat, die den Egriechischen Historikern unzugänglich waren, so wich seine Darstellung in vielen Dingenvon der der übrigen ab; und da er sich ebenso entschieden auf den persischen Standpunktstellte, wie Herodot aus den griechischen, so zog er sich die Mißachtung seiner Landsleuteund den Vorwurf der Parteilichkeit zu. Sein aus 23 Büchern bestehendes Werk behandeltedie Geschichte des assyrischen, medischen und persischen Reiches bis zu seiner Rückkehr insein Vaterland, i. I. 399. Sein Hauptzweck war, die vielen Irrtümer und Vorurteile,die die Griechen über Persien hegten, zu widerlegen und zu beseitigen. Noch reicher anbestrittenen Nachrichten und Fabeln als die persische Geschichte war eine andere kleinereSchrift des Ktesias über Indien-

Philistos von Syrakus stand mit dem älteren und jüngeren Dionysios in Ver-bindung. Den älteren unterstützte er mit Rat und That in seinem Streben nach der Allein-herrschaft über Syrakus (Z 108) und stand ihm auch während derselben als Minister zur Seite.

Zwar trieb ihn das Mißtrauen des Tyrannen auf einige Zeit ins Exil, doch kehrte ernach der Thronbesteigung des jüngeren Dionysios zurück und erlangte großen Einfluß. Erwirkte dem edlen Tion und dessen Freund Platon (Z 116) nach Kräften entgegen und betriebdie Verbannung des ersteren und die Verweisung des letzteren. Als Dion i. A. 3S6zurückkehrte und Syrakus mit bewaffneter Hand eroberte, fand Philistos seinen Tod, ungewiß,ob durch eigene Hand oder in der Gefangenschaft. Sein Werk zerfiel in zwei Teile: dererste im Exil geschriebene umfaßte die älteste Geschichte Siciliens bis zur Thronbesteigungdes älteren Dionysios (406) in sieben Büchern; der zweite die Geschichte der beiden Dionhsein sechs Büchern. — Neben diesem größeren Geschichtswerke verschwand das ältere Buch desAntiochos über Sicilien, das noch Thukydides benutzt hatte. Ein eigenartiges Werkchenist die Taktik des Äneas aus Sthmphalos, das noch erhalten ist.

L. Angriffspolitik gegen jDersien. Die zweite spartanischeHegemonie und ihr Sturz (H03—362).

§ 120. Rückblick auf die persische Geschichte seit 465. Die Expedition des /ALusjüngeren Kyros. Die mißlungenen Versuche der Perser, sich Griechenlands zu GrieHen-bemächtigen, waren zunächst für den Bestand ihres eigenen Königtums ohneweitere schädliche Folgen gewesen. Denn die Hellenen hatten mit sich und ihrerinneren Entwicklung zu viel zu thun, um ihre Blicke nach außen zu richten,und dann erschöpfte der vieljährige Kampf zwischen Athen und Sparta ihreKräfte zu sehr, als daß man hätte daran denken können, den Faden derthemistokleischen und kimonischen Politik wieder da aufzunehmen, wo jene ihnnotgedrungen hatten fallen lassen. So kam es denn, daß der greisenhafteabsolutistiche Staat der Perser scheinbar glücklich weiter lebte und sogar stellen-weise, dank seiner Diplomatie und seines Geldes, einen Einfluß auf diegriechischen Händel gewann, der im schlimmen Mißverhältnis zu seiner wirk-lichen Macht stand.

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I.

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