Band 
Erster Band.
Seite
287
JPEG-Download
 

tz 136. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). 287

dem königlichen Schatze zur Übergabe zwang. Die bei Jssos gemachteBeute an goldenen und silbernen Gefäßen und Gerätschaften und ankostbaren Teppichen war unermeßlich, ebenso die Zahl der Gefangenen,unter denen sich des Dareios Mutter, Gemahlin und zwei Töchter befanden,die von dem Sieger mit Großmut und aller ihrem Range gebührendenEhrerbietung behandelt wurden. Der Eindruck, den diese Schlacht hervor-rief, war unbeschreiblich. Bis dahin hatte man in Hellas immer nochmit der Möglichkeit gerechnet, daß beide Gegner einander aufreibenkönnten; nunmehr gab man die Hoffnung, unter Alexander wieder dieFreiheit zu erlangen, endgültig auf. Das große Alexandermosaik (jetzt Wander-in Neapel) stellt uns in lebendigen Zügen dar, wie der Heldenmut desjungen Königs und die ungeheure Niederlage der Perser aus die Gemüterder Griechenwelt wirkten. Dareios, durch die Unfälle schwer gebeugt, botdem Sieger ganz Vorderasien nebst der Hand seiner Tochter um den Preisdes Friedens, und unermeßliches Lösegeld für seine Mutter und seineGemahlin; aber stolz wies der makedonische König das Anerbieten zurück.

Sein Streben war auf den Besitz des ganzen Morgenlandes gerichtet;ein nur verkleinertes Persien bedeutete für Alexander eine stete Gefahr,und darum verlangte er bedingungslose Unterwerfung.

8 136. Eroberung Syriens und Ägyptens. Er hatte ein Recht,solch stolze Sprache zu führen; denn alle Unternehmungen schlugen zuseinem Glück aus. Palästina und Phönikien unterwarfen sich ohne Wider-stand; nur Thros wies, im stolzen Gefühl seiner alten Größe und im A„U«sVertrauen aus seine feste Lage, die Aufforderung, sich zu ergeben, trotzig ^zurück, weil es hoffte, durch strenge Neutralität seine Unabhängigkeitbewahren zu können. Da unternahm Alexander die denkwürdige Be-lagerung von Thros. Er ließ von dem Festlande nach der Jnselstadteinen Damm mit Türmen ausführen, von wo aus die Soldaten mitWurfmaschinen die Stadt zu erobern suchten, während die Schiffe derunterworfenen Küstenstädte und der Inseln Rhodos und Kypros dieJnselstadt von der Seite her eingeschlossen hielten. Aber die Tyrier ver-eitelten seine Anstalten durch kunstreiche Gegenerfindungen (Sperrkettenunter dem Wasser) und leisteten sieben Monate verzweifelten Widerstand.

Darum büßte Thros auch schwer, als es zuletzt unterlag. Was von denEinwohnern nicht entflohen oder umgekommen war, wurde in Sklavereiverkauft und die Stadt größtenteils dem Erdboden gleich gemacht (Z 40).

Gaza, die feste, wohlgerüstete und tapfer verteidigte Grenzstadt gegenÄgypten, hatte ein ähnliches Schicksal wie Thros.

Dagegen wurde Ägypten, das sich freiwillig unterwarf und dieMakedonier als Retter begrüßte, mit Nachsicht und mit Schonung seinerreligiösen und bürgerlichen Einrichtungen, Sitten und Eigentümlichkeitenbehandelt. Der aufgeklärte Zögling des Aristoteles schonte und ehrteden religiösen Aberglauben und die uralten Kultussormen des starrenNilvolkes. Von Memphis aus unternahm Alexander den beschwerde-und gefahrvollen Zug nach der in Palmenwäldern, Wiesen und Frucht-feldern prangenden Oase Siwah mit dem sprudelnden Sonnenquell zudem weitberühmten Orakeltempel des Zeus Ammon (Z 54). Seine Ar oUPriester erklärten den König für einen Sohn ihres Gottes, was ihm inden Augen der abergläubischen, phantasievollen Morgenländer großesAnsehen verschaffte und seiner Erscheinung den Glorienschein einer höheren