288
Zweites Buch: Griechische Geschichte.
z 137.
Bestimmung verlieh; bald ging die Sage, der Gott sei der Olympias inGestalt eines Drachen genaht und habe den göttlichen Sohn gezeugt. Umdem von Phönikien beherrschten Orienthandel eine andere Richtung zuMexandri'as Leben, ließ der König nach der Eroberung Ägyptens an einem NilarmeAlexandria anlegen, das, wie er mit richtigem Scharfblick voraussah,vermöge seiner glücklichen Lage bald Mittelpunkt des Handels wurde undspäterhin auch der Brennpunkt der sich an Älexander und seine Nachfolgeranschließenden griechischen Bildung im Morgenlande, die man gewöhnlichals hellenistisch bezeichnet, werden sollte.
8 137. Zerschmetterung des Perserreichs. Gaugamela. Durchden, wenngleich sehr notwendigen, Zug Alexanders nach den Westprovinzenhatte Dareios Zeit gewonnen, seine bei Jssos zersprengte Armee zuA^d-m sammeln und zu ergänzen. Mit einem gewaltigen Heere erwartete erOsten Alexander in der Ebene östlich vom Tigris, um entweder den griechischenEroberer zu vernichten oder sich selbst freien Rückzug in das BerglandIrans zu sichern. Alexander zögerte nicht, den Entscheidungskampf herbei-zuführen. Nachdem er in Ägypten eine neue Verwaltung und Besteuerungteils unter eingeborenen, teils unter makedonischen und hellenischen Be-amten eingerichtet hatte, brach er mit seinem, durch neue Zuzüge verstärktenHeere auf, um über Thros und Damaskos seinen Feldzug nach Ostenfortzusetzen, überschritt ohne Schwierigkeiten bei Thapsakos den Euphratund bei der heutigen Stadt Mosul den Tigris und schlug die zahllosenHeerscharen der Perser, die sich aus den weiten östlichen Landschaften in denbabylonischen Ebenen gesammelt hatten, mit einer zwanzigmal schwächeren^SAacht^Armee in der Schlacht von Arbela und Gaugamela, unweit der"""sei ° untergegangenen Weltstadt Ninive. Alexander selbst drang auf dem linkenFlügel vor und zerschmetterte das Centrum und den rechten Flügel derPerser in so kurzer Zeit, daß der ihm gegenüberstehende Dareios nurdurch schnelle Flucht sich retten konnte. Aus der Verfolgung drang Alexan-der aber zu schnell vor, so daß die makedonische Schlachtordnung in zweiStücke zerriß; denn Parmenion, der aus dem rechten Flügel kommandierte,hielt nur mit Mühe den persischen Reitern stand. In diesem kritischenÄugenblick rettete Älexander die Schlacht durch rechtzeitige Umkehr. ÄlsMazaios, der den linken Flügel der Perser befehligte, dies erfuhr, bracher die Schlacht ab, und dadurch fiel den Makedoniern der Sieg zu.
Die Eroberung von Babylon mit seinen gartenartig angebautenFluren, sowie die Einnahme der alten Hauptstädte Persepölis undSusa mit ihren unermeßlichen Schätzen war die Frucht dieses glänzendenZerstörung Sieges. Die Ruinen von Persepölis und Pasargadä, wo diep°ns uralten Königsburgen der Achämeniden und die Felsengräber des Kyrosund Dareios I. gestanden haben, zeugen noch jetzt von der alten Prachtdieser „Wiege" des persischen Königsgeschlechtes, die durch den sieges-trunkenen Makedonierhelden ihren Untergang fand. Nach einem schwel-gerischen Mahle soll Alexander selbst, angetrieben von der schönenattischen Tänzerin Thais, an der Spitze eines schwärmenden Festzuges dieBrandfackel in die Prachtgebäude von Persepölis geschleudert haben, umden Brand von Athen und den Frevel an den hellenischen Heiligtümernzu rächen. Persepölis galt für das Haupt des persischen Weltreichs; seinUntergang bezeichnete den Abschluß des griechischen Rachekriegsund zugleich den Ansang einer neuen Zeit und einer neuen Lebensordnung.