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Erster Band.
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Z 141. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). 297

lich trat durch die Heimkehr der Verbannten eine Reihe von Streitigkeitenein, die nur zu geeignet waren, die Ohnmacht der griechischen Staaten nochmehr zu steigern.

Da kam die Nachricht von des großen Königs Tode, und noch einmalflammte die Hoffnung hoch empor. Die Zwistigkeiten der Generale (ß 142) «23-322und die Unsicherheit der Thronfolge schienen für eine allgemeine Schild-erhebung besonders günstig zu sein. In Athen gewann die antimakedonischePartei die Oberhand; alle makedonisch Gesinnten mußten weichen, sogar dergreise Aristoteles, der bald darauf in Chalkis starb. Hhpereides undandere trieben zum Kriege. Phokion widerstrebte und suchte die Athenervon übereilten Schritten abzuhalten, aber es war kein Halten mehr. Derattische Feldherr Leosthenes erließ ein Kriegsmanisest, scharte von denübrigen Hellenen eine große Zahl um sich und besetzte die Thermopylen.

Der Reichsverweser Antipatros zog ihm entgegen und lagerte sich beiLamia unweit des Spercheios, wo er in fester Stellung die Angriffe derHellenen abwartete. Anfangs verlief der Krieg für diese nicht ungünstig.Leosthenes besiegte die Makedonier in Thessalien und brachte die Einwohnerdieses Landes zum Anschluß an das griechische Bundesheer. Antipaterwurde in der thessalischen Stadt Lamia enge belagert und war schonder Übergabe nahe, als der Tod des wackeren Feldherrn Leosthenes beieinem Ausfalle und die Ankunft des makedonischen Feldherrn Leonnatosaus Asien dem Kriege eine den Griechen ungünstige Wendung gab. Zwarwurde Leonnatos von ihnen in einer offenen Feldschlacht überwunden undgetötet; allein Antipater gewann darüber Zeit zum Abzug aus der belagertenStadt. Er verband sich mit dem tapferen Krateros, der kurz zuvordie makedonischen Veteranen heimgeführt hatte (§ 140), und überfiel dannunerwartet die hellenischen Truppen, die schon im Begriff waren, sichaufzulösen. Die Schlacht bei Krannon entschied Wider die Griechen. hFSänw-nAthen, von den Bundesgenossen verlassen, mußte in die harten Friedens- ^2bedingungen willigen, die Antipater mit Phokion und Demades fest- Friedesetzte, und die den Untergang der demokratischen Verfassung herbeiführten.

Die Teilnahme an der Staatsgewalt wurde von dem Besitze eines bestimmtenVermögens abhängig gemacht und über 12 000 Bürger, die den geringstenAnsatz von 2000 Drachmen nicht besaßen, wurden ihres Vollbürgerrechtsverlustig erklärt. Infolge dessen zogen es sehr viele vor, von der Über-siedlung nach Makedonien, die ihnen Antipater angeboten hatte, Gebrauchzu machen. Eine Anzahl reicher Aristokraten, den rechtschaffenen Phokion,der die alte Freiheit längst als unhaltbar erkannt hatte, an der Spitze,führte unter dem Schutze einer makedonischen Besatzung von der HafenstadtMunichia aus das Regiment.

Zu den Bedingungen, die Antipater gestellt hatte, gehörte auch, daß^^Mn-sdie Häupter der Kriegspartei fallen sollten. Nach dem glänzenden Erfolge «22von Lamia war Demosthenes in feierlichem Zuge von Ägina wiederheimgeholt worden. Nunmehr war sein und seiner Anhänger Kopf derPreis, um den die gedemütigte Stadt Frieden erhalten konnte. Da dieAnhänger der Kriegspartei ihren Untergang voraussahen, flüchteten sieund wurden nun von ihrem abtrünnigen Genossen Demades verklagt undvom Volke zum Tode verurteilt. Die Rache der Makedonier scheute selbst vorFrevel nicht; denn die Verfolgten wurden sogar von den heiligen Stätten, zudenen sie geflüchtet waren, weggerissen. So wurde der Redner Hhpereides