H 143. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). Z03
gonos Gonatas, der Sohn des Demetrios Poliorketes, zur Herrschaft,aus der er jedoch noch einmal vorübergehend gedrängt wurde durch den 277-240aus Italien zurückgekehrten Phrrhos von Epirus (8 184 ) Erst alsdieser vor Argos seinen Tod gefunden hatte, gelangte Antigonos zum 272ungestörten Besitz von Makedonien und Griechenland und vererbte seinKönigreich an seine Nachkommen (Antigoniden), bis dieses in dieKämpfe zwischen den Römern und Karthagern verwickelt ward und endlichim römischen Weltreich aufging (§ 198 ).
Das eigentliche Griechenland blieb für die Entwicklung der make-konischen Reiche ohne Bedeutung. Durch kluge Benutzung der Partei-leidenschaften gelang es ehrgeizigen Generalen, sich hier vorübergehendeine Stellung zu verschaffen und den entgegenstehenden MachthabernSchwierigkeiten zu bereiten, so z. B. Polhsperchon, der den erst von ihmauf den Thron gerufenen Alexandersohn Herakles durch griechische Ver-bündete zu stürzen suchte (H 142 ). Aber die Zeit des Eingreifens in den' Lauf der Weltgeschichte war unwiederbringlich dahin. Auch in den altenKulturzentren Athen, Korinth, Argos u. s. w. ergab man sich in sein Schick-sal und diente bereitwillig dem fremden Machthaber. Der alte Patriotismuswar verschwunden, nur die kurzsichtige Verkennung bedeutender Männerwar geblieben, was z. B. Phokion (§ 142 ) erfuhr, der durch einen sieg-reichen Vorstoß der radikalen Demokratie genötigt, den Giftbecher trinkenmußte. Doch sollte die siegreiche Demokratie, die damit Athen eines seinerbesten Bürger beraubt hatte, nicht lange triumphieren. Denn bald nachPhokions Tode erfolgte ein Umschwung, und die Stadt empfing einenneuen Herrn. Phokions Freund DemetriosvonPhaleron,ein klugerStaatsmann, Redner und Philosoph aus Aristoteles' Schule und ein d°n>scherwarmer Beförderer der Künste und Wissenschaften, aber auch der Sinnen-genüsse und Prachtliebe, trat durch Kassanders Einfluß an die Spitzedes athenischen Staats. Sein Einfluß während einer zehnjährigen Ver-Wallung hatte zur Folge, daß Athen sich den neuen Machtverhältnissenauch innerlich fügte. Dies zeigte sich besonders, als Demetrios Polior-ketes sich wiederholt Athens bemächtigte. Trotz seiner Unsittlichkeit ver-ehrten ihn die Athener wie einen Gott, errichteten ihm Altäre undStatuen und teilten die Ausschweifungen des genialen Mannes, der ihnenunter der Maske eines Befreiers genaht war. Nach seinem Tode wurdeHellas noch enger mit Makedonien verbunden. Durch Burgbesatzungen undFestungen (die „drei Fesseln" Demetrias in Thessalien, Chalkis, Akro-korinth) wurde Hellas an Makedonien gekettet. Nur wenige Männer gabes noch, die ein freies Wort wagten und eine freiheitliche Gesinnunghegten; unter ihnen war der bedeutendste Dem och ar es, des Demosthenes Dsm°ch°resSchwestersohn, der es unter Demetrios des Phalereers Regierung ver-schmäht hatte, ein Amt anzunehmen, und der, als der Friede nach derSchlacht von Jpsos Hellas an die makedonische Krone auslieferte, dieLeitung des Staates in die Hand nahm, aber von dem TyrannenLachares verbannt ward; auch dieser mußte schließlich vor dem siegreichen 2ssPoliorketes fliehen. Zum letzten Male versuchte Athen unter Glaukon,dem „Wassertrinker", und Chremorndes, sich der makedonischen Herrschaftzu entziehen. Umsonst. Nach einem dreijährigen mutigen Kampfe mußte Kä-fich die erschöpfte Bürgerschaft ergeben und dem fremden Machthaber Zins- 2W-2Wund Dienstpflichten leisten. Dieser Ausgang des letzten „Freiheitskrieges"