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Erster Band.
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ß 140. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v- Chr.). 295

die sie hervorbrachten. In zehn Jahren hatte er eine Welt erobert, dasmorsche Perserreich zertrümmert und den stolzen Bau einer Weltmonarchie aus-gerichtet. Ströme neuen Lebens ergossen sich durch alle Glieder des Reiches.

Zunächst machten sich die Folgen der neuen Regierung auf wirtschaftlichem^^^'Gebiete geltend. Das altpersische Steuersystem der Naturallieferungeu hörte Gebietauf, und Geldleistungen traten dafür ein. Viele notwendige Bauten, die unterder lässigen, orientalischen Wirtschaft unterblieben waren (Kanalisation vonBabylonien, Dammbauten in Kleinasien u. s. w.) oder wozu die Geldmittelgefehlt hatten, ließ Alexander unverzüglich in Angriff nehmen. Dem Handeleröffnete er bequeme und sichere Straßen. Die Anlage der verschiedenen Städtemit Namen Alexandria war nicht nur von militärischen, sondern vor allem vonhandelspolitischen Erwägungen beeinflußt. Wie genial sein Blick jedesmal denrichtigen Platz zu finden wußte, beweist, daß eine Anzahl von ihnen noch heutewichtige Handelsemporien sind (Alexandria, Herat, Kabul, Kandahar). Auchauf die Erforschung neuer Seewege legte er das höchste Gewicht. Seine letzteUnternehmung, Arabien zu bezwingen, ging mit einem Versuche, zugleich dieHalbinsel zu umschiffen, Hand in Hand.

Als das Wichtigste aber erschien ihm die Völkermischung, die er freilichnur anbahnen konnte; in dem kosmopolitisch gewordenen Hellenentum sah erdas Ferment, das alle die Völker des Westens und Ostens verbinden sollte, unddas in der Folgezeit die eigenartige Erscheinung des Hellenismus hervor-brachte. Noch einmal bot sich dem Hellenentum die Gelegenheit, sich zu herrlicher AM^ünst-Blüte zu entfalten und geistig die Welt zu erobern. Aber das Volk war Gebmschon zu alt geworden, und die Kunst vermochte keine neuen Blüten mehr zutreiben. Technisch blieb sie zwar auf ihrer Höhe, aber „es war für die hellenischeKunst kein Gewinn, daß sie die stille Größe harmonischer Verhältnisse zu demasiatischen Prunk gewaltiger Massen zu steigern, den Idealismus ihrer Dar-stellungen in der Üppigkeit kostbarer Materialien und realistischer Augenlustzu überbieten lernte". Ein gleiches Zuströmen orientalischer Elemente galt auchvon der Dichtkunst, die jedoch nicht die gleiche Aneignungskraft besaß, undnur dadurch den Schein des Lebens gewann, daß sie, wie die neuere Komödie,sich in treffenden Bildern des Alltagslebens gefiel oder die großen Alten nachahmte.

Einen weit größeren Gewinn zog aus Alexanders Thaten die Wissen- AMsch aft. Aristoteles'Name allein genügt, um dies zu erhärten. Der Empiris-ich^stttche«mus, den er zur Vollendung führte, ließ ihn die breite Grundlage schaffen,auf der sich für Jahrhunderte hinaus alle wissenschaftliche Forschung aufbauensollte. Hier nützte auch die unmittelbare Berührung mit dem Orient, vondessen Forschungen die Griechen viel lernen konnten. So kam denn zunächstden Erfahrungswissenschaften der politische Umschwung zu gute. Die Medizin,Mathematik und Naturkunde in ihrer weitesten Form wurden von Alexanderauf das freigebigste unterstützt und erhielten ein ganz neues Ansehen. Danebentraten als neue Wissenschaften eine sorgfältig begründete Länderkunde und eineauf mathematische Prinzipien gegründete Militärwissenschaft hervor. Von alle-dem zeigen sich unter Alexander zwar nur die Anfänge; die eigentliche Blütedes Hellenismus entfaltet sich fast um 100 Jahre später, aber seiüer Zeitkommt das Verdienst zu, den Keim zu all dem Neuen gelegt zu haben.

Noch weniger deutlich zeigt sich unter Alexander selbst der Umschwung gAgAin Religion und Sitten, der durch seine Welteroberung herbeigeführt und Sm-nward, und doch ist er der Urheber auch dieser Erscheinung. Der griechischen,vor allem der ionisch-attischen Bildung, wurde durch seine Waffen der Wegbis zum fernsten Asien geebnet. Die nationalen Vorurteile schwanden, die-selben konventionellen Formen bildeten sich im Osten wie im Westen aus, die-selben sittlichen Forderungen galten in gleicher Weise am Nil wie am Hhdaspes.

Das ist die größte Idee Alexanders, daß er, ungleich den alten Eroberern derAssyrer, nicht bloß eine große Ländermasse unter seinem Scepter zu beherrschen,