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Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.).
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demokratischen Verfassung im peloponnesischen Kriege (Z 110) mit dem Tode bestraft) sowohl Antiphondurch Errichtung einer Rednerschule als durch Anfertigung bestellter Gerichtsreden schon ^den Weg der späteren Rhetoren einschlug. — Dasselbe that auch Lhsias, der, von shraku-säuischen Eltern geboren, sich auf Perikles' Aufforderung in Athen niederließ, im Jahre 435mit der attischen Kolonie nach Thurioi in Unteritalien zog, wo er sich in seiner Kunstvervollkommnete, und dann nach seiner Rückkehr in Athen eine Rednerschule errichtete undauf Bestellung um Geld Reden fertigte. An seinen Reden, von denen wir noch 34 besitzen,wird die Reinheit und Klarheit der Sprache, die Anschaulichkeit der Darstellung, dereinfache und anmutige Stil gepriesen. Seine Leichenrede zu Ehren der im Kriege Gefallenen(deren Echtheit jedoch von vielen bestritten wird) gehört in die Gattung der Lob- undPrunkreden, Panegyriken genannt, die nun immer allgemeiner wurden. Von der Wendedes Jahrhunderts an nahm die Redekunst eine entschiedene Richtung zur Künstlichkeit, wozudie Ausbildung des Theaterwesens mit seinem Mimen- und Gebärdenspiel und die Zunahmediplomatischer Verhandlungen nicht wenig beitrugen. — Das Haupt dieser, durch Glättedes Stils, Vollendung des Periodenbaues und Wohllaut der Sprache ausgezeichneten Rednerist der Athener Jsokrates, der, wie es heißt, als achtundneunzigjähriger Greis nachder Schlacht von Chäronca den freiwilligen Hungertod starb, um nicht den Untergang dergriechischen Freiheit überleben zu müssen. Von seinen 21 Reden ist am berühmtesten seine Lob-rede (Panegyrikos) auf die Athener, in der er zu beweisen sucht, daß nicht den Spartanern dieihnen im antalkidischen Frieden (Z 122) übertragene Hegemonie gebühre, sondern den Athenern,und diese zur Eintracht und zum Kriege wider die Perser zu ermähnen strebt. Die Lobrede,an der er zehn Jahre gearbeitet und gefeilt haben soll, ist ein stilistisches Meisterwerk, läßtjedoch den Leser kalt. Bei aller stilistischen und künstlerischen Vollendung war Jsokratesein Redner ohne tiefen Gehalt, und der Inhalt seiner Reden, der gänzlich unmöglichenpolitischen Utopien nachging, hat weit weniger Einfluß geübt als die künstlerische Form.
Größer sind seine oben erwähnten Verdienste um die Verbindung der Rhetorik mit demLeben. — Jsäos, ein Schüler von Lhsias und Jsokrates und gleich diesen Haupt einerRednerschule und Verfasser bestellter und bezahlter Reden, suchte, wie Jsokrates die „Bered-samkeit aus der Schulhalle heraus in die Arena der Öffentlichkeit" zu führen. Seine
Spezialität waren Erbschaftsreden. Die Aufnahme in den Kanon verdankt er der entwickeltenKunst der Beweisführug, die freilich oft an das Rabulistische streift. — Demosthenes, der^g"^^Sohn ehrbarer bürgerlicher Eltern von einigem Vermögen, das ihm durch betrügerische Vor-münder größtenteils entrissen wurde, genoß den Unterricht des Jsokrates und Jsäos mitsolchem Erfolg, daß er als das unerreichte Muster der Redekunst anzusehen ist. Sein Fleißund sein Studium sind dabei nicht weniger bewunderungswürdig als sein Talent, seine edlevaterländische, wenn auch nicht weitblickende Gesinnung und die sittliche Größe seinesCharakters. Zunächst begann er seine Praxis als Advokat, bezeichnenderweise immer alsAnkläger, im Gegensatz zu Cicero, der vor allem als Verteidiger glänzte. Späterhin wandte
er sich ganz der Staatsrede zu, in der seine Philippischen Reden für immer mustergültig
geworden sind. Die höchste Blüte entfaltete seine Kunst in der Kranzrede. Ein gewisserKtesiphon hatte nach Philipps Tode die Bekränzung des Demosthenes wegen seiner Ver-dienste um das Vaterland beantragt. Äschines, der politische Gegner und der Nebenbuhlerdes Demosthenes um den Preis in der Beredsamkeit, hatte den Antrag bekämpft, und esentspann sich in dem daraus entstehenden politischen Prozesse ein Redekampf, wie es nur ..wenige gegeben hat. — Äschines, ebenfalls ein hochbegabter Mann, kam an Redner- Mgl).gi 4talent dem Demosthenes nahe. Er entfaltete in den drei Reden, die wir noch von ihmbesitzen, eine große Meisterschaft in Schilderungen von Charakteren, Sitten und Leiden-schaften und behielt aus seiner früheren Schauspielerlaufbahn eine große Gewandtheit derDarstellung. — Gleichgesinnt mit Äschines war ein anderer athenischer Redner Dcmades,von dem aber keine Reden mehr vorhanden sind, wahrscheinlich weil er sie nicht aufgeschrieben,sondern improvisiert hatte. — Schüler von Jsokrates war der Athener Lykurgos, gleichDemosthenes und Hhpereides einer der Hauptgegner des Makedoniers Philipp. Seinenoch vorhandene Rede gegen Leokrates gehört trotz ihrer theatralischen Färbung zu denbesten Werken antiker Beredsamkeit und giebt einen schönen Beweis von der sittlichenWürde des Mannes, dessen Strenge seinen Namen zum Schrecken aller Staatsverbrechernnd aller Räuber des Staatsvermögens machte. — Hhpereides, ein Mann von großemTalent, aber ohne moralische Würde und Festigkeit, der auf Befehl des makedonischenStatthalters Antipater 322 v. Chr. hingerichtet ward, schließt die Reihe der großenattischen Redner, doch besitzt der Korinther Deinarchos, der letzte Redner in der alexan-Dsmarchosdrinischen Sammlung, noch einige Spuren der attischen Beredsamkeit, die er sich durch seineAusbildung in Athen angeeignet hatte.