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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
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gelenkt werden konnte. So brachte er denn das große Einignngswerk zustände, und die wenigen Jahre der Einheit, die auf Philipps Sieg vonChäronea gefolgt sind, haben genügt, um das unermeßliche Gebiet desPerserreichs der griechischen Nation zu unterwerfen, und ihr damit dieMöglichkeit gegeben zu der Ausbreitung, deren sie bedurfte, wenn sie nichtwirtschaftlich zu Grunde gehen sollte. Ja, die Jahre der Einheit habender griechischen Kultur den Weg zur Weltkultur geebnet.
T°d'gM Philipp selbst freilich war es nicht beschieden, zum Weltkriege zuschreiten. Schon war er zum unumschränkten Oberfeldherrn ernannt undjedem Staat die auf ihn treffende Truppenzahl bestimmt, als er auf derScheitelhöhe des Glücks bei dem glänzenden Hochzeitsfeste feiner Tochterzu Aegä, der alten Totenstadt der makedonischen Könige, von einem be-leidigten Leibwächter Pausanias entweder aus Privatrache oder auf An-stiften der eigenen zurückgesetzten Gemahlin Olympias ermordetwurde. Pausanias selbst, von den erzürnten Soldaten aus dem Platzeerschlagen, konnte kein ferneres Zeugnis geben; Olympias aber, in un-versöhnlichem Haß, ehrte des Mörders Andenken und ließ Philipps zweiteGattin, die schöne Kleopatra, und deren Sohn sofort töten.
Entwicklung F ISO. Die griechische Litteratur und Wissenschaft des vierten Jahr-Redekunst Hunderts. An die Stelle der gewaltigen Dichtkunst, die das geistige Leben desfünften Jahrhunderts beherrscht hatte (§ 101), trat seit den innern Kämpfen dieRhetorik, deren Anfänge sich (8 113) als eine Abzweigung der Philosophiedarstellten. Ihr gefeierter Meister war der Leontiner Gorgias gewesen, dessentönende Perioden mit ihrer strengen Stilisierung an die Steifheit der archaischenKunst erinnerten. Bald regte sich dagegen Widerspruch, und gemäß der einfachenSchönheit der klassischen Kunst suchten Lysias und einige andere zu natür-licheren und weniger prunkvollen Formen der Rede zu gelangen. Indes derwichtigste und einflußreichste Schüler des Gorgias, Jsokrates aus Athen,hielt streng an den gorgianischen Regeln fest, und teils durch die Not der Zeit,teils durch seine hohe Begabung darauf hingewiesen, Pflegte er die überkommene„Prunkrede", in der er feinen politischen Idealen Worte lieh. In prachtvolldahinrollenden Perioden, mit bis in das Kleinste durchgefeilten Wort- und Ge-dankenspielen tritt er vor den erstaunten Zuhörer hin und sucht ihn fürseine Ansicht zu gewinnen. Nicht geringeren Einfluß wie als Redner undpolitischer Schriftsteller übte dieser merkwürdige Mann als Lehrer der Bered-samkeit. Dem ganzen jüngeren Geschlecht drückte er seinen Stempel auf; fastalle die attischen Redner haben von ihm gelernt, nicht zum wenigsten De-mosthenes, Hypereides und Aeschines, und auch die rhetorisierende Geschicht-schreibung eines Theopompos und Ephoros zeugen von isokrateischem Stile undGedankengange. Nach unserer Empfindung sind des Jsokrates Arbeiten zu kaltund geklügelt, als daß sie uns begeistern könnten. Den warmen Strom derEmpfindung aber, der uns rührt und fortreißt, finden wir bei seinen SchülernDemosthenes, Hypereides und Äschines, die in mancher Beziehungwieder an die lysianische Einfachheit anknüpften. Machtvoll, wie des SturmesWetter, rauschte des ersteren Rede hin, nur barg sich unter dem prächtigen,so natürlich klingenden und doch so sorgsam durchgefeilten, streng rhythmisiertenStrome der Worte bisweilen eine anfechtbare Beweisführung. Einfacher undnatürlicher war Hypereides. Äschines schließlich steht dem Demosthenes anFeinheit des Witzes nahe und gleicht ihm an Kraft des Ausdrucks.
Die zehn Der Sammelfleiß der alexandrinischen Gelehrten hat uns die Reden von zehn attischen°Rsdner Rednern aufbewahrt. Unter diesen hatte Andokides noch am meisten das Gepräge alterAndolides Einfachheit und schmuckloser Beredsamkeit beibehalten, während fein Zeitgenosse Antiphon,um 420 der Lehrer des Geschichtschreibers Thnkydides (wegen Teilnahme an dem Umsturz der