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Erster Band.
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H 181. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). 281

boten die herrlichen Tempel mit ihrem Reichtum an Skulpturen und mit denidealen Göttergestalten der Kunstthätigkeit und dem schöpferischen Formensinnein weites Gebiet; auch die städtischen Gebäude und Theater, die Straßenund Plätze, die Brunnen und Thore wurden durch Kunstwerke geschmückt.

Einen berühmten und verdienten Mann wußten die Hellenen nicht besser zuehren, als durch Errichtung einer Bildsäule oder durch Aufstellung seinerBüste oder Herme, und jede Stadt setzte eine Ehre darein, viele Bildsäulen aufihren Straßen und freien Plätzen zu besitzen. Der schöne, durch keine häßlicheKleidertracht entstellte Körperbau der Griechen und das durch die gymnastischenÜbungen in den Ringschulen erleichterte Studium nackter Körper in den ver-schiedensten Stellungen begünstigten die Ausbildung der plastischen Kunst.

Man hat die beiden vorhergehenden Perioden (ß 91, 102) gewöhnlich die desarchaischen und des erhabenen Stils genannt und dem vierten Jahrhundertden sogenannten schönen Stil zugeschrieben. Damit soll gesagt sein, , daßdiese dritte Periode griechischer Kunstübung sich damit begnügt hat, das Über-kommene weiter auszubilden, und das ist insofern richtig, als vor allem dieTechnik aus das sorgsamste und feinste durchgebildet wurde und zu einer Eleganzder Darstellung gelangte, die die früheren Gebilde noch nicht ahnen ließen;aber auch an eigenartiger Weiterbildung hat es nicht gefehlt.

In der Architektur bewahrte der Tempel noch immer die weitaus i-Arqueimrwichtigste Stelle. Neben den wuchtigen dorischen Stil, dessen Säulen gleichBaumstämmen dem bloßen Erdboden entwuchsen (Z 91), und dem gefälligerenionischen Stil, der das Kapital und die Basis geschaffen hatte (Z 102), tratnun als dritte Form der korinthische Stil, der das Kapital noch mehrkünstlerisch durcharbeitete und reicher verzierte. Jedoch hielt man sich imTempelbau immer noch an die beiden ersteren Ordnungen und verwandte diekorinthische Säule nur im Innern. Eine neue Erfindung war der Rundtempel,für den als klassisches Beispiel die Tholos des Polyklet in Epidauros angeführtwird; vielfach wurden auch die Denkmäler zum Gedächtnis großer Männer indieser Form erbaut, so das noch heute erhaltene Lhsikratesmonument in Athen(Laterne des Diogenes). Damit war der Übergang zum künstlerischen Profan-bau gegeben, der zum erstenmale in den Fürstenschlössern in Pella und Syrakushöhere Anforderungen an den Baumeister stellte. Leider sind von Profanbautenkeine Denkmäler erhalten.

Weit größere Schritte vorwärts that die Plastik. Freilich, das ernst- 2 . Plastikreligiöse Moment der Kunst des fünften Jahrhunderts fehlte; es sind nichtmehr die hehren, erhabenen Götter, die die Künstler darstellen, sondern idealschöneMenschengestalten. Die Goldelfenbeinkunst verschwindet, und dafür tritt dieBildnerei in kostbarem Stein und Erz ein. Das zeigen schon die wunderbarenSchöpfungen des Praxiteles, die Venus von Knidos, der Hermes vonOlympia und der Apollon Eidechsentöter. Jedoch dies Herabsteigen zurMenschenwelt verlieh der neuen Kunst auch die Fähigkeit, menschliche Leiden-schaften und Gemütsbewegungen zum Ausdruck zu bringen. Am gewaltigstentritt uns das in dem Meisterwerk der Niobiden (jetzt in Florenz) entgegen,das man gewöhnlich mit dem Namen des Skopas in Verbindung bringt, Al-paseines Künstlers, der auch in der religiösen Kunst der Peloponnes eine großeRolle spielte. Zugleich war er mit mehreren anderen an der Ausschmückungdes Maussolleums in Halikarnaß beteiligt, eines Grabdenkmals, das Maussollos,

Dynast von Karien (H 124), sich und seiner Schwester Artemrsia d. I. errichtenließ. Noch weiter in der Entwicklung der neuen Kunst ging Lysippos ausSikyon, der sich besonders als Erzbildner einen großen Namen erworben hat, sichder Realistik in der Darstellung zuwendete, und für die Schönheit des Menschen-leibes ein anderes Ideal aufstellte, als 100 Jahre früher Polyklet (Z 102).

Berühmt waren seine Statuen des Herakles, für den er den eigentlichen Typuserfand. Darum hat späterhin Alexander sich nur von ihm darstellen lassen