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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
124.
bei Leuktra mit festlichen Aufzügen, fo lange die Stadt stand; denn durchdiesen Sieg wurde der böotische Vorort eine selbständige Macht in Griechen-th-ffattschsn Ein glücklicher Zufall befreite die Stadt fast gleichzeitig von ihremEinmischung gefährlichen Verbündeten, dem Tyrannen Jason von Pherä, der esverstanden hatte, sich zum alleingebietenden Herrn von ganz Thessalien zumachen. Mörderhände töteten den begabten, ehrgeizigen Mann, eben alser sich anschickte, bestimmend in die griechischen Verhältnisse einzugreifen.So war Thebens Vorherrschaft zunächst in Mittelgriechenland unbestritten,und auch in den übrigen hellenischen Gemeinden trat der Umschwung zugunsten der Demokratie ein; überall stellte man die unterdrückten Volks-regierungen wieder her und vergalt den von den Spartanern eingesetztenAristokraten mit Hinrichtung und Verbannung. Furchtbar wütete vonneuem an allen Orten der Parteieifer und forderte seine blutigen Opfer;nirgends schrecklicher als in Argos zur Zeit des „Skytalismos" (Stock-prügeln), bei dem gegen 1200 aristokratische Bürger erschlagen wurden. Auchsonst zeigten sich die Wirkungen des Tages von Leuktra in der Peloponnes.Das zerstörte Mantineia wurde wieder ausgebaut; ja, das Volk derArkadien versuchte, einen Gesamtstaat zu bilden, als dessen HauptstadtS7o man einen ganz neuen Ort gründete, Megalopolis (die „große Stadt"),die dem neuen Bund einen festen Halt verleihen sollte. Die Pläne derSpartaner und der ihnen ergebenen Parteien, dieses Unternehmen zu hindern,führten nur dazu, das zu vollenden, was man vor wenig Jahren nochnicht einmal geahnt hatte: die Vorherrschaft Thebens.
In Thessalien (Z 56) waren die alten Bewohner von kriegerischen Ein-wanderern überwunden und zu leibeigenen Bauern (Penesten) erniedrigtworden. Aber auch die Überwinden wurden häufig die Knechte einiger adligerFamilienhäupter (Dynasten), die mit Hilse von Söldnern und Leibwächtern eineZwingherrschaft über die bedeutenden Städte übten. Jahrhunderte langhatten die Aleuaden in Larissa und die Skopaden in Pharfalos alsFürsten geherrscht und als Tagoi den thematischen Bund gelenkt, bis sichin den anderen Landstädten neue Herren auswarfen. Unter diesen warenJason bon Pherä und nach dessen Ermordung sein Neffe Alexander dier s?o mächtigsten. Der letztere, durch Mord zu der Würde eines Tagos gelangt, be-mm^Phsrä h""btete sich m der Herrschaft durch die furchtbarsten Greuelthaten. Anfangs370-358 waren diese Tyrannen mit Theben verbündet, doch zog Pelopidas, von demgedrückten Volke gegen den unmenschlichen Tyrannen um Hilse angegangen,zweimal nach Thessalien; auf dem ersten Zug ordnete er einen Thronstreit inMakedonien (wobei er den jungen Königssohn Philipp sZ 125j nebst dreißigedlen Makedoniern als Geiseln nach Theben führte), wurde aber auf demRückzug von Alexander gefangen genommen und nur mit Mühe einige Zeitnachher durch Epaminondas' Klugheit und Tapferkeit wieder befreit.
Thessalische
Tyrannen
K 124. Thebens Hegemonie bis zur Schlacht von Mantineia. Die
Böoter waren weder so begabt und geistvoll wie die Athener, noch sokraftvoll und beharrlich wie die Spartaner. Ihr Vorrang war dahernur das Werk ihrer beiden großen Feldherren. Pelopidas war weltkundig,gewandt und tapfer, mehr ein Mann der That als des Wortes undtrotz seines Reichtums und seiner vornehmen Abkunft ein feuriger Anhängerdemokratischer Grundsätze; Epaminondas war hochsinnig, kriegserfahren undso gerecht, so uneigennützig und so arm wie Aristides. Bei einem ge-wandten, in den Ringschulen abgehärteten Körper besaß er einen scharf-sinnigen, durch Nachdenken und Studien gestärkten Geist und bei