121 . Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 259
durch das Vertrauen der Lagergemeinde an die Spitze des Heeres gestellt undführte es, in Verbindung mit dem Spartiaten CheirisophoS, unter denunglaublichsten Schwierigkeiten durch Armenien nach der griechischen Handels-stadt Trapezüs am schwarzen Meer und von da nach Byzanz. Ohne Kundedes Landes und der Sprache und ohne zuverlässige Führer mußten sie un-wegsame Berge übersteigen, reißende Ströme durchwaten, unwirtliche, mittiefem Schnee überdeckte Gegenden durchziehen, verfolgt von den Persern undangegriffen von den Einwohnern. Als sie von einer Anhöhe herab zum ersten-male das Meer wiedersahen, brachen sie in ein lautes Freudengeschrci aus undbegrüßten seinen Anblick als das Ende ihrer zahlreichen Leiden und Beschwerden.
Nach ihrer Heimkehr wollten die Söldner in spartanische Dienste treten; dochhegte man in Sparta'Bedenken, einen offenen Bruch mit Artaxerxes II. herbei-zuführen und lehnte ihren Eintritt vorläufig ab. Erst nachdem der Thraker-könig Seuthes sich ihrer zu Kämpfen gegen seine abgefallenen Unterthanenbedient hatte, wurden sie in die Armee des spartanischen Feldherrn Thibronaufgenommen. Das wichtigste Ergebnis dieser Condottierenfahrt war, daß sichselbst in den breitesten Schichten des griechischen Volkes die Ansicht immermehr Geltung verschaffte, daß das persische Reich ein „Koloß auf thönernenFüßen" sei, den es leicht gelingen werde umzustoßen; und dieser Gedanke hatdie Griechen beseelt, bis er zur That ward.
§ 121. Die Kämpfe der Spartaner in Kleinasien. Die durch den jAHAr-„Zug der Zehntausend" eingeleitete Offensivpolitik der Hellenen gegen die ta»-r gegenPerser wurde dadurch weitergeführt, daß die Perser aus Zorn über die demKyros geleistete Hilfe an den Hellenen Rache zu nehmen gedachten. Tissa-pHern es, dessen Ränkespiel den jüngeren Kyros ins Verderben gestürzt hatte,ward sein Nachfolger als Satrap und Militärgouverneur in Kleinasien undsuchte zunächst die kleinastatischen Griechen zu strafen. Diese wandten sich anSparta, das als hellenische Vormacht seine Hilfe nicht versagen mochte und nachvergeblichen Vermittlungsversuchen den Thibron mit einem kleinen Heere nach ThibronEphesos sandte. Da der spartanische Feldherr das offene Feld nicht haltenkonnte, setzte er sich im Winter 400/399 in den Städten fest. Erst im folgendenJahre, durch die Reste der Zehntausend verstärkt, ging er zur Offensive über.
Nach Ablauf seines Amtsjahres trat an seine Stelle Derkylidas, dem Dsrkyiidases gelang, mit Tiffaphernes einen Waffenstillstand zu schließen und dann inenergischem Vorgehen gegen Pharnabazos, den Satrapen von Bithynien,alle Griechenstädte zu befreien. Der persische Hof war jedoch nicht gewillt,dies ruhig zu ertragen. Da man zu Lande gegen die hellenischen Krieger nichtsausrichten konnte, beschloß mau, den Kampf auf das Meer zu verlegen. Diedazu notwendigen Schiffe lieferte Euagoras, seit 410 Tyrann von Salamis ^u°s°ras^auf Cypern; er bewog auch die Perser, den Athener Konon 111), der seit 4io-s?4der Schlacht von Aegospotamoi bei ihm lebte, zum Feldherrn zu ernennen.
Zwar lies gleichzeitig eine spartanische Flotte aus, und Derkylidas fiel in Karienein; aber der Krieg ward auf beiden Stellen so matt geführt, daß man inSparta einsah, daß es so nicht weiter gehen könne.
Als durch Lysanders Einfluß der kräftige und mit Liebe für altspartanischeSittenstrenge erfüllte Agesilaos, Xenophons (§ 119) bewunderter Freund, zumKönig erhoben und mit der Leitung des Kriegszugs gegen die Perser betraut Spartawurde, nahmen die Dinge eine andere Wendung. Rasch drang Agesilaos ^bis Daskylion vor und setzte den Satrapen in nicht geringe Angst. Leider waraber die spartanische Armee zu klein, um wirklich dauernde Erfolge zu erzielen.
Viel Schaden brachte auch die Eifersucht der Führer; Lysander, der gehoffthatte, den Agesilaos nach seinen Wünschen leiten zu können, sah sich bald inseiner Erwartung getäuscht; von dem aus sein Ansehen eifersüchtigen Königmit Verachtung behandelt, begab er sich, Rache sinnend, an den Hellespontund von da nach Sparta, während Agesilaos nach einem siegreichen Gefechte
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