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Erster Band.
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Viertes Kapitel: Die makedonische Zeit (360—190 v. Chr-).

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Z 150.

liten. Er befreite Judäa gänzlich von der syrischen Botmäßigkeit und Zinspflicht,verwaltete als Fürst und Hohepriester weise und gerecht das Land und schützte denvaterländischen Kultus. Durch ihn kamen wieder Jahre des Glücks und Wohlstandesüber Judäa; aber Simon siel in Jericho durch die Mörderhand seines Gastsreundes undEidams. Unter seinem Sohne Johannes Hyrkanos, der in Roms Bundesgenossen-schast eintrat, wurden die Grenzen des Reichs erweitert und die Jdumäer (Edomiter) igz-ig?zur Annahme des jüdischen Gesetzes gebracht, so daß dessen Sohn Aristobulos sogarwieder den Königstitel annahm. Aber die durch die Heldenkämpfe der Makkabäer be-wirkte Blüte des jüdischen Staates war nicht von Dauer. Nicht nur, daß das Herrscher-geschlecht unter sich uneinig war und die einzelnen Glieder einander verfolgten und mordeten;innere Streitigkeiten und Sektengeist, sowie Stammeseiferfucht der eigentlichen Juden aufdie Samariter und Galiläer lähmten die Kraft des Volkes und führten es endlichunter Roms Herrschaft. Der kriegerische Jannäus, der den Königstitel mit der hohen-priesterlichen Würde verband, wütete gegen seine besiegten Widersacher mit unmenschlicher im-isGrausamkeit, bis er bei der Belagerung von Ragaba den Tod fand. Seine GemahlinAlexandra führte die Regierung weiter; aber die Kriege und Parteikämpfe ihrer Söhnemachten die Römer zu Schiedsrichtern und Herren des Landes (ß 222). Der Schützlingdes Pompejus, Antipater, Statthalter von Jdumäa, war der eigentliche Gebieter; alsdieser durch Gift aus der Welt geschafft ward, trat sein Sohn Herodes, der Gemahl der H^desHasmonäerin Mariamne, an seine Stelle, ein Fürst von hoher Kraft und Klugheit. Vonw-4v.Chr.kölnischen Truppen unterstützt, bekriegte dieser den letzten Makkabäer Antigono s und be-wirkte nach der Erstürmung des Tempels und der Zionstadt dessen Hinrichtung. Daraufsetzte sich Herodes „der Große" auf den Stuhl Davids und herrschte unter römischemSchutz als zinspflichtiger König über Judäa, begünstigt und bestätigt von Augnstus. Umsich die Juden, die ihn als Fremdling haßten, geneigt zu machen, ließ er den salomoni-schen Tempel vergrößern und verschönern, artete aber aus Mißtrauen und Leidenschaftlichkeitje länger je mehr in einen blutdürstigen Tyrannen aus, der gegen sein eigenes Geschlechtwütete, seine heißgeliebte Gattin Mariamne aus Argwohn töten ließ, auf Anstiften seinesSohnes, Antipater die Söhne Mariamnes dem Henker überantwortete und selbst, wie dieheilige Überlieferung meldet, dem zur Erlösung der gesunkenen Menschheit in die Welt ge-sandten Jesus von Nazareth nach dem Leben trachtete. Gift und Folterknechte spieltenin den letzten Jahren des großen Herodes eine wichtige Rolle an dem gottvergessenen Hofe zuJerusalem. Noch aus dem Totenbette gab der fürstliche Zwingherr Befehl zur Hinrichtungseines boshaften Sohnes Antipater, der auch seinem Leben nachgestellt hatte. Mit Herodes'

Tode ging das jüdische Reich seinem schnellen Verfalle entgegen und wurde eine leichte Beuteder Römer. Herodes' Sohn Archelaos, dem Augustus den größten Teil des väterlichenReiches mit der Hauptstadt Jerusalem überließ, vermochte die Ordnung nicht aufrecht zu s n. Chr.erhalten. Er wurde nach Gallien verwiesen, wo er starb. Darauf kam Judäa, der ProvinzSyrien einverleibt, unter die unmittelbare Herrschaft Roms.

§ 15V. Innere Zustände des jüdischen Volkes bis zu Christi Geburt. Als

Ruhe in dem Lande eingekehrt und der Jahvedienst in seine Rechte wiedereingesetzt worden war, verschwanden die beiden alten Parteien der helle-nistisch Gesinnten und der Nationalen (Chasidäer), und an ihre Stelle tratenneue Sekten, unter denen die Pharisäer (die „Besonderen"), eine strengreligiöse Volkspartei, und die Sadducäer, die aus dem alten Priesteradel sadducL-rsich entwickelnde hierarchische Regierungspartei, einander schars gegenüber-standen. Beide hielten sich an das mosaische Gesetz; während aber die

Pharisäer zugleich strenge Beobachter „der aus Esra (Z 50) zurückgeführtenund in stetem Zuwachs begriffenen Überlieferung (Tradition) waren, vonder pünktlichen Erfüllung äußerlicher, kleinlicher Vorschriften himmlischenLohn im Jenseits erhofften und im Streben nach strenger Gesetzesheiligkeitund nationaler Ausschließlichkeit mitunter in heuchlerische Selbstüberhebungverfielen, suchten die meistens den höheren Ständen angehörenden Sadducäerdas mosaische Gesetz, das für sie allein bindende Kraft hatte, mit griechischerSitte und Denkweise zu versöhnen und in aristokratischer Geschmeidigkeit sichfreiere Lebensansichten und feinere Weltbildung anzueignen. Der Gegensatz derbeiden Parteien bestand weniger in einer dogmatischen Verschiedenheit, als ineiner abweichenden Auffassung des äußeren politischen und gesellschaftlichenLebens, in einer schrofferen und laxeren Haltung gegenüber dem jüdischen Ge-