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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

s 131.

Poesie Einen starken Einfluß erfuhr die Rhetorik auch durch die Dichtkunst.Schon oben wurde auf die tiefgehenden Unterschiede hingewiesen, die diesophistische Redeweise eines Euripides von der einfachen Klarheit des älterenDramas trennen. Noch viel deutlicher wird dies in den Erzeugnissen derneueren Komödie (§ 110) und in den Hervorbringungen der Epik und Lyrik.G-schicht- Unter dem Einfluß der Rhetorik steht endlich auch die Geschichte. Die""2 GxschichtschMtzxr des Vierten Jahrhunderts huldigen alle, soweit es den Stoffangeht, dem beherrschenden Staatsideal der aristotelischen Philosophie, undformell zeigen sie sich sämtlich als Jsokrateer, wohlgeschult in allen Fein-heiten eines sorgsam durchgefeilten Stils. Dem sich erweiternden politischenBlicke des Volkes entspricht die Erweiterung des historischen Betrachtungs-gebietes. Anfänglich kannte man nur Stadtgeschichte, dann die politischeGeschichte einzelner Staaten und Völker. Jetzt wurde der Schritt zur „Weltgeschichte" durch Ephoros von Kyme gethan, der damit das gleichzeitigems 34o Werk des Anaximenes in den Schatten stellte. Ephoros setzte mit der Eroberungder Peloponnes durch die Herakliden (Z 73) ein und führte die Geschichtehinab bis zum phokischen Kriege. Sein Sohn setzte sie fort bis zum ÜbergängeAlexanders nach Asien. Der große Erfolg, den des Ephoros Darstellung davon-getragen hat, bestand hauptsächlich darin, daß er das gab, wonach das damaligePublikum verlangte, ein reiches Material, bequem zusammengestellt in lesbarer,dem Zeitgeschmack entsprechender Darstellung. Größere Auszüge seines Werkesliegen in der historischen Bibliothek des Diodor (§ 244) vor. Ein andererpompos Schüler des Jsokrates, Theopompos von Chios, wurde einer der gefeiertsten380-310 Darsteller der Zeitgeschichte; mit dem Glanz der isokrateischen Sprache verbander in seinen Philippischen Geschichten inneres, ihn oft zur Parteileidenschaftfortreißendes Feuer. Daher Pflegte schon Jsokrates von beiden zu sagen, daßEphoros des Spornes, Theopomp aber des Zügels bedürfe.

Erdkunde Neben der Geschichtschreibung ging die Erdkunde einher, und aus jenerZeit stammen eine ganze Anzahl Erweiterungen des geographischen Wissens,die in sogenannten Hinfahrten (Periploi) niedergelegt wurden; von ihnenSkymnos die beiden wichtigsten die des Skymnos von Chios und des Skylaxvon Karyanda. Nachdem die pythagoräische Lehre von der Kugelgestalt derErde überall Eingang gefunden hatte, wurde auch die Astronomie stark durchdie Pythagoräer beeinflußt. Die größte Wirkung übte das Weltsystem desum° 3 °o Eudoxos aus, dessen Himmelseinteilung nach Sternbildern wir heute nochfolgen. Derselbe Mann wirkte auch bahnbrechend auf dem Gebiete der Mathe-matik. Diese früher von der spekulativen Philosophie nicht immer geschätzteWissenschaft nahm im vierten Jahrhundert, besonders von der Akademie (§ 116)gepflegt, einen immer breiteren Raum ein und fand ihrerseits Berührungspunktemit der Medizin, die , damals noch ganz unter dem Einfluß des genialen^pA>rat-s Hippokrates stand. Ähnliches geschah auch zur Fortbildung der Natur-wissenschaften, in denen sich vor allem Aristoteles und seine Schüler aus-^ 12 - 28 °" Zeichneten. Ihm und seinem Schüler Theophrast verdanken wir die ersten be-friedigenden Leistungen in der Zoologie und Botanik. Die ganze Zeit nahmihre Richtung vom Spekulativen zum Empirischen; das zeigte sich vor allem inder Umwandlung in der Philosophie durch Aristoteles, und diese war eine Vor-stufe zu dem gelehrten Treiben, das man als Alexandrinismus bezeichnet.

8 131. Die Kunst im vierten Jahrhundert. Von Perikles' bis zu^"twi-nungAlexanders Tod standen die bildenden Künste im höchsten Flor. Kunstsinn warsinns damals in Griechenland eine allen Klassen gemeinsame Gabe; die Kunst war mitdem ganzen Volkstum verwachsen, sie bildete den idealen Boden des gesamtennationalen Lebens in Religion und Sitte, in den städtischen Einrichtungen wieim häuslichen Berufe; die ganze Gefühls- und Denkweise, das ganze Sein undThun der Griechen war künstlerisch, das Wesen des Hellenentums und dasWesen der Kunst liefen in ihren innersten Wurzeln zusammen. Nicht nur