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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
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sondern auch innerlich einigen wollte, und das ist neben seinen Kriegsthatensein größter Erfolg, daß er auch die Mittel fand, um der neuen kosmopolitischenMonarchie wenigstens eine geistige Grundlage zu geben. In seiner kurzenRegierung konnte er freilich den stolzen, königlichen Bau nicht zu Ende führen,aber der Plan war sein. Das fühlten und fühlen heute noch die Orientalen,daß Alexander sie unlösbar mit dem Westen verkettet hat, wenn sie von demgroßen, unbezwinglichen Helden Jskander singen und sagen, und das hat dasVolksbewußtsein halb ungewollt angedeutet, als es Alexander zuerst von allenSterblichen den Beinamen des „Großen" verlieh.
L. Die Rümpfe und Reiche der Nachfolger Alexanders (Diadochen).
8141. Griechenlands letztes Ringen. Nach der Schlacht von Megalo-polis (Z 138) hatte sich Griechenland in einem Zustand erzwungener Ruhebefunden. Auch die begeistertsten Verfechter der alten Freiheit und Selb-ständigkeit wagten, so lange der große König lebte, keinen entscheidenden. Schritt. Andererseits ließ Alexander die Hellenen in ihren inneren Ver-hältnissen gewähren; er wußte, daß der Schwerpunkt der Weltgeschichteinnerhalb seines Feldherrnzeltes lag. Am meisten kam dies Athen zugute; eine vernünftige Finanzverwaltung brachte Ordnung in die zerrüttetenGeldverhältnisse des Staats und eine Anzahl bedeutender Talente fandSpielraum zu freier Bethätigung.
-rAniche An einzelnen Symptomen freilich mußten es die Griechen empfinden,
Prozeß daß die Zeit der Kleinstaaten vorüber war. So ordnete z. B. Alexanderan, daß ihm auch in Hellas göttliche Ehren erwiesen werden sollten, undverlangte, daß alle Verbannten in den Städten wieder aufgenommen würden.Diesem letzteren Befehl widersetzten sich die Athener, da sie sonst ihreKleruchie Samos (Z 128) verloren haben würden, und wurden in ihremWiderstände dadurch unterstützt, daß Harpalos, der Großschatzmeister desKönigs, mit ungeheuren Schätzen zu ihnen seine Zuflucht nahm. Natür-lich forderte Alexander dessen Auslieferung. Die Athener aber wolltenweder die Gelegenheit fahren lassen, sich die Mittel zu einem nachdrück-lichen Widerstand zu sichern, noch sich ganz vorn Wege des Rechts ent-fernen. Während sie die Angelegenheit in die Länge zogen, zeigten sich in derVerwaltung der harpalischen Gelder, die der athenische Staat übernommenhatte, Unregelmäßigkeiten, so daß der Verdacht entstand, die antimakedonischePartei, an ihrer Spitze Demosthenes, habe sich von Harpalos bestechenlassen. Harpalos wurde gefangen gesetzt, entkam aber nach Kreta; dortereilte ihn jedoch sein Schicksal, da ihn sein bester Freund erstach. NachHarpalos' Tode kam es heraus, daß allerdings ein großer Teil der ver-untreuten Gelder in die Taschen einflußreicher Athener gewandert war;zu ihnen rechnete man auch Demosthenes, ohne es indes beweisen zukönnen. In dem berüchtigten harpalischen Prozeß gab Demosthenes zu,selbst 20 Talente als Rückzahlung für früher gemachte Vorschüsse erhaltenzu haben. Er wurde zur fünffachen Straffumme verurteilt und mußteals Zahlungsunfähiger sein Vaterland meiden. Mit ihm sank die Stützeder altdemokratischen Partei, und ganz Hellas stand im Begriff, sich dermonarchischen Autorität zu fügen. Die Athener erkannten Alexander gött-liche Ehren zu und mußten es hinnehmen, daß ihnen die Insel Samosentrissen und an ihre ursprünglichen Bewohner zurückgegeben ward. Natür-