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Erster Band.
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309
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tz 147. Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr.). Z09

im Orient herrschend. Freilich, einen Einheitsstaat, wie er in Ägypten ent-stand, vermochte auch dieser mächtige Kultursaktor nicht zu schassen, da sichdem zu viel entgegenstellte und die Macht des Staates nicht aus nationale, "Theos"'sondern nur auf materielle Elemente gestellt war; zu der griechischen Bildung Sel-eä°s u.und Zivilisation gesellte sich orientalischer Luxus und asiatische Weichlichkeit,für welche die durch die hohe Besteuerung und den gewaltigen HandelsverkehrS-l-uk°smzusammenfließenden Reichtümer die Mittel boten. Lüste und Laster aller Art 220-222schlugen ihren Sitz am Hose auf. Nirgends sanken die Unterthanen zu soentehrender Schmeichelei herab, als im syrisch-babylonischen Reich. Sieerrichteten ihren Königen nicht bloß Tempel und Altäre und erwiesenS-nuiosiv.ihnen göttliche Ehre, sie gaben dem zweiten Antiochos sogar den Beinamen Ann°-„Gott". Die Religion endlich wurde zu einem griechisch-morgenländischenMischkult entstellt. Blutige Greuel, Herrschaft von Weibern und Günst-^sA^Elingen, allgemeine Sittenverderbnis bilden neben wechfelvollen blutigenKriegen gegen Ägypten, gegen die Völker Kleinasiens, gegen empörte Land-schaften im Osten den Inhalt der Geschichte der Seleukiden, unter denen nurAntiochos III. (der Große) wegen seiner Feldzüge nach Baktrien undIndien, seiner Kriege mit Ägypten und seines unglücklichen Kampfes gegendie Römer Erwähnung verdient. Als er einige Jahre nach der Schlachtbei Magnesia (§ 197) den Baaltempel in Elhmais, südlich vom kaspischenMeer, plünderte, um mit dessen Schätzen feine leeren Kassen zu füllen,wurde er von den Einwohnern erschlagen. Nach der Niederlage beiMagnesia hat Syrien keine zweite Entscheidung durch die Waffen versucht.

Seitdem die Römer festen Fuß in Asien gefaßt hatten, nahm ihre Machtin Syrien von Jahr zu Jahr zu, bis endlich Pompejus das Reich ineine römische Provinz umwandelte (Z 222).

In dem Seleukidenreiche erfüllten sich abermals die Schicksale, dienun einmal den orientalischen Großreichen vorgezeichnet zu sein scheinen:eine kurze herrliche Blüte unter der Herrschaft eiserner Herren, die ihrsiegreiches Schwert nach allen Himmelsrichtungen ausstrecken, eine schein-bare Fortsetzung dieses Zustandes unter ihren Nachfolgern und endlichein klägliches Dahinsiechen des gewaltigen Reichskörpers, der dann dieleichte Beute eines neuen Eroberers wird. Denn der Orientale scheintnun einmal zur Knechtschaft geboren, und kein Herr, auch der gewal-tigste nicht, ist imstande gewesen, die Völker des Ostens zur Freiheitund Selbstbestimmung zu erziehen. Die Geschichte kennt dort nur einewiges Auf und Nieder der weltumfassenden Großreiche und der Selb-ständigkeitsbestrebungen der kleinen Nationen, aus denen jene größerenStaaten zusammengefügt waren.

H 147. Die kleineren hellenistische» Reiche in Asien. So war auch das ge-waltige Selmkidenreich schon nach des ersten Selmkos Tode nur mit Mühe von seinenthatkräftigen ersten Nachfolgern zusammengehalten worden, ohne daß sie das Abbröckelnentlegener Landschaften an der Peripherie des Reiches hätten hindern können. Noch reißenderging es bergab, als nach der Schlacht von Magnesia die Königsfamilie in das bequemeLasterleben orientalischer Despoten einlenkte. — Das erste Gebiet, das Selbständigkeit ge- Indischewann, waren die indischen Satrapien, in denen der König Sandrakottos (Tschandra- zf?— 2 m"gupta, 8 17) die Makedonen verjagte und sich ein eigenes Reich gründete, das von denIndus- bis zu den Ganges-Mündungen reichte. Alle Unternehmungen gegen dieses neuegeeinte Arierreich sind erfolglos geblieben- — Das zweite Land, das sich loslöste, warParthien, wo der einheimische Fürst Arsakes sich bestrebte, Iran von den Fremdlingen Parthienzu befreien. Es gelang ihm, und er gründete die Dynastie der Arsakiden, die fast fünf-hundert Jahre das Reich beherrschte, bis Ardeschir, aus dem Geschlecht der Sassaniden