Z 128. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 261
Gebiete Gefangene wegzuschleppen. Es war ein Krieg voll wilder Greuel,zuletzt durch Söldnerscharen unterhalten, die ihren Weg mit Brand, Verwüstungund Mord bezeichneten. Alles Völkerrecht wurde niedergetreten, kein Tempel,keine Schirmstätte der Religion geachtet: in Korinth ermordete die Volks-Partei am Eukleiafest ihre lakedämonisch gesinnten Gegner auf offenem Markteund vereinigte ihre Vaterstadt mit Argos zu einem demokratischen Bundes-staat, erlitt aber kurz nachher bei der Hafenstadt Lechäon durch dieSpartaner und eine Anzahl flüchtiger und Verbannter Aristokraten eine Nieder-lage, die die Sklavenmärkte mit Gefangenen füllte. Jedoch blieben wirklicheErfolge für Sparta aus, und man dachte um der allgemeinen Erschöpfungwillen ernstlich daran, Frieden zu schließen. Der schlaue Antalkidas wurdeals Unterhändler zu dem neuen Satrapen Tiribazos geschickt, um gegen dieGarantie völliger Freiheit der europäischen Hellenen dem Großkönige Kleinasienauszuliefern und somit einen Teil der spartanischen Vorherrschaft zu retten.
Die Perser gingen gern auf diese Vorschläge ein, die jedoch an dem Widerstanddes böotisch-athenisch-korinthischen Bundes scheiterten. Inzwischen ging derKrieg an feinen verschiedenen Schauplätzen ruhig weiter, mit wechselndem Er-folg, und ohne daß den Spartanern wesentlicher Abbruch geschehen wäre. Erstals der talentvolle Feldherr Jphikrätes von Athen, der eine neue Kriegs-IphUrat-skunst begründete, indem er sich leichtbewaffneter Söldnertruppen (Peltasten)mit kleinen Schilden und verlängerten Speeren bediente und dem Hopliten-heer eine zweckmäßigere Bewaffnung und Einrichtung verlieh, eine im Abzugbegriffene spartanische Heeresabteilung (Mora) bei Korinth überfiel und ver-nichtete, nahm der Krieg eine für die Spartaner gefährliche Wendung. Freilichtraf die neugeschaffene athenische Seemacht um dieselbe Zeit ein herber Verlust.Euagoras von Kypros (Z 111, 121) wurde nämlich wegen der Übergriffe, die ersich erlaubt hatte, von den Persern angegriffen und bat die Athener um Hilfe.
Diese mochten sie nicht verweigern und schickten den alten Helden Thrasybulosmit einer Flotte aus, der die kleinaftatische Küste wieder erobern sollte. Esgelang ihm auch, eine Reihe glänzender Erfolge davonzutragen, bis er bei einerharten Steuereintreibung in Pamphylien von den erbitterten Aspendiernerschlagen ward. Trotzdem hatte Athen so viel erreicht, daß es wieder in derersten Reihe der griechischen Mächte stand und man in Sparta befürchten mußte,es werde das alte Reich wie vor 405 wieder ausgerichtet werden. Darum drängteman zum Frieden. Die spartaner-freundlichen Satrapen Tiribazos und Struthasund mit ihnen Antalkidas schloffen die Athener durch eine überlegene Flotte vomPontos ab, und so mußte sich auch Athen dazu bequemen, Frieden zu schließen.
Nach langen Verhandlungen, während welcher der aristokratisch gesinnteathenische Staatsmann Andokides vergebens eine Aussöhnung zwischen seinerVaterstadt und Sparta zu erzielen bemüht war, kam endlich der Frieden desNmdasAntalkidas (Königsfriede) zu stände, wodurch die griechischen Stadtgemeindendes asiatischen Festlandes nebst Kypros den Persern unterworfen, alle übrigenhellenischen Staaten aber und alle Inseln (bis aus Lemnos, Jmbros undSkhros, die den Athenern verbleiben sollten) für frei und selbständig er-klärt wurden. Durch diesen von dem Perserkönige diktierten Frieden gingdie Westküste Kleinasiens für Hellas auf immer verloren. Die von Sparta -erwirkte Auslösung aller hellenischen Bündnisse und Vereinzelung derkleinen Gemeinwesen führte nicht zur Freiheit, sonder-- zur Ohnmacht, und dievon nun an immer häufiger werdende Anwendung von Söldnertruppen imKriege hatte zur Folge, daß sich die Bürger mehr und mehr der Waffen ent-wöhnten und dadurch den Untergang ihrer freien Verfassungen beschleunigten.
Am härtesten traf der Antalkidische Friede die kleinasiatischen Griechen, diesich zunächst auf das energischste gegen die persische Herrschaft wehrten, schließ-lich aber doch, trotz der Unterstützung, die sie in einer gleichzeitigen ägyptischenRebellion fanden (Z 34), sich fügen mußten. Auch Athens treuer Bundesgenosse,