Band 
Erster Band.
Seite
275
JPEG-Download
 

z 128. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). 275

Herzen der Griechen. Goldene Gefäße, Kränze und Kunstwerke von unschätzbarem Werteund ehrwürdig durch ihr Alter fielen in die Hände roher Söldnerscharen und ihrer An-führer, die sie zum Teil an feile Personen verschenkten oder mit dem heiligen Gute denniedrigsten Wucher trieben. Die durch Ausmünzung der geraubten Weihgeschenke bewirktesehr starke Vermehrung des Geldes erhöhte die schon herrschende Schlaffheit und Sitten-verderbnis, und der Untergang der Tempelschätze, unter denen sich auch zahlreiche Depositenbefanden, gab den Handelsverhältnissen und dem öffentlichen Kredit einen empfindlichen Stoß.

§ 128. Philipp und Athen. Demosthenes. Während dieser Kämpfehatte Philipp nicht vergessen, auch anderwärts seine AusLreitungspolitik zubetreiben. Die rauhen Länder an seiner Nordgrenze reizten ihn ebensowie die reichen Städte, die an den Küsten des ägäischen Meeres lagen.

Indem er die Schlaffheit der Athener und die Zwiespältigkeit der anderenHellenen ausnutzte, gelang es ihm, mit Ausnahme des chalkidischen Bundesalle griechischen Ansiedlungen nördlich der Thermophlen in seine Gewaltzu bringen. Schon während des phokischen Krieges hatte sich Philipp «stdes festen Torone bemächtigt und andere Städte von Grund aus zerstört, du-Früher hatten sich die Chalkidier an Makedonien angelehnt; jetztbegannen sie, an Athen einen Rückenhalt zu suchen. Olhnth, dasHaupt des chalkidischen Bundes, schloß mit Athen einen Bundesvertragaus gegenseitige Hilfe, und Philipp erklärte ihm daraufhin den Krieg.

Aus Betreiben des Demosthenes (Z 126, 130), der damals das Haupt derantimakedonischen Partei war und in gewaltigen Reden den Patriotismusseines Volkes zu entstammen wußte, wurde eine Hilssstotte unter Charesnach Olynth geschickt, die dem Vordringen Philipps Halt gebieten sollte.

Jedoch durch einen Ausstand aus Euböa wußte sich Philipp der Athener zuentledigen. Trotz Phokions kraftvoller Verteidigung ging die herrlicheInsel den Athenern verloren, und zugleich fiel auch Olhnth in die Hände Ms«Philipps, der das strengste Kriegsrecht walten und die Stadt dem Erdbodengleich machen ließ. Infolge dieses Mißgeschicks ließ man in Athen ent-^A""^mutigt die Hände sinken. Selbst Demosthenes' gewaltige Beredsamkeit ^hsnvermochte das Volk nicht mehr aufzustacheln. Andrerseits fürchtete Philippeinen Krieg mit Athen, das damals über eine Flotte von 350 Schiffenverfügte. Darum machte er verschiedene Versuche, sich den Athenern zunähern. Dort wies man die gebotene Hand nicht zurück, und so kam esdenn im Jahre 346 zu einer Gesandtschaft nach Makedonien (der sogenanntenTruggesandtschaft), an der Demosthenes, Äschines, Philokrates und andereteilnahmen. In den Friedensverhandlungen, die sich nun entspannen,behielt sich Philipp Amphipolis vor, bot aber den Athenern sehr be-deutende Vorteile (Garantie des derzeitigen Besitzstandes), und schließlichkam man überein, auf dieser Grundlage den Frieden abzuschließen. Trotz -MAransstarken Widerspruchs in der Volksversammlung wurde der Friede beschworen,

Nun erst konnte Philipp Phokis, wie gesagt (Z 127), zu Boden schlagenund Amphiktione werden. Das neu hervorbrechende Mißtrauen Athensschadete ihm nichts, da er den Thermopylenpaß in der Hand hatte. Dochzunächst lag ihm nicht daran, in die inneren Verhältnisse Griechenlandseinzugreifen; erst mußte sich sein weit ausgedehntes Reich befestigen.

Aber eine warnende Stimme sagte den Athenern, daß der Zeitpunktherannahte, wo sie sich auf Philipps Zugreifen gefaßt machen mußten.

Darum konnte die makedonische Partei keinen Boden bei ihnen finden,und der erste, der dafür büßen sollte, war ihr Haupt, Äschines, dervon Demosthenes angeklagt ward, durch sein Verhalten bei der Trug-

18 *

343