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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
8 133.
Völlig über das Schicksal seines Stammlandes beruhigt, sich zu dem großenUnternehmen gegen die Perser wenden konnte.
8 133. Rückblick auf die persische Geschichte seit 400. Unter König Arta-xeA-s"ii Lerxes ll. Mnemon ging trotz seines Sieges überKhros d. I. (§ 120) das persische405-sbg' Reich immer mehr seinem Verfall entgegen. Wahrend der Hof mit seinerWollust und Sittenlosigkeit, mit seinen Weiberränken und Grausamkeiten einabschreckendes Bild orientalischer Verworfenheit darbot, herrschte im Innerndes Reiches eine wilde Ungebundenheit, die sich bald als Despotismus vonoben, bald als Anarchie von unten kund gab und Bedrückung, Aufstände undblutige Greuel im Gefolge hatte. Das Gefüge des gewaltigen Staates warschon immer locker gewesen, und einzelne schwer zugängliche Landschaften (wiePaphlagonien, Pisidien, das bergige Cilicien u. a.) standen nur dem Namennach unter persischer Hoheit. Nachdem die Regierung schwach geworden war,lockerten sich die Bande immer mehr: einzelne Staaten und Provinzen machtensich frei, und der „Groß-König" in Susa hatte nicht die Macht, sie zumGehorsam zu bringen; in anderen herrschten Satrapen oder unternehmendeFürsten willkürlich und gewaltthätig, bald aus eigene Hand, bald als tribut-pflichtige Vassallen; eine Anhäufung von Ländern ohne gemeinsames Recht, ohnegeregelte Verwaltung, ohne straffere Einheit, ging die persische Monarchie ihrerAuflösung entgegen. Dazu war der einfache Licht- und Feuerdienst der alten Zeit(ß 52) einem zeremonienreichen Priesterkultus mit Tempeln, Götterbildern undOpferprunk gewichen, und eine tote Werkheiligkeit mit Rcinigungsvorschriftenund abergläubischen Satzungen und Gebräuchen mußte die ethische Kraft deralten Volksreligion ersetzen. Als Artaxerxes nach einer vierzigjährigen Regierungxerxes°iii durch Gift aus der Welt geschafft worden war, kam sein Sohn Artaxerxes III.Ws-sso'Ochos auf den Thron, unter dem der ägyptische Eunuche Bagoas, einUngeheuer in Menschengestalt, als erster Minister und Feldherr die ganzeHerrschermacht in Händen hatte. Schon jetzt hätte sich das Reich in seineeinzelnen Bestandteile aufgelöst, wäre nicht der blutdürstige König und seinschrecklicher Gefährte mit Hilfe zahlreicher Söldnerscharen und unternehmenderBandenführer griechischer Abkunft über die empörten Landschaften wieder Meistergeworden. Phönikien entzog sich der persischen Herrschaft, stellte die alte Bundes-verfassung wieder her und machte Tripolis zur gemeinschaftlichen Hauptstadt;aber Sidons Fall machte die übrigen Phöniker fügsam und befestigte die persischeHerrschaft aufs neue im syrischen Lande. Ähnlich erging es in Ägypten, woNektanebus II. von Memphis (§ 34), der Sohn des Tachös, dem Agesilaos einstzu Hilfe gezogen, und der Enkel jenes Nektanebus I., der, mit Euagoras vonCypern verbunden, unter Artaxerxes Mnemon sich von Persien unabhängiggemacht hatte (H 121), nach mehreren siegreichen Kämpfen der Kriegskunst derSöldnerheere erlag und zur Flucht nach Äthiopien gezwungen ward, woraufOchos und Bagoas durch Raubsucht und Grausamkeit die Unthaten des^Memnor'? Kaiilbyses überboten. In Kleinasien übte ein Brüderpaar, Mentor undMemnon von Rhodos, geschickte, aber treulose Rottenführer von verruchterGesinnung, eine für Hellenen und Barbaren gleich verderbliche Macht. Nachder Niederwerfung Ägyptens stand Persien scheinbar so stark und gekräftigt da,wie zu den Zeiten des ersten Dareios. Lebhafte Besorgnisse, daß die alteEroberungspolitik der Achämeniden von Ochos wieder aufgenommen werdenkönnte, erfüllten damals die griechischen Herzen. Der Gedanke, daß sein auf-blühendes Reich zuerst den Persern anheimfallen müsse, bewog Philipp vonMakedonien nicht zum wenigsten zu seinen Angriffsplänen. Aber beide feind-lichen Fürsten fielen kurz nach einander durch Mörderhand. Nach einer Regierung3 W-W 6 2ii Jahren wurde Ochos von Bagoas, der die Schändung der ägyptischenHeiligtümer und die Ermordung des Apisstieres dem persischen Tyrannen nichtverzieh, durch Gift getötet und dann nach einer nur zweijährigen Zwischen-regierung des Arfes, eines Sohnes des Ochos, ein Abkömmling einer Seiten-