tz 143. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). Z01
. Demetrios. Daraus ging ein langer, mit wechselvollem Erfolg in Asienund Griechenland geführter Krieg hervor. Während desselben gelang es demSelenkos, sich nach dem Sieg bei Gaza über Demetrios Poliorketes mitgeringer Heeresmacht in Babylonien und in den östlichen Provinzen die ZieHerrschaft zu erkämpfen, eine That, die der Mitwelt und den nachgeborenenGeschlechtern so denkwürdig erschien, daß man das Jahr 312 als denAnsang einer neuen Zeitrechnung, Ära der Seleukiden benannt, bezeichnete.
Durch diesen gewaltigen Erfolg wurde auch Ptolemäos Herr des gesamtenKüstenlandes von Palästina und Syrien und wußte durch klug berechneteMilde sich die Herzen der neuen Unterthanen zu gewinnen. Namentlichdie Kinder Israel, die schon früher unter Alexander zahlreich nach Ägyptengezogen waren und dort eine zweite Heimat gefunden hatten, wandtensich ihm zu. So schlug denn Antigonos einen Frieden vor, in dem es suihm auch durch seine Klugheit gelang, eine Reihe von Vorteilen zu er-langen, die er dazu benutzte, Ptolemäos aus Syrien hinauszudrängen.Zugleich versuchte er durch seinen Sohn Demetrios. Hellas, indem er esangeblich „befreite", von der Partei seiner Gegner abwendig zu machen.
Die Gelegenheit, den Kamps gegen seine Widersacher offen aufzunehmen, AEtebot sich, als Selenkos, der gefährlichste Gegner, einen Heereszug nachIndien unternahm. Demetrios ward aus Athen abgerufen, um mit seinerFlotte den Ptolemäos von der See zu verdrängen. Aus Kypros kames zum Kampfe, und bei der Stadt Salamis erlitt Ptolemäos durchDemetrios eine große Niederlage zur See, woraus Antigonos und sein so«Sohn den Königstitel annahmen, ein Beispiel, dem ihre Gegner als-bald folgten. Damit war nach langem, heuchlerischem Spiel der letzteSchritt zur Auslösung des alexandrinischen Reichs gethan. Aber ein ver-fehlter Angriff des Antigonos aus Ägypten und der gescheiterte Versuchdes Demetrios, die von den Einwohnern heldenmütig verteidigte InselRhodos durch ungeheure Belagerungsmaschinen (namentlich die berühmteHelepölis, einen Turm von neun Stockwerken mit Schutzdächern) zu ^
erobern, hielten das Kriegsglück noch einige Jahre schwebend. Anti-gonos und Demetrios gewannen, besonders in Hellas, an Boden undbedrängten dadurch die Könige Kassander und Lhsimachos; dafür aber ge-lang es diesen, dem Antigonos in Asien Vorteile abzugewinnen, bis einenergischer Vorstoß des Demetrios gegen Makedonien die Allianz zwischenden Gegnern befestigte, und bis die große Schlacht bei Jpsos inPhrygien, worin der achtzigjährige Held Äntigonos fiel und Demetrios floh, ^das Schicksal von Asien zu Gunsten der Verbündeten entschied. WährendDemetrios als abenteuernder „Seekönig" sich in den griechischen Gewässernund Küstenländern umhertrieb, nahmen seine Gegner eine neue Länder-teilung vor. Damit war die letzte Macht, die das ganze Reich noch ein-mal hatte vereinen wollen, zertrümmert: Kassander behielt Makedonien,Ptolemäos Ägypten, die asiatischen Lande, den weitaus wichtigsten Teil,teilten Lysimachos und Selenkos. Wie die Grenzlinie lies, ist ausder trümmerhasten Überlieferung nicht zu ersehen: jedoch scheint es, daßeine Reihe von Pufferstaaten (Armenien, Kappadokien, Pontos) zwischendie beiderseitigen Gebiete gelegt wurden, um einen neuen Zusammenstoßmöglichst zu verhindern.
§ 143. Das makedonische Reich. Athen. Am geringsten war der AnteilKassanders an dem Raube gewesen, und am längsten dauerte der Krieg in