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Erster Band.
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Z 127. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (380—190 v. Chr.). 273

mehr erweitert, sogar dahin, daß man den Bürgern das Eintrittsgeldzum Theater (Theorikon) zurückerstattete. Die früher üblichen Leiturgienwurden nicht mehr geleistet; nicht mehr Einzelne, sondern ganze Vereine(Shmmorien) mußten zusammentreten, um die Ausrüstung der Schiffe zubesorgen. Das Prozeßwesen wurde des Richtersolds halber ein wahrerUnfug. Die Ausstattung der Theaterstücke mußte der Staat übernehmen. W»

So war es denn kein Wunder, daß es den Leitern der athenischen Finanzen,unter denen sich wahre Genies, wie Eubulos und Lhkurgos befanden,nie gelingen wollte, den leeren Staatssäckel zu füllen. Indirekte Steuernund Monopole brachten bei dem in seiner Menge bedürfnislosen Südländer-volke wenig ein, und die direkten Steuern vom Vermögen wurden alssehr hart empfunden. In Zeiten außergewöhnlichen Bedarfs war dieSteuerdecke des Staates stets zu kurz, da nach dem peloponnesischen Kriegkeine Aussicht mehr war, auch nur nennenswerte Barbestände zu sammeln.Deshalb kam man zu dem sehr bedenklichen Mittel, die Tempelschätze zusäkularisieren, ein Verfahren, das man von dem älteren Dionys gelernthatte, und das schon anderwärts sehr beliebt geworden war. So nahmensich die Argiver die Schätze von Olympia (Z 124), so wurden die Schätzeder attischen Tempel verbraucht. Ein ähnlicher Vorgang sollte auch Philippdie erwünschte Gelegenheit bieten, um sich in die inneren Verhältnisse vonHellas einzumischen.

§ 127. Philipps Einmischung in die griechischen Angelegenheiten.

Der phokische Krieg. Zunächst ging Philipps Bestreben dahin, fein Reichdurch feste Begrenzung nach der Landseite hin gegen feindliche Einfälleabzuschließen und ihm zugleich den Zugang nach der See zu öffnen.

Kaum hatte er aber durch glückliche Kriege gegen die Jllhrier und die d«Thraker sein Gebiet nach Westen und Osten erweitert und gesichert, die Chaidid«-griechischen Städte Amphipolis, Pydua und Potidäa unter seineHerrschaft gebracht und in der Nähe der ersteren in einer an alten Gold-bergwerken reichen Gegend die feste Stadt Philippi auf einer steilenAnhöhe angelegt, so boten ihm die Kriege um Delphi die Veranlassung,sich in die inneren Angelegenheiten der Griechen zu mischen.

Die Thebaner wollten nämlich ihr Übergewicht zur Unterjochung des phMsch-benachbarten Phokis benutzen, wo Freibürger und Freibauern seit gZsjAgMenschengedenken in einem freien Städtebund lebten, und bedienten sichdazu des delphischen Amphiktionenbundes (§ 71), vor dessen Ge-richte sie die Phoker anklagten, sie hatten einige zum Tempelgut gehörigeund mit einem alten Fluch beladene Strecken Landes in Besitz genommen.

Das Amphiktionengericht, durch die Stimmen mehrerer kleiner Vundes-glieder ganz in das Interesse der Thebaner gezogen, verurteilte die Phokerzu einer schweren Geldbuße, sprach, als diese die Zahlung der die Kräftedes armen Landes weit übersteigenden Summe weigerten, den Bann übersie aus und übertrug die Ausführung der Strafe den Thebanern. DiePhoker, von den Spartanern im geheimen unterstützt, beschlossen, sich zuwehren. Sie besetzten die Stadt Delphi, bemächtigten sich des reichenTempels und warben mit dessen Schätzen ein großes Söldnerheer, mit demsie zehn Jahre lang glücklich allen Angriffen ihrer Feinde widerstandenund sogar einige böotische Städte in ihre Gewalt brachten. Furchtbarwütete die Rache der rauhen Phoker und ihrer räuberischen Söldner-scharen, die an Philomelos und seinem Gesinnungsgenossen Onomarchos

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. 18